07.10.2015, 11:39 Uhr | 0 |

HARTES SPARPROGRAMM Dieselgate: VW startet Millionen-Rückruf frühestens im Januar 2016

VW startet die Umrüstung der vom Abgas-Skandal betroffenen Autos frühestens im Januar 2016. Bei einer Betriebsversammlung mit mehr als 20.000 Mitarbeitern hat der neue VW-Chef Matthias Müller zudem einen schmerzhaften Sparkurs angekündigt.

VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg
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VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg: Frühestens im Januar 2016 sollen von der Abgas-Mogelei betroffene Fahrzeuge in die Werkstatt.

Foto: Rainer Jensen/dpa

In den nächsten Tagen bekommen alle von der Mogeltechnik betroffenen VW-Kunden Post. Darin steht, wann voraussichtlich mit der technischen Umrüstung ihrer Autos begonnen werden kann. Vor Januar wird das aber nicht sein, hat der neue Konzernchef Matthias Müller jetzt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verraten. Die Aktion soll bis Ende nächsten Jahres dauern.

„Teilweise wird die Überarbeitung der Software ausreichen", sagte Müller am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung mit mehr als 20.000 Mitarbeitern im Wolfsburger Stammwerk. „Bei einem Teil der Fahrzeuge werden dagegen auch zusätzliche Eingriffe an der Hardware notwendig sein. Wir werden unsere Kunden fortlaufend über die Maßnahmen informieren und entsprechende Werkstatt-Termine vereinbaren."

Worin genau die technischen Hardwareänderungen bestehen werden, ist weiterhin unklar. Offenbar müssen teilweise sogar die Katalysatoren komplett ausgetauscht werden. Müller kündigte an, die geplanten Maßnahmen noch in dieser Woche den Behörden, vor allem dem Kraftfahrtbundesamt, vorzustellen. Die technischen Lösungen für die Probleme seien also in Sicht, sagte der Nachfolger von Martin Winterkorn bei der Betriebsversammlung.

Skandal könnte VW 70 Milliarden € kosten

Dagegen seien die geschäftlichen und finanziellen Folgen heute noch nicht absehbar. Nicht absehbar, aber zweifellos enorm. Bis zu 70 Milliarden € reichen die Schätzungen, die in der Branche kursieren – eine Summe, die sich aus Strafzahlungen, Kosten für die Rückrufaktionen und befürchteten Umsatzeinbußen zusammensetzt.

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Mehrere tausend Mitarbeiter der Volkswagen AG nahmen am 06.10.2015 in Wolfsburg (Niedersachen) an der Betriebsversammlung der Volkswagen AG teil. Auf der Videoleinwand ist Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh zu sehen.

Foto: Roland Nipaul/Volkswagen AG/dpa

Deshalb kündigte Müller an, dass jetzt alle geplanten Investitionen auf den Prüfstand kommen. Was nicht zwingend nötig sei, werde gestrichen oder geschoben. Den Mitarbeitern sagte er: „Wir werden alles daran setzen, dass Volkswagen auch in Zukunft für gute und sichere Arbeitsplätze steht." Die Zusage, dass alle heutigen Jobs sicher seien, kam ihm aber nicht über die Lippen.

Boni werden gering sein oder ganz ausfallen

Dass die Beschäftigten Einbußen werden verkraften müssen, scheint indes unausweichlich. In den vergangenen drei Jahren erhielten die Mitarbeiter jeweils zwischen 5900 und 7200 € an Jahresbonus. Dass der für 2015 allenfalls gering ausfallen wird, scheint nach diesen Aussagen von Betriebsratschef Bernd Osterloh am Mittwoch sicher: „Wir gehen davon aus, dass schon aus Gründen des Anstands der Bonus des Vorstands genauso fallen wird wie der der Belegschaft.“ Osterloh kündigte an, der Betriebsrat werde genau darauf achten, dass diese von einem Kreis von Managern verursachte Krise nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird.

Der Betriebsratschef ging allerdings auf die Frage nach Verantwortlichkeiten in seinem Statement vor der Betriebsversammlung nicht ein. Osterloh und sieben weitere Gewerkschafter sitzen als Vertreter der Arbeitnehmer im 20-köpfigen Aufsichtsrat, dessen Rolle in der Affäre bislang auch noch ungeklärt ist. Aussagen, dass sich die Gewerkschafter gegen die Mogeleien gewehrt haben, gibt es bislang jedenfalls nicht.

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Von Werner Grosch
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