17.02.2015, 15:39 Uhr | 0 |

Autokonjunktur zieht an GM erkennt Schuld für 56 Todesfälle durch defekte Zündschlösser an

Während der Fahrt springt das Zündschloss plötzlich in die Aus-Position. Die Zahl der Todesopfer, die der Autohersteller GM aufgrund dieses technischen Fehlers offiziell anerkennt, ist weiter gestiegen. Der Aufbruchstimmung in der Automobilindustrie scheint das aber nichts anzuhaben. In Südeuropa hat sich die lahme Autokonjunktur deutlich erholt.

Chevrolet Spark
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Das Modell Spark der GM-Marke Chevrolet: Der Autokonzern räumt inzwischen 56 Todesfälle aufgrund eines defekten Zündschlosses ein.

Foto: Chevrolet/GM

Noch im Dezember berichtete ingenieur.de von mindestens 42 Todesopfern aufgrund eines verschleppten technischen Fehlers im Zündschloss, die General Motors offiziell anerkannte. Nun sind es bereits 56 Todesfälle und 87 Verletzte, die sich klar auf den Mangel zurückführen lassen, wie in einer Statistik des Unternehmens dargelegt wird. Allerdings könnte sich diese Liste noch weiter verlängern. Denn insgesamt liegen GM Schadensersatzforderungen 478 Todesfälle und 3546 Verletzungsopfer vor.

In den vergangenen Jahren häuften sich die Meldungen, nach denen Zündschlösser während der Fahrt selbstständig den Motor ausschalteten. Die Lenk- sowie Bremskraftverstärkung der Autos fällt in solchen Fällen von jetzt auf gleich aus. Rund 2,6 Millionen GM-Fahrzeuge wurden deswegen alleine zu Beginn des vergangenen Jahres zurückgerufen. Dem Autobauer aus Detroit wird vorgeworfen, auf das seit über zehn Jahren bekannte Problem nicht angemessen und schnell genug reagiert zu haben.

Zu schwache Feder verursacht den Fehler

Dass der Zündschlüssel selbstständig von der schrägen, eingeschalteten Stellung in die senkrechte Aus-Position springen kann, ist auf eine zu schwache Feder im Innern des Schlosses zurückzuführen. Wie Ingenieur.de bereits im Dezember beschrieben hat, genügt dafür mitunter ein schwerer Schlüsselbund.

Offenbar ist die ungenügende Feder ein Resultat der Sparpolitik des Autobauers, der diverse Zulieferer dazu angehalten hatte, wesentlich billiger zu produzieren. Betroffen sind unter anderem Fahrzeuge der Hersteller Buick, Cadillac, Pontiac und Chevrolet. Bei GM-Tochter Opel sind lediglich 2300 Modelle des in den USA gefertigten Opel GT (Baujahr 2007) mit dem minderwertigen Zündschloss ausgestattet. Pro Todesopfer zahlt GM den Angehörigen über einen Entschädigungsfonds mindestens eine Million US-Dollar.

Volkswagen-Mitarbeiter arbeiten am 25.02.2013 im VW-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) an der Produktionsstraße für den VW Golf VII. Foto: Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Produktion des Golf im VW-Werk in Wolfsburg: Der Autoabsatz in Europa ist vor allem in Südeuropa stark gestiegen. Allein in Spanien wurden im Januar mehr als 27 Prozent mehr Autos verkauft als vor einem Jahr.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

 

Derweil scheint die kleine Feder mit den großen Folgen den Autofahrern ihre aktuelle Kauflaune aber nicht zu verderben. In der EU stieg der Kfz-Absatz nun zum 17. Mal nacheinander – nach Angaben des Branchenverbands Acea im Januar um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Knapp 1,03 Millionen Neuwagen wurden EU-weit allein im ersten Monat des Jahres zugelassen.

Zweistellige Zuwächse bei den Neuzulassungen verzeichneten Italien (plus 10,9 Prozent) und Spanien (plus 27,5 Prozent). Vor allem bei letzterem ist der starke Anstieg ein Zeichen des sich langsam erholenden Kfz-Marktes, der in den Krisenjahren enorm eingebrochen war.

Absatz in der Eurozone stark zugelegt

Während in Großbritannien und Frankreich die Neuwagenverkäufe immerhin noch um 6,7 und 6,2 Prozent zulegten, liegt Deutschlands Absatzplus bei "nur" 2,6 Prozent. Allerdings war der Markt hierzulande auch deutlich weniger beeinträchtigt. Einzig in Deutschland liegen die Autoverkäufe leicht über dem Level der Jahre vor der Krise. Im EU-Durchschnitt werden noch immer 22 Prozent weniger Neuwagen registriert als im Jahr 2007.

In Russland ist der Automarkt weiterhin in der Krise, der Absatz ging im Vergleich zum Vorjahr und gut 24 Prozent zurück. Eine stark steigende Nachfrage melden dagegen die USA mit plus 14 Prozent und China mit plus 13 Prozent.

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Von Jan-Martin Altgeld
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