23.01.2017, 13:04 Uhr | 0 |

Toyota voll amerikanisch Die meisten deutschen Autos haben 0 % US-Anteil

Die Modelle deutscher Autobauer in den USA haben zum Teil überhaupt keinen US-Anteil bei der Wertschöpfung. Das dürfte dem neuen US-Präsidenten Donald Trump gar nicht gefallen. Aber auch amerikanische Autobauer haben einen überraschend niedrigen US-Anteil.

VW Atlas
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Das neue US-Modell VW Atlas kommt 2018: Die meisten Modelle deutscher Hersteller haben nur einen geringen Anteil amerikanischer Wertschöpfung, ergab jetzt ein Überblick der US-Behörde NHTSA.

Foto: VW USA

Die aktuelle Analyse der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA für die 2016 in den USA verkauften Automodelle ist erstaunlich. Nach einem Bericht der Online-Ausgabe der Zeitschrift auto motor und sport gibt es überhaupt kein Auto, das komplett aus amerikanischen Teilen besteht. Angesichts der Arbeitsteilung in der Autoindustrie ist das auch kein Wunder.

US-Hersteller auf ausländische Zulieferer angewiesen

Das liegt auch daran, dass Automobilzulieferer wie Bosch, Continental, Schaeffler und ZF Bauteile wie Getriebe, Bremsen, Steuerungselektronik und ganze Systeme produzieren, um die die Hersteller gar nicht herumkommen. Gerade erst hat Bosch auf der CES ein Entertainmentsystem vorgestellt, das mit Holographie- und 3D-Technik arbeitet und berührungslos mit der Hand gesteuert wird.

Zu den großen Zulieferern gehört auch der japanische Airbag-Hersteller Takata, der allerdings durch seine fehlerhaften Airbags für weltweite Rückrufaktionen gesorgt hat, bei Daimler und BMW zum Beispiel, aber auch bei vielen amerikanischen Herstellern.

Durch die wachsende Bedeutung der IT, Vernetzung und Elektrifizierung des Antriebs sind die Hersteller gezwungen, immer mehr von außen zuzukaufen. Keine gute Aussichten für die amerikanischen Autobauer, sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahrmachen und ausländische Produkte mit Strafzöllen belegen. Denn auch der US-Anteil in amerikanischen Autos ist teilweise überraschend niedrig, wie die Auswertung der NHTSA zeigt, die auto motor und sport vorliegt.

Das amerikanischste Auto ist ein Toyota

Den höchsten Anteil amerikanischer Wertschöpfung hat der Behörde zufolge nicht ein US-Modell, sondern mit 75 % ein japanisches Auto, nämlich der Toyota Camry. Die amerikanischsten Autos aller US-Marken sind der Jeep Wrangler und der Dodge Viper des Konzerns Fiat Chrysler mit jeweils 73 %.

Nicht zufrieden sein wird Trump mit dem US-Anteil der drei meistverkauften Autos in den USA. Der amerikanische Bestseller Ford F-150 kommt immerhin auf einen US-Anteil von 70 %. Die Nummer 2, der Chevrolet Silverado, ist nur zu 38 % amerikanisch, der Ram Pickup auf Rang 3 der Bestsellerliste zu 59 %.

Mercedes C-Klasse hat höchsten US-Anteil

Den höchsten US-Anteil einer deutschen Automarke bietet die C-Klasse von Mercedes mit 72 %, gefolgt vom Mercedes GLE mit 65 %. Allerdings ist so ein hoher US-Anteil die Ausnahme. Alle anderen deutschen Automodelle in den USA haben nur einen geringen bis gar keinen US-Anteil. Nach den beiden Mercedes-Modellen folgt der VW Passat mit nur noch 30 % US-Wertschöpfung.

Dahinter wird es ganz mau: Es folgen der in Mexiko gefertigte VW Beetle Convertible (12 %), VW Jetta (11 %) und der VW Beetle (10 %). Alle anderen deutschen Modelle haben einen US-Anteil von unter 10 %. Die Audi-Modelle kommen nur auf 0 bis 1 % US-Wertschöpfung, keinen US-Anteil haben zahlreiche Mercedes-Modelle wie die B-Klasse, CLA, CLE, E-Klasse und S-Klasse sowie alle Porsche-Modelle.

Ford Mustang ist zu 52 % amerikanisch

Aber auch die amerikanischen Autobauer glänzen nicht gerade mit hoher US-Wertschöpfung, wie nicht nur die oben genannten Top 3 zeigen. Auch amerikanische Kultautos beziehen zu hohen Anteilen Bauteile und Baugruppen aus dem Ausland.

Das gilt sogar für das amerikanische Traumauto, den Ford Mustang. Der kommt auf eine US-Wertschöpfung von 52 %. Die Corvette von Chevrolet glänzt da richtig mit 64 %. In der Regel schwankt der US-Anteil der amerikanischen Autobauer um die 50 %. Mit Ausreißern nach unten: Beim Chevrolet Spark und dem Buick Envision liegt der US-Anteil bei nur 2 %.

Deutlich besser machen es da die japanischen Hersteller, die über große Werke in den USA verfügen und offenbar weit besser amerikanische Zulieferer in ihre Produktionskette integrieren. So liegt der US-Anteil beim Honda Accord bei 70 %, Toyota kommt bei Carolla, Sienna, Tacoma und Tundra auf 65 %. Nissan liegt mit seinen Modellen Altima, Murano und Pathfinder bei 55 %.

Alle Autobauer müssen US-Anteil an NHTSA melden

Und woher weiß die Behörde NHTSA das so genau? Seit 1994 müssen Autohersteller in den USA für Neuwagen angeben, wie hoch der Anteil der US-Wertschöpfung ist. Im „American Automobile Labeling Act“ wurde festgelegt, dass zu jedem Neuwagen der Ort der Endmontage sowie die Herkunft von Motor und Getriebe genannt werden muss. Dokumentiert werden diese Angaben mit einem Aufkleber am Auto. Zudem gelistet werden alle Angaben in Prozent bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA.

Und hier lesen Sie, wie Ford nach einer Drohung von Donald Trump seine Pläne für ein neues Werk in Mexiko gestoppt hat.

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Von Axel Mörer-Funk
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