09.07.2013, 13:30 Uhr | 0 |

Konstruktionswettbewerb Geburt eines Formula-Student-Teams

Studenten der Fachhochschule Düsseldorf wollen sich 2014 bei dem Konstruktionswettbewerb Formula Student international messen. Der von ihnen konstruierte und gebaute Rennwagen soll die Konkurrenz abhängen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zuerst müssen die Studenten an den Zeichentisch und in die Werkstatt, aber vor allem Sponsoren finden. Sonst bleibt der Traum vom Rennwagen auf der Strecke.

e-Traxx-Team
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Nur gucken: Beim Besuch der Formula Student 2012 sammelte das e-Traxx-Team Inspirationen. Dabei legte sich Projektleiter Stefan Grüner seinem Team zu Füßen. 2014 wollen die Studenten dann selbst starten. Foto: e-Traxx

Foto: e-Traxx

52 Düsseldorfer Studenten wollen nach Baden-Württemberg – aber nicht alleine, im Gepäck soll sich ein Rennwagen befinden. Genaues Ziel: Hockenheim. Für 2014 haben sich die Studenten der Fachhochschule Düsseldorf vorgenommen, den Konstruktionswettbewerb Formula Student aufzumischen. Gebaut und konstruiert werden muss der Bolide aber noch.

Die Idee dazu entstand im Wintersemester 2011. Innerhalb eines Erstsemesterkurses sollten die Hochschüler Informationen zur Formula Student sammeln. Sie sollten herausfinden, wie der Konstruktionswettbewerb abläuft und welche Voraussetzungen für eine Teilnahme erfüllt werden müssen.

"Da die meisten Studenten wenig Interesse an der Pflichtveranstaltung zeigten, ist das Projekt aber leider nicht besonders erfolgreich verlaufen", erklärt Stefan Grüner, Student der Produktentwicklung und Produktion an der FH Düsseldorf. Die Hochschüler machten es wie ein gutes Zirkuspferd und sprangen nur so hoch, wie sie mussten. Doch Grüner hatte das Rennfieber gepackt. "Zwei, drei Monate später hab ich mir gedacht, dass das Projekt eigentlich total genial ist und ich es gerne weitermachen würde."

Im September 2012 Gründung des Formula-Student-Teams "e-Traxx"

Gesagt, getan. Grüner setzte, was als Theorie begann, in die Praxis um. Im September 2012 gründete er als Projektleiter zusammen mit Studenten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen der FH Düsseldorf das Formula-Student-Team "e-Traxx". So haben die mittlerweile 52 Hochschüler, darunter Elektrotechniker, Produktentwickler, Wirtschaftsingenieure, Kommunikationsdesigner und Medientechniker ein gemeinsames Ziel: Einen Rennwagen bauen und mit diesem 2014 bei der Formula Student in der Kategorie Elektroantrieb antreten.

Die Entscheidung für die Elektrosparte hatte für das Team mehrere Gründe: Zum einen wollen sie auf eine zukunftsorientierte Technik setzen. Zum anderen rechnen sie sich hier auch bessere Chancen für den Wettbewerb aus. "Für Neueinsteiger ist die Elektrokategorie interessanter, weil im Verbrennersegment das Leistungsniveau mittlerweile sehr hoch ist", gibt Grüner zu bedenken. "Die Teams verfügen in dieser Klasse über wahnsinnig viel Erfahrung. Bei den Elektroautos gibt es momentan erst drei oder vier Entwicklungsgenerationen – da ist der Einstieg leichter."

In sieben Teams aufgeteilt, machen sich die Studenten ans Werk, planen und entwickeln den Wagen. Das technische Team konstruiert Rahmen, Federungen und Aufhängungen. Die Elektroniker kümmern sich um die Steuerung, Regelung und den Antrieb. Unterschiedlichste Konzepte, wie der Wagen aussehen könnte, entwickeln die Designer. Unterstützt werden die Tüftler vom Marketing-, Business-, Informations- und Managementteam, die sich mit allen Aufgaben beschäftigen, die bei einem solchen Projekt weiter anfallen: von der Entwicklung eines Businessplans, der Sponsorensuche bis hin zur Koordination der einzelnen Aufgaben.

Rahmen aus Stahl statt Aluminium

Wie der Bolide letztlich technisch gestaltet sein wird, davon haben die e-Traxxler bereits klare Vorstellungen. Zwei permanent erregte Synchronmotoren sollen das Auto antreiben. Sie zeichnen sich durch eine hohe Performance und damit ein starkes Leistungsniveau aus. Die nötige Energie liefern Lithium-Eisenphosphat-Akkus. Beim Rahmen hatten die Studenten erst große Pläne, wurden dann aber von der Realität eingeholt. So sollte das Chassis erst aus Aluminium gefertigt werden, wird jetzt aber aus Stahl sein.

"Die Konstruktion eines Aluminium-Rahmens lohnt sich nicht", so Grüner. "Wir haben errechnet, dass die Gewichtsersparnis nur marginal ist, die Kosten und der Fertigungsaufwand aber jeden Rahmen sprengen."

Eine Wasserkühlung für die Frequenzumrichter wollen die Hochschüler dafür selbst entwickeln. Hier gäbe es keine Produkte, die ihren Ansprüchen zu 100 % entsprechen würden. "Die Wasserkühlung soll eben nicht nur leicht, sondern auch sehr leistungsstark sein", so der Team-Chef weiter. Außerdem dürfe sie nur wenig Platz beanspruchen.

Insgesamt rechnen die jungen Entwickler mit einem Materialaufwand von mindestens 75 000 €. Ein Betrag, den die Studenten nur mithilfe von Sach- und Geldspenden stemmen können. "Wir sind gerade ganz gewaltig auf Sponsorensuche. Das hat bei uns erste Priorität", betont Grüner, denn hier hakt es noch.

Noch Maschinenbauer und Kommunikationsdesigner gesucht

Auch Unterstützung von den Kommilitonen könnte das Team e-Traxx gut gebrauchen. So benötigt der Rennstall noch Studenten, die ihnen bei Entwicklung, Konstruktion und Bau, aber auch bei dem Print- und Fahrzeugdesign zur Hand gehen. Gerade Maschinenbauer und Kommunikationsdesigner wären ihnen sehr willkommen.

Das sind Aufgaben, die Konstrukteursherzen höher schlagen lassen, aber ein hohes Maß an Eigeninitiative und Motivation erfordern. Grüner schätzt, dass seine Teammitglieder im Durchschnitt bis zu 20 Stunden pro Woche auf das gemeinsame Projekt verwenden. "Für Freundin und Hobbys bleibt da kaum mehr Zeit", gibt der Projektleiter zu bedenken, der selbst noch deutlich mehr Zeit in der Werkstatt verbringt.

Damit die motivierten Studenten ihren Traum vom eigenen Rennwagen und der Teilnahme an der Formula Student 2014 weiter erfolgreich verfolgen können, ist ihnen zu wünschen, dass sich noch Sponsoren finden werden. Damit es dann nächstes Jahr heißen kann: "Gentlemen, start your engines."  

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Von Christoph Böckmann | Präsentiert von VDI Logo
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