28.07.2014, 15:59 Uhr | 0 |

Behörden machen Druck China fordert Nachlass: Audi senkt Ersatzteilpreise um bis zu 38 %

Die chinesische Planungsbehörde macht ernst: Sie setzt die deutschen Autohersteller unter Druck und fordert sie auf, die Preise für Reparaturen und Ersatzteile zu senken. Audi hat jetzt angekündigt, die Preise um bis zu 38 Prozent zu reduzieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Staatsbesuch in China
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Minister für Industrie und Informationstechnologie Miao Wie präsentieren am 8.7.2014 in Peking das Deutsch-Chinesische Kooperationsprojekt zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge: Jetzt hat China ausländische Autohersteller aufgefordert, ihre Service- und Ersatzteilpreise zu senken.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Bereits vor einem Jahr hat die chinesische Planungsbehörde, die Kommission für Nationale Entwicklung und Reform (NDRC), damit begonnen, Informationen über möglicherweise zu hohen Preise für Autoreparaturen und Ersatzteile ausländischer Automobile zu sammeln. „Die Informationen konzentrieren sich darauf, ob ausländische Autobauer Minimumpreise für den Einzelheiten festlegen“, sagte Luo Lei vom Verband der chinesischen Autohändler. So etwas wäre eindeutig illegal. „Die NDRC prüft die Preise einer ganzen Reihe von Branchen und die Autoindustrie ist nur eine von ihnen“, so Luo.

Schon im Februar Hinweise auf Wettbewerbsverstöße

Im Februar 2014 kündigte die auch für die Preisgestaltung zuständige Planungsbehörde an, dass es bei den Ersatzteilen möglicherweise Wettbewerbsverstöße gibt. Es geht dabei auch um den Wettbewerb der Werkstätten. Im vergangen Monat hatte das Transportministerium die Autokonzerne aufgefordert, ihre Originalersatzteile auch unabhängigen Kfz-Werkstätten zur Verfügung zu stellen. Jetzt macht die Planungsbehörde ernst. In einer Stellungnahme vom heutigen Montag fordert die NDRC die Autobauer dazu auf, dass sie gemeinsam mit den Behörden „darauf hinarbeiten, dem Nachverkaufsbereich in China zu einer gesunden Entwicklung zu verhelfen“.

Audi senkt die Preise um bis zu 38 Prozent

Das blieb nicht ohne Folgen: So kündigte Audi schon im Vorgriff am vergangenen Wochenende an, in der Volksrepublik China zum 1. August die Preise für Ersatzteile um bis zu 38 Prozent zu senken. „Als Premium-Marktführer hat Audi die Preisanpassung proaktiv vorgenommen“, so das Unternehmen. „Audi und sein Joint-Venture FAW-Volkswagen unterstützen das Bemühen der NDRC, die Preisgestaltung im After-Sales-Bereich Chinas zu untersuchen.“ Die Kosten für die Ersatzteile eines Audi A6L sollen sich um 30 Prozent verringern.

Zuvor hatte Mercedes reagiert und die Servicegebühren und Ersatzteilpreise um bis zu 20 Prozent herabgesetzt. Auch der britische Hersteller Jaguar Land Rover hatte bereits die Preise für drei Automodelle gesenkt. Die Anti-Monopolabteilung der NDRC begrüßte die Entscheidungen von Audi, Mercedes und Jaguar Land Rover. Sie forderte ähnliche Preisanpassungen nach unten von anderen ausländischen Autobauern in China.

Audi steht in China an der Spitze

Der Premiumbereich auf dem Automarkt im Reich der Mitte wird von den deutschen Automobilherstellern dominiert. Audi spielt da ganz an der Spitze mit. Die VW-Tochter steigerte in den ersten sechs Monaten des Jahres den Absatz in China im Vergleich zum Vorjahr um 17,8 Prozent auf rund 269.000 Fahrzeuge. BMW konnte seine Verkaufszahlen um 23,1 Prozent auf 225.000 verkaufte Einheiten erhöhen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, um unser Ziel von einem niedrigen zweistelligen Wachstum in diesem Jahr zu erreichen“, sagte der Chinachef des Autobauers, Karsten Engel zu diesen Zahlen.

Schon im Juni hatte BMW den Kooperationsvertrag mit seinem chinesischen Partner Brillance vorzeitig um weitere zehn Jahre bis 2028 verlängert. In China müssen alle Konzerne Autos in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem heimischen Partner produzieren. Die Kapazität der Werke von BMW und Brillance in China liegt zurzeit bei rund 300.000 Fahrzeugen pro Jahr. Die mittelfristige Planung sieht eine Steigerung auf 400.000 Autos werden, die in China produziert werden.

China ist de wichtigste Automarkt der Welt

Daimler kommt nicht ganz an Audi und BMW heran, ist aber guter Hoffnung, mit neuen Modellen und insbesondere mit der frischen S-Klasse zu punkten und aufzuholen. Die Volksrepublik China ist inzwischen der wichtigste Automarkt der Welt und wird wohl in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen.

Auf dem Automarkt im Reich der Mitte spielen ausländische Hersteller eine überragende Rolle. Laut Angaben des halbstaatlichen chinesischen Verbands der Autohersteller kamen sie im Juni 2013 auf annähernd zwei Drittel Marktanteil. Ende 2012 waren es gerade einmal 50 Prozent. Diese enorme Dominanz der ausländischen Hersteller hat laut der offiziellen Nachrichtenagentur des Landes Xinhua dazu geführt, dass diese die Preise aus freien Stücken emporschrauben und auch den Verkauf von Ersatzteilen kontrollieren. Dadurch liegen die Preise von Luxuswagen in China leicht beim Doppelten oder gar Dreifachen wie im sonstigen Ausland.

Luo Lei vom Verband der Autohändler sieht das etwas differenzierter und führt für die Preisunterschiede eine Kombination mehrerer Faktoren an. In erster Linie ist es wohl der fast unstillbare Hunger der Chinesen auf Luxuskarossen. Dann packt China eine ganze Reihe von Steuern auf die Importwagen drauf. Natürlich haben die ausländischen Hersteller als Platzhirsche auch eine sehr starke Position gegenüber den Händlern vor Ort bei der Preisfestlegung.

Anteil chinesischer Marken auf 22 Prozent geschrumpft

Der Trend der Chinesen zum Auto aus dem Ausland hält ungebrochen an. In den ersten vier Monaten des Jahres 2014 war der Anteil chinesischer Marken auf dem Pkw-Markt um weitere fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Nur noch jedes fünfte Auto, welches auf den Straßen im Reich der Mitte herumkurvt, ist auch Made in China.

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Von Detlef Stoller
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