06.08.2014, 12:39 Uhr | 0 |

100 km/h 5 Stunden lang Australische Nachwuchsingenieure brechen Langstreckenrekord für Elektroautos

Fünf Stunden Fahrt bei 100 km/h, mit nur einer Batterieladung: Diesen Rekord haben angehende Ingenieure aus Australien mit ihrem Elektroauto eVe aufgestellt. Sie wollen die E-Auto-Industrie revolutionieren, in der Serienmodelle teilweise schon nach 60 Kilometern schlapp machen. 

Das E-Auto der Australier fuhr fünf Stunden lang mit 100 km/h
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Der alte Rekord aus dem Jahr 1988 ist Schnee von gestern: Das E-Auto der Australier fuhr fünf Stunden lang mit 100 km/h. Serienmodelle wie der BMW i3 erreichten bei Tests auf der Autobahn nur Reichtweiten um die 80 Kilometer. 

Foto: UNSW Australia Sunswift/Daniel Chen & Glenn Ong

Den alten Rekord hat das Team aus 60 Studierenden der University of New South Wales (UNSW) geradezu pulverisiert: Bei 73 km/h lag die Bestleistung aus dem Jahr 1988. Das Konzeptauto eVe, gesteuert vom Rennfahrer Garth Walden, erreichte nun erstmals eine realistische Reisegeschwindigkeit für längere Strecken: konstante 100 km/h während einer fünfstündigen Fahrt.

Testauto eVe wiegt nur 317 Kilogramm

Die Studenten bauten in dem Fahrzeug eine handelsübliche, 60 Kilogramm schwere Batterie ein. Weil die entscheidenden Faktoren für den Energieverbrauch Luft- und Rollwiderstand sind, konzentrierten sie sich bei der Konstruktion auf Gewicht, Aerodynamik und Reifen. eVe wiegt mit 317 Kilo nur rund ein Viertel eines aktuellen VW Golfs. Das Auto ist zudem extrem flach und fährt auf Reifen, die kaum breiter sind als die eines kleinen Motorrollers.

Die neuen Rekordhalter sind optimistisch, dass ihr Erfolg der Entwicklung von E-Autos einen neuen Schub geben wird. „Das ist ein völlig neues Niveau für Hochgeschwindigkeitselektroautos. Wir hoffen, das wird die E-Auto-Industrie revolutionieren“, sagte Hayden Smith, Leiter des Projektes und Ingenieurstudent im dritten Jahr.

Das Problem: Reifenwahl und Gewicht werden in der Praxis kaum umsetzbar sein. Außerdem fuhr eVe auf der vier Kilometer langen Teststrecke ein konstantes Tempo, wie es im normalen Straßenverkehr nicht möglich ist. Ein ständiger Tempowechsel kostet deutlich mehr Energie.

Reichweitenproblem bei heutigen E-Autos

Der Vergleich mit bereits erhältlichen, straßenfähigen E-Autos zeigt, wie gering die Reichweiten heute in der Praxis noch sind. In einem Test für das Magazin auto motor und sport wurden jüngst sechs Modelle untersucht. Dabei lag die mit einer Batterieladung maximal mögliche Strecke teils bei nur 35 Prozent der Werksangabe. Auf der Landstraße erreichte der BMW i3 beispielsweise nur 106 Kilometer, bei höherem Tempo auf der Autobahn lag die Reichweite sogar nur bei 78 Kilometern.

Am ehesten mit eVe vergleichbar ist unter den Testmodellen der Renault Twizy Cargo, ein Einsitzer, der nur knapp 500 Kilogramm wiegt. Er soll laut Hersteller auf Landstraße und Autobahn jeweils rund 100 Kilometer Reichweite haben. Die Tester kamen aber auf der Autobahn nur 56 Kilometer weit. Die Untersuchung zeigt, dass die Leistung der heute schon käuflichen E-Autos vor allem bei höherer Durchschnittsgeschwindigkeit in den Keller geht.

Testfahrt gelang ohne Rekuperation und Sonnenkollektoren

Zudem gibt es weitere Faktoren, die die Zuversicht der Australier stützen: Zum einen konnte bei der Testfahrt kein System zur Energierückgewinnung genutzt werden, wie es bei E-Autos üblich ist. Durch die so genannte Rekuperation wird die kinetische Energie beim Bremsen wieder in elektrische Energie umgewandelt und in den Motor neu eingespeist. Damit ist durchaus eine Stromeinsparung im zweistelligen Prozentbereich möglich. Zum zweiten blieben die Sonnenkollektoren auf dem Dach des Autos ausgeschaltet, die zusätzliche Energie speichern könnten.

Das Team von der UNSW hält auch schon die Bestleistung für das schnellste solarbetriebene Auto: Im Jahr 2011 erreichte es 88 km/h. Noch warten die Studenten auf die Anerkennung des neuen Weltrekords durch den Rennsport-Weltverband FIA. Derweil arbeiten sie weiter an eVe, denn innerhalb eines Jahres wollen sie das Auto so weit verändern, dass es in Australien eine Straßenzulassung bekommen kann. 

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Von Werner Grosch
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