05.12.2014, 16:03 Uhr | 0 |

Perspektiven nach Opel Das Land greift Bochum unter die Arme

Die Opel-Produktion in Bochum ist seit heute Geschichte. Das Werk am Ende seiner Tage. Nun geht es darum, Bochum fit zu machen für eine Zukunft ohne Opel. Zunächst müssen aber die Montagehallen abgerissen werden. Und dann lauern diverse Altlasten im Boden.

Bochumer Opel-Werk
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Bei Opel in Bochum gehen die Lichter aus: Ein Opel-Arbeiter geht am 5. Dezember 2014 in Bochum vor dem Werk entlang. Dort wurde in der Nacht das letzte Auto gebaut. Zum Jahresende schließt das Bochumer-Werk. 

Foto: Oliver Berg/dpa

Niemals zurückblicken: So sieht NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) die Situation in Bochum. Er überreichte am vergangenen Montag der „Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive 2020 GmbH“ einen ersten Förder-Scheck über 32,2 Millionen Euro. „Wir senden damit ein klares Signal des Aufbruchs an mögliche Investoren und die Menschen in der Region, dass sich am Standort etwas tut und dass im Herzen des Ruhrgebietes reichlich Potenzial vorhanden ist“, kommentierte Duin die Übergabe.

Gesamtsanierung wird 118 Millionen Euro kosten

Mithilfe dieser Zuwendung soll ein erster 237.000 Quadratmeter großer Abschnitt des Werksgeländes saniert werden. Zunächst wird in den nächsten sechs Monaten die Produktion demontiert und das Werksgelände fast komplett abgerissen. Parallel dazu läuft eine Altlasten-Untersuchung und das Gelände der früheren Zeche Dannenbaum wird erschlossen. Nach aktuellen Schätzungen wird die Gesamtsanierung des ganzen Werksgeländes etwa 118 Millionen Euro kosten. Duin betonte, dass es dafür vom Land keinen „Blankoscheck“ gebe, jeder einzelne Antrag werde genau geprüft. Rolf Heyer, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Perspektive 2020, sieht durchaus Chancen, auf dem Ex-Opel-Gelände hochwertige Unternehmen anzusiedeln. „Wir wollen keine Baumärkte oder Vergnügungszentren“, betonte er.

„Das neue Bochum heißt 4.0“

Sicher ist bisher: DHL, die Frachttochter der Deutschen Post, wird ab Sommer 2016 mit dem Bau eines Paketzentrums beginnen, das 50.000 Pakete pro Stunde bearbeiten kann. Und Arbeitsplätze für 600 Menschen bietet. Heyer glaubt, dass diese Ansiedelung auch Strahlkraft für andere Investoren entwickeln wird.

Professor Jörg Bogumil, der den Lehrstuhl Öffentliche Verwaltung, Stadt und Regionalpolitik an der Ruhr-Universität Bochum hält, sieht sogar Potenzial in dem Opel-Niedergang. „Es ist zwar bedauerlich, beinhaltet aber die Chance der Neuaufstellung. Jetzt geht es nicht darum, auf die Schnelle Niedriglohn-Jobs als Ersatz für mehr als 3000 wegfallende Stellen bei Opel zu bekommen. Wir müssen eine Entwicklung anstoßen, die mittelfristig ein Vielfaches an neuen Arbeitsplätzen auf allen Qualifikationsstufen schafft. Das neue Bochum heißt 4.0, nach der Ära Kohle 1.0, der Ära Stahl 2.0 und der Ära Auto 3.0.“

Duisburg hat den Strukturwandel nach Krupp geschafft

Auch der Wirtschaftsexperte Uwe Neumann vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht potenzielle Arbeitsplätze im Gesundheitssektor sowie in Wissenschaft und Forschung. Es gelte, die Stärken der nahen Ruhr-Universität und anderer Hochschulen im Revier zu nutzen. Vor 26 Jahren schloss das Krupp-Stahlwerk in Duisburg-Rheinhausen, 5.300 „Kruppianer“ standen auf der Straße. Dann siedelte sich dort das Logistikzentrum Logport als Warendrehscheibe für den Duisburger Hafen an. „Dort sind bis heute 12.000 sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden, einige sicher auch für frühere Krupp-Mitarbeiter“, verweist Neumann auf diesen gelungenen Strukturwandel.

„This is not Detroit“

Auf kreative Weise hat sich das Schauspielhaus Bochum mit dem Opel-Abgang auseinandergesetzt. Ein ganzes Jahr lang lief das Projekt „This is not Detroit“, in dem verschiedene Künstler Beiträge erstellt haben. Olaf Kröck, geschäftsführender Dramaturg des Schauspielhauses, erklärt die Intention der Aktion: „Vor dem notwendigen Heilungsprozess den Finger in die Wunden zu legen und zu zeigen, Bochum ist viel mehr als die Opel-Krise.“ Eines der Projekte war die One-Man-Sauna des Münsteraner Kreativbüros modulorbeat auf einer Industriebrache im Sommer 2014. 

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Von Detlef Stoller
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