03.06.2014, 16:42 Uhr | 0 |

Sparpläne sorgen für Unruhe BMW will trotz Rekordergebnissen Personalkosten senken

Trotz Rekordzahlen beim Verkauf und beim Gewinn hat der Autohersteller BMW angekündigt, erneut den Rotstift bei den Personalkosten anzusetzen. Die Mitarbeiter sollen ab dem Jahr 2015 einen jährlichen Betrag von 100 Millionen Euro beisteuern.

Produktion des BMW i8 in Leipzig
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Produktion des BMW i8 in Leipzig: Trotz Rekordabsatzzahlen und Rekordgewinnen will BMW die Personalkosten weiter senken, allerdings ohne Personalabbau.

Foto: BMW

Es ist überraschend, dass BMW gerade jetzt ankündigt, bei den Personalkosten sparen zu wollen. Denn erst Mitte Mai hatte Vorstandschef Norbert Reithofer auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle Rekordzahlen verkünden dürfen. 2013 verkaufte die BMW Group 1,96 Millionen Autos und 115.200 Motorräder.

Rekordzahlen: Höchster Überschuss in der Geschichte

Der Umsatz stieg auf 76,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern lag bei 7,9 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss betrug 5,3 Milliarden Euro. Das ist der höchste Überschuss in der 98-jährigen Geschichte des Unternehmens. „Jeder einzelne dieser Werte ist ein neuer Bestwert“, sagte Reithofer stolz. „Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir haben unsere Ziele im Jahr 2013 erreicht. Wir halten, was wir versprechen.“

Entsprechend großzügig waren Vorstand und Aufsichtsrat und empfahlen den Aktionären auf der Hauptversammlung eine Dividende von 2,60 Euro je Stammaktie und 2,62 Euro je Vorzugsaktie. Reithofer: „Das ist die höchste Dividende, die wir je gezahlt haben. Die Dividendensumme beträgt 1,71 Milliarden Euro.“

Und auch im ersten Quartal 2014 setzte sich die Erfolgsgeschichte fort. „Von Januar bis März haben wir über 487.000 Fahrzeuge verkauft. Das ist mehr als je zuvor in einem ersten Quartal. Das Konzernergebnis vor Steuern lag bei über 2,1 Milliarden Euro“, so Reithofer. „Auch das ist ein neuer Höchstwert in einem ersten Quartal.“

Personalkosten sollen jährlich um 100 Millionen Euro sinken

Aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter dringen jetzt Zahlen an die Öffentlichkeit, nach denen BMW ab dem nächsten Jahr 100 Millionen Euro jährlich an Personalkosten in seinen deutschen Werken einsparen will. Allein auf das größte BMW-Werk in Dingolfing sollen nach Angaben des örtlichen Betriebsrates 37 Millionen Euro entfallen. Das Regensburger Werk soll jährlich 15 Millionen Euro einsparen. Das Münchner Werk soll seine Personalkosten um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag reduzieren.

Das Ganze soll ohne Stellenabbau geschehen. BMW fordert von den Betriebsräten Zugeständnisse. Eine Reihe von Sonderleistungen wie etwa bezahlte Erholungs- und Brotzeiten sollen reduziert oder gleich ganz abgeschafft werden. Bislang stehen BMW-Mitarbeitern in bayerischen Werken beispielsweise zusätzlich zur unbezahlten Mittagspause täglich zwei bezahlte Erholungszeiten zu. In München dauern beide Erholungszeiten zusammengerechnet immerhin mehr als eine halbe Stunde. Diese Extrapausen sollen dazu beitragen, dass die mitunter sehr anstrengenden und zum Teil monotonen Bandarbeiten für die Mitarbeiter leichter zu bewältigen sind.

Wegfall der bezahlten Brotzeiten

Der Konzern will laut Betriebsrat eine weitere heilige BMW-Kuh schlachten: Die zu den Erholungszeiten hinzukommenden 15-minütigen täglichen Brotzeiten in den bayerischen Werken, die der Konzern teilweise bezahlt. Diese sind der Konzernführung ein Dorn im Auge und sollen abgeschafft werden. 

Auch recht kompliziert klingende Zulagen wie die für die Schichtdifferenzstunden sollen gekürzt werden. Wenn etwa ein Arbeiter seine Frühschicht morgens um 5 Uhr und 45 Minuten beginnt, so steht ihm für die ersten 15 Minuten bis 6 Uhr bisher ein Nachtschichtzuschlag zu.

Konkurrenz der BMW-Werke untereinander

Das Sparprogramm steht vor dem Hintergrund der Frage, welche bayerischen Werke aus Sicht des Unternehmens attraktiv genug sind, um bei der Vergabe neuer BMW-Modelle in den kommenden Jahren berücksichtigt zu werden. „Bei der Entscheidung, welches Werk welches Modell produziert, spielen neben Kapazität und Kompetenz eines Produktionsstandortes auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle“, sagte ein Konzernsprecher.

Es sei im Übrigen „ganz normal, dass die Wirtschaftlichkeit eines Standortes bei der Vergabeentscheidung eine Rolle spielt“. Der Konzern stehe bei diesen Prüfungen „im konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern“. Ziel aller Bemühungen sei es, „nachhaltig und langfristig Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern und wenn möglich neue zu schaffen“. BMW betont, dass der Autohersteller im vergangenen Jahr allein in Deutschland rund 4500 neue Mitarbeiter unbefristet eingestellt hat.

Betriebsrat: „Wir werden nicht die Billigheimer der Nation“

Derzeit laufen Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und den Betriebsratsspitzen der deutschen Werke. So hatte BMW im Werk Regensburg den Betriebsräten dargelegt, dass die dort geplante Jahresproduktion ab 2016 auf weniger als 230.000 Neuwagen fallen werde. „Durch eine solche Unterauslastung würde ein Personalüberhang von mehreren hundert Mitarbeitern entstehen“, so Werner Zierer, Chef der Regensburger Arbeitnehmervertretung.

Um einen Stellenabbau zu verhindern, bewirbt sich das Regensburger Werk um die Produktion eines zusätzlichen Fahrzeugmodells. Der BMW-Vorstand fordert dafür allerdings eine Reduzierung der Arbeitskosten am Oberpfälzer Standort um 15 Millionen Euro. Horst Lischka, der erste Bevollmächtigte der IG Metall München, sagt: „Wir setzen uns sehr ernsthaft damit auseinander. Wir werden nicht die Billigheimer der Nation.“

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Von Detlef Stoller
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