04.01.2017, 13:19 Uhr | 0 |

Nach Trump-Kritik Ford stoppt Milliardenpläne für neues Werk in Mexiko

Der amerikanische Autobauer Ford wird nun doch kein neues Werk in Mexiko bauen. Damit reagiert Ford auf die Kritik des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Der hatte amerikanische Unternehmen aufgefordert, in den USA Arbeitsplätze zu schaffen und speziell die Pläne zum Bau eines Werkes in Mexiko angegriffen. Mit Erfolg.

Amerikanisches Ford-Taxi mit Hybridantrieb
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Amerikanisches Ford-Taxi mit Hybridantrieb: Ford hat seine Pläne für ein neues Werk in Mexiko aufgegeben und investiert stattdessen 700 Millionen US-Dollar in das bestehende Werk in Flat Rock in Michigan. Dort sollen Autos mit Elektro- und Hybridantrieben gebaut werden. Jetzt wollen umgekehrt mexikanische Unternehmen keine Ford-Modelle mehr kaufen.

Foto: Ford USA

Ursprünglich wollte Ford 1,6 Milliarden US-Dollar in ein neues Werk im mexikanischen San Luis Potosi investieren. Doch Donald Trump hat nicht nur die Pläne kritisiert, sondern zugleich gedroht, Autos aus Mexiko mit hohen Einfuhrzöllen zu belegen. Das könnte aber nicht nur Ford treffen, sondern auch andere Autohersteller, die das Niedriglohnland Mexiko nutzen, um Autos für den US-Markt günstig zu produzieren.

Auch deutsche Autokonzerne produzieren in Mexiko

Dazu zählen auch die deutschen Automarken VW und Audi. So hat Audi erst Ende September sein neues Werk in San José Chiapa eröffnet, das bis zu 150.000 Q5 produzieren kann. VW betreibt ein riesiges Autowerk in Puebla, wo schon 1967 die ersten VW-Modelle vom Band liefen. Heute werden dort Modelle für 100 Märkte produziert, auch für die USA.

Ford, seit 1964 mit einem eigenen Werk in Mexiko vertreten, hat jetzt darauf verzichtet, ein weiteres Werk in dem Land zu bauen. Stattdessen wird Ford nun 700 Millionen US-Dollar in das bestehende Werk in Flat Rock in Michigan investieren. In dem Werk werden künftig neben dem Ford Mustang selbstfahrende und elektrische Automobile gebaut. 700 Mitarbeiter werden dafür eingestellt.

Doch ganz ohne Mexiko kommt Ford nicht aus. Denn nun will Ford sein US-Modell Focus im bestehenden mexikanischen Ford-Werk in Hermosillo bauen, das jetzt noch in Michigan produziert wird. Allerdings geht dort keine Produktion verloren, weil in Michigan zwei andere Modelle gebaut werden sollen. Die dortigen 3.500 Jobs bleiben deshalb sicher.

Trump forderte im Wahlkampf: Produziert in den USA

Trump hatte schon im Wahlkampf die US-Unternehmen dafür kritisiert, dass sie immer mehr Arbeitsplätze ins billigere Ausland verlagern. Damit hatte Trump besonders im so genannten Rust Belt gepunktet. Ähnlich wie im Ruhrgebiet leidet der Rust Belt unter dem Niedergang der klassischen Industrie wie Stahl, Kohle und eben der Autoindustrie.

Trump hatte versprochen, Industriearbeitsplätze in die Region zurück zu holen. Ford ist jetzt der erste Konzern, der 700 neue Arbeitsplätze schafft und bestehende Arbeitsplätze sichert. Entsprechend groß war die Begeisterung der Arbeiter im Ford-Werk Flat Rock, wo Ford-Chef Mark Fields die Pläne persönlich vorstellte.

Seit den Drohungen überlegt auch Apple, Teile der iPhone-Produktion bei Foxconn in China wieder in die USA zu verlagern – was ja bei dem ausgesprochen hohen Preis des iPhones und der Milliardengewinne Apples kein Problem sein sollte. Boeing hat nach Kritik Trumps am hohen Preis der neuen Präsidentenmaschine Preissenkungen versprochen. Und Ende November hatte Trumps Kritik am Klimaanlagenbauer Carrier dazu geführt, dass er eine Verlagerung von Jobs nach Mexiko stark zurückgefahren hat.

Trump droht mit Strafzöllen auf Autos aus Mexiko

Inzwischen dürfte sich auch General Motors überlegen, ob der Konzern Arbeitsplätze nach Mexiko verlagern wird.

Sollte GM weiterhin billige Autos aus Mexiko in die USA einführen, droht Trump auf Twitter mit hohen Strafzöllen. Wörtlich schrieb Trump: „General Motors is sending Mexican made model of Chevy Cruze to U.S. car dealers-tax free across border. Make in U.S.A. or pay big border tax!“ Auf deutsch: „General Motors liefert den in Mexiko produzierten Chevy Cruze steuerfrei über die Grenze zu den US-Händlern. Baut in den USA oder zahlt hohe Zölle!“

Dabei ist GM gar kein Bösewicht. Denn der Konzern baut die allermeisten Autos in den USA, auch den Chevy Cruze. In Mexiko werden vom Cruze nur kleine Stückzahlen für den Export produziert, von denen nur wenige Autos in die USA gehen.

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Von Axel Mörer-Funk
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