02.05.2016, 11:31 Uhr | 0 |

Folge des VW-Abgasskandals Dobrindt will auch CO2-Ausstoß von Autos prüfen lassen

Pusten Autos in Deutschland mehr CO2 in die Luft als erlaubt? Das möchte das Bundesverkehrsministerium jetzt offiziell prüfen lassen. Medienberichten zufolge existieren Prüfwerte aber schon in verschlossener Schublade. Sie würden zurückgehalten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will jetzt auch den CO2-Ausstoß der Autos prüfen lassen
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will jetzt auch den CO2-Ausstoß der Autos prüfen lassen. Längst geschehen, heißt es in Medienberichten. Das Ministerium halte die Prüfberichte aber zurück. 

Foto: Peter Kneffel/dpa

Alexander Dobrindt will es wissen: Die Untersuchungskommission, die der Bundesverkehrsminister zur Aufklärung des VW-Abgasskandals gegründet hat, soll nun auch den CO2-Ausstoß von Autos auf Unregelmäßigkeiten prüfen lassen. „Stickoxid steht gerade im Vordergrund, aber auch CO2 kann uns beschäftigen“, sagte der CSU-Politiker der Süddeutschen Zeitung. „Ich habe den Anspruch, Auffälligkeiten zu finden und abzustellen.“ Das Treibhausgas Stickstoffdioxid ist zu 76 % für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich.

Hält Dobrindt CO2-Prüfberichte zurück?

Oder existieren die Prüfwerte schon? Anscheinend ja, berichtet HR Info. Dobrindt habe CO2-Emissionen bereits bei Abgastests auf Prüfstand und Straße ermitteln lassen, halte die Werte aber zurück. Im Prüfbericht des Bundesverkehrsministeriums sei das Treibhausgas nur einmal erwähnt – im Testbericht zu zwei Ford S-Max-Modellen. Dort heißt es, man habe die Motorbelastung beim Straßentest an gemessenen CO2-Werten ablesen können. Konkrete Werte stünden allerdings nicht im Bericht. Das Ministerium habe sich trotz mehrfacher Anfrage nicht dazu geäußert, warum diese Information ausgelassen worden sei.

Auch die Deutsche Umwelthilfe wirft der Bundesregierung vor, CO2-Werte zurückzuhalten, und fordert die Herausgabe der Originalprüfprotokolle. Nach Bekanntwerden der VW-Abgasmanipulation hatte das Kraftfahrtbundesamt 50 Modelle mehrerer Hersteller nachgemessen und teilweise deutliche Überschreitungen der Stickoxid-Grenzwerte festgestellt. Mercedes, Opel, Audi und Porsche haben sich danach freiwillig verpflichtet, 630.000 Autos zurückzurufen.

Daimler kämpft mit Anwälten gegen Manipulationsverdacht

Derweil kämpft Daimler für seine Marken Mercedes-Benz und Smart gegen Manipulationsvorwürfe. Fahrzeugbesitzer aus mehreren US-Bundesstaaten sprechen von überhöhten Emissionswerten. Auf Anordnung des US-Justizministeriums hat der Konzern deswegen in den USA eigene Untersuchungen begonnen, berichtet die dpa.

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Im Werk Rastatt der Daimler AG in Rastatt (Baden-Württemberg). Der Konzern wehrt sich derzeit gegen Manipulationsvorwürfe.

Foto: Uli Deck/dpa

Hauseigene Mitarbeiter sichern seit einer Woche gemeinsam mit Experten der Beratungsgesellschaft Deloitte Informationen zum Zertifizierungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen. „Es handelt sich dabei um eine interne Untersuchung mit externen Anwälten, die von uns beauftragt sind“, sagte eine Sprecherin. Die Spezialisten haben auch in Büros in Stuttgart und Sindelfingen Daten sichergestellt. Eine Manipulation der Abgaswerte weist Daimler zurück.

Boni trotz Krise: Schäuble kritisiert VW-Manager

Und was passiert bei VW, dem Auslöser des Manipulationskarussels? Die Manager des Konzerns beharren trotz Krise auf ihre Bonuszahlungen. Zwar will der Konzern die Boni um 30 % kürzen, das Geld allerdings nachzahlen, wenn der Aktienkurs innerhalb der nächsten drei Jahre steigt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisiert die Strategie im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Ich habe keine Verständnis dafür, wenn man ein großes DAX-Unternehmen erst in eine existenzbedrohende Krise führt und dann in einer öffentlichen Debatte die eigenen Boni verteidigt." Das zeige, dass etwas nicht funktioniert.

Neben den Bonuszahlungen sorgen übrigens auch die Renten für Aufsehen. Der Konzern hält für Martin Winterkorn, der in der Abgaskrise gegangen ist, 29 Millionen € bereit. Für Vorstandschef Matthias Müller sind 22,7 Millionen € Pension vorgesehen. 

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Ticker

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Von Patrick Schroeder
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