03.02.2014, 13:00 Uhr | 0 |

Co-Creation im Internet Die ganze Welt designt ein Retromoped

Über 36.000 Menschen aus aller Welt konzipieren gemeinsam ein Elektromoped im Retrodesign. Sie alle sind über die Internetseite von Local Motors verbunden. Das Start-up aus Arizona übernimmt die Koordination und Entwicklung bis zur Serienreife. 

Local Motors aus dem US-Bundesstaat Arizona ist das genaue Gegenteil eines geheimniskrämerischen Unternehmens. Die 59 angestellten Designer und Ingenieure laden die ganze Welt ein, sich im Internet an der Produktentwicklung zu beteiligen. Bislang haben sich über 36.000 Menschen diesem Entwicklungsprozess angeschlossen, den Local Motors „Co-Creation“ getauft hat. Als Gegenleistung müssen sie lediglich bei der Finanzierung mitziehen – so, wie es bei Crowdfundingprojekten im Internet üblich ist.

Ariel Cruiser vereint Träume internationaler Designer und Ingenieure

Derzeit entwickeln die Communitymitglieder ein Gefährt, das die Herzen der Nostalgiker höher schlagen lässt: das Moped Ariel Cruisers im Retrolook. Die ungeschliffene Idee hatte Local Motors auf die Website hochgeladen. Zahlreiche Retrofans zeigten sich sofort begeistert und lassen seit Monaten ihrer Fantasie freien Lauf.

Sie arbeiten Designs aus und stellen sie gemeinsam mit Vorschlägen für einzelne Funktionsteile auf die Homepage. Ergattern Gestaltungsvorschläge und Komponenten genügend Stimmen der Mitglieder, erreichen sie die nächste Entwicklungsrunde. So entsteht zurzeit Schritt für Schritt der Ariel Cruiser, der die Träume tausender Menschen vereint. Jay Rogers, Geschäftsführer bei Local Motors, schätzt, dass sich 40 Prozent aller Einreichungen im Endprodukt wiederfinden.

Knatternder Hondamotor oder umweltschonender Elektroantrieb

Das Retromoped Ariel Cruiser ist ein paradoxes Gefährt. Optisch erinnert alles an ein Fahrrad aus den Fünfziger Jahren: große weiße Reifen, ein brauner Ledersattel auf gleicher Höhe wie das tiefe Lenkrad und ein rustikaler mattschwarzer Rahmen. Es lässt sich auch ganz klassisch mit Pedalen antreiben. Zusätzlich ist aber mitten im Rahmen ein 50-Kubikzentimeter-Hondamotor verbaut, der das Moped auf 50 km/h beschleunigt. Der Tank ist mit Lederriemen am Rahmen montiert, fasst 2,3 Liter und reicht für etwa 112 Kilometer. Während die Benzinversion des Ariel Cruiser bei der Sonntagsspazierfahrt für althergebrachten knatternden Sound sorgt, ist die Version mit Elektroantrieb nahezu lautlos. Und etwas gemütlicher. Sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von lediglich 43 km/h und eine Reichweite von 32 Kilometern.

Bauteile aus dem 3D-Drucker

Die Communitymitglieder können den Ariel Cruiser nicht nur mitentwickeln, sondern ihr persönliches Exemplar eigenhändig zusammenbauen. Bislang hat Local Motors zwei sogenannte Microfactories in Las Vegas und Chandler eröffnet. Hier stehen nicht nur Bauteile im Lager bereit, sondern auch 3D-Drucker, mit dem sich Komponenten nach Computervorlage ausdrucken lassen. Jay Rogers ist überzeugt, dass man eine spezielle Verbindung zu einem Gefährt hat, in dem die eigene Handarbeit steckt. Lange warten müssen die Teilnehmer des Retromoped-Projekts nicht mehr. Das Crowdfunding-Ziel von 50.000 US-Dollar ist schon erreicht und fließt derzeit in die Fertigung der Einzelteile. Die ersten 13 Fahrzeuge sollen dann im April 2014 schraub- und fahrbereit sein. Kostenpunkt: knapp 3000 Euro.

Die Community von Local Motors hat auch schon den Rally Fighter entwickelt, einen futuristischen Sportwagen im Wert von 59.000 US-Dollar. Angetrieben er von einem 6,2-Liter-V8-Motor mit 436 PS. Der 4,80 Meter lange Offroader wiegt dank einer Fieberglaskonstruktion nur 1450 Kilogramm, verbraucht aber bis zu 15 Liter Benzin auf 100 Kilometer. 

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Von Patrick Schroeder
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