16.12.2014, 15:59 Uhr | 0 |

Problem war bekannt General Motors bestätigt 42 Todesopfer wegen defekter Zündschlösser

Defekte Zündschlösser in Autos des US-amerikanischen Herstellers General Motors haben inzwischen mindestens 42 Todesopfer gefordert. Dies ist die Zahl, die der Autokonzern aus Detroit nun bestätigt hat. Bisher war die Rede von 13 Todesopfern. Anwälte sprechen dagegen von 165 Todesopfern. 

Cadillac-Produktion im US-Werk in Lansing, Michigan
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Cadillac-Produktion im US-Werk in Lansing, Michigan: Inzwischen hat GM 30 Millionen Fahrzeuge wegen Qualitätsproblemen in die Werkstätten zurückgerufen. 

Foto: John F. Martin/Cadillac

Eine Katastrophe für jeden Autofahrer: Während der Fahrt springt das Zündschloss in GM-Modellen der Marken Pontiac, Cadillac, Buick, Chevrolet oder Saturn plötzlich in die „Aus“-Position. Das führt dazu, dann nicht nur der Motor ausgeht, sondern sich auch die Elektronik ausschaltet. Die Folge: Die Lenkung lässt sich ohne Servo-Unterstützung nur noch schwer bewegen, die Bremse wirkt ohne Bremskraftverstärker kaum und selbst die Airbags lösen im Fall eine Karambolage nicht mehr aus.

Mindestens 42 Menschen haben die defekten Zündschlösser und ausgelösten Unfälle das Leben gekostet. GM hat nun anerkannt, dass diese Todesfälle auf die defekten Zündschlösser zurückzuführen sind. Hinzu kommen 58 Verletzte. Anwälte gehen allerdings von einer viel höheren Zahl aus und nennen insgesamt 165 Todesopfer. Noch bis zum 31. Januar können Opfer und ihre Angehörigen Schadensersatzansprüche bei GM anmelden.

GM zahlt eine Million Dollar für jedes Todesopfer

General Motors hat einen Entschädigungsfond eingerichtet. Seit August 2014 sind 251 Anträge auf Schadensersatz wegen tödlicher Unfälle eingegangen. 34 Anträge werden noch geprüft. Für jedes Todesopfer zahlt GM mindestens eine Million Dollar. Hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte bekommen je 300.000 Dollar. Seit Bekanntwerden des Skandals gingen insgesamt 2326 Anträge auf Schadensersatz ein, erklärte GM-Anwalt Kenneth Feinberg. Darunter sind auch Forderungen auf Reparaturkosten oder auf Erstattung des Wertverlustes des Fahrzeuges, die GM bislang allerdings ablehnt.

Der Skandal ist jedoch, dass dem Unternehmen das Problem schon seit zehn Jahren bekannt ist. Jetzt wird GM vorgeworfen, sich nicht rechtzeitig um das Problem defekter Zündschlösser gekümmert zu haben. Im Mai musste GM eine Geldbuße von 35 Millionen Dollar an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA zahlen, da die Rückrufaktion verspätet kam.

Zündschloss-Probleme schon seit zehn Jahren bekannt

Ursache für die Probleme ist eine zu kleine Feder im Zündschloss. Schon ein schwerer Schlüsselbund genügte, um den Schlüssel im schlechtesten Fall in die Aus-Position rutschen zu lassen. Das stellten die GM-Ingenieure vor fast zehn Jahren fest und ersetzten die Feder durch ein um 1,6 Millimeter stärkeres Exemplar ab dem Modelljahr 2007.

Doch GM verzichtete damals auf eine Rückrufaktion, um die fehlerhaften Zündschlösser bei älteren Modellen auszutauschen. Im Gegenteil: Offenbar wurden weiterhin zu schwach dimensionierte Schlösser eingebaut. Denn später wurden Autos in die Werkstätten bis ins Produktionsjahr 2011 gerufen.

In Deutschland war der Opel GT betroffen

GM-Tochter Opel war von den Problemen übrigens kaum betroffen. Lediglich 2300 Modelle des in den USA gebauten Opel GT aus dem Jahr 2007 waren betroffen.

Die zu schwache Feder geht offenbar auf Initiative des Herstellers selbst zurück. GM drängte seine Zulieferer dazu, deutlich billiger auf China-Niveau zu produzieren. Das galt auch für Delphi, einen der weltgrößten Automobilzulieferer der Welt und Hersteller der Zündschlösser. Erste Probleme gab es schon im Jahr 2001 im Saturn Ion. Doch GM reagierte nicht.

Erst Anfang 2014 rief GM 2,6 Millionen Fahrzeuge der Produktionsjahre 2003 bis 2011 in die Werkstätten zurück. Im Juni folgte eine Rückrufaktion von weiteren 3,4 Millionen Fahrzeugen. Inzwischen musste der Autokonzern über 30 Millionen Autos wegen unterschiedlicher Mängel hauptsächlich auf dem nordamerikanischen Markt zurückrufen. Die Rückrufe haben den Konzern bislang rund 2,5 Milliarden Dollar gekostet.

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Von Petra Funk
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