30.05.2014, 14:30 Uhr | 0 |

Rechner im Kofferraum Intel bringt eine Computer-Plattform für Autos auf den Markt

Navigieren, im Internet surfen und gleichzeitig ein Video gucken: das alles vereint Chiphersteller Intel mit Kendrick Peak. Herzstück der neuen Computer-Plattform ist ein Rechner mit Atomprozessor im Kofferraum. Hinzu kommen Displays, die nach Blickwinkel verschiedene Inhalte darstellen. In Zukunft soll sogar autonomes Fahren möglich werden. 

Chiphersteller Intel forscht an In-vehicle-solutions
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Automobilhersteller sollen die neue Plattform von Intel individuell an ihre Bedürfnisse anpassen können. Der Chiphersteller möchte auch beim Zukunftsthema autonomes Fahren einen Fuß in die Tür bekommen. 

Foto: Intel

Nicht nur der Suchmaschinenriese Google, der in dieser Woche seinen ersten Prototyp eines selbstfahrenden Autos vorstellte, ist eng mit der Automobilbranche vernetzt. Auch Chiphersteller Intel arbeitet schon seit einigen Jahren intensiv mit Autobauern wie BMW, Jaguar, Landrover, Kia und Hyundai und Entwicklern aus der Fahrzeugindustrie zusammen. Das wundert nicht, denn schließlich sind moderne Autos ja schon fahrende Computer, die viele Chips zur Überwachung und Steuerung der Systeme von Telematik, über Infotainment bis hin zur Fahrzeugassistenz enthalten. Außerdem gewinnt das Internet im Auto mehr und mehr an Bedeutung.

Um die Innovationen in der Automobiltechnik voranzubringen, eröffnete Intel schon vor etwa zwei Jahren das Automotive Innovation & Product Development Center in Karlsruhe mit inzwischen über 100 Mitarbeitern. Dort sollen Lösungen für das In-Vehicle-Infotainment (IVI) und die Telematik entwickelt werden. IVI-Lösungen umfassen eine Vielzahl digitaler Anwendungen, die Fahrer und Beifahrer nutzen können. Dabei geht es um die fahrzeuginterne Vernetzung, um Navigationssysteme mit Schnittstellen zu Verkehrsinformationen, den Zugang zum Internet und auch um Unterhaltungsangebote wie beispielsweise den Empfang von Fernsehbildern.

Intels neue Computerplattform für Autos heißt Kendrick Peak

Am Donnerstag stellte Intel jetzt seine neue technische Lösung mit der Bezeichnung Kendrick Peak vor. Sie verbindet Hardware und Software und kann von den Automobilherstellern an ihre eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die Plattform tritt nach Angaben von Intel nicht in Konkurrenz zu den Zulieferern, deren Angebote an Kendrick Peak angedockt werden können.

Die ersten Fahrzeuge mit diesem System könnten möglicherweise noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, sagte Intel-Sprecher Thomas Kaminski. Ein wesentlicher Teil der Entwicklung fand in Intels Zentrum in Karlsruhe statt, das eine von weltweit drei Forschungsstätten für digitale Autotechnik ist.

Herzstück des Systems ist ein Computer mit einem hauseigenen Atom-Prozessor im Kofferraum des Fahrzeugs. Er kann auf mehreren Bildschirmen beispielsweise Navigationshilfe für den Fahrer, Internet für den Beifahrer und Videos für andere Insassen anzeigen. Dabei kann ein Monitor mit Dual-View-Technik in der Mittelkonsole Fahrer und Beifahrer unterschiedliche Inhalte anzeigen. Das System arbeitet im Temperaturbereich zwischen minus 50 und plus 60 Grad Celsius.

Keine Hintertür für die NSA

Als nächster Schritt ist eine Lösung mit integrierter Serveranbindung für die Echtzeitanalyse der Fahrzeugdaten vorgesehen. „Ziel ist, dass sich Autos miteinander unterhalten, damit sie einen optimalen Abstand halten und Staus vermieden werden“, erläuterte Kaminski. Das soll bis hin zum autonomen Fahren wie bei Google weiterentwickelt werden.

In Sachen Datenschutz beschwichtigt Chip-Hersteller Intel: Im Prozessor integrierte Technik für die Verschlüsselung sowie eine Anonymisierung sollen angeblich die persönlichen Daten schützen. Auf die Frage nach einer Hintertür für den US-Geheimdienst NSA antwortete Intel-Sprecher Florian Ranner in München: "Es gibt keine Backdoor bei unseren Prozessoren." 

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Von Klaus Ahrens
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