07.11.2016, 11:52 Uhr | 0 |

Einsatz in großen Modellen Audi soll mit zweiter Betrugssoftware CO2-Werte manipuliert haben

Für VW nimmt der Abgasskandal keine Ende: Tochter Audi hat angeblich eine zweite Betrugssoftware verwendet, um auch den CO2-Ausstoß auf dem Prüfstand zu drosseln. Wie sie funktioniert, lesen Sie hier. 

Audis Messestand auf dem Pariser Autosalon 2016
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"Vorsprung durch Technik" warb Audi auf seinem Messestand beim Pariser Autosalon 2016. Jetzt ist rausgekommen, dass die Audi-Ingenieure offenbar ein Software entwickelt haben, die auf dem Prüfstand die CO2-Werte künstlich nach unten fährt.

Foto: Audi

Die kalifornische Umweltbehörde Carb hat eine neue Schummelsoftware in einem Audi mit V6-Motor gefunden, berichtet Bild am Sonntag. Es handelt sich um eine Lenkwinkel-Erkennung. Bleibt das Lenkrad nach dem Start unbewegt, geht die Software von einer Prüfsituation aus und aktiviert ein Schaltprogramm für das Getriebe. Dieses als Aufwärmstrategie getarnte Programm produziert besonders wenig Kohlenstoffdioxid.

Bewegt der Fahrer das Lenkrad hingegen um mehr als 15 Grad, läuft das Fahrzeug mit anderen Schaltprogrammen, die mehr CO2 und Kraftstoff verbrauchen. Aus vertraulichen Firmendokumenten zitiert die Bild den Satz: „Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 % aktiv ist, vor Kunde aber nur in 0,01 %.“

Audi nutzt Schummel-Software seit 2013

Angeblich hat Audi die Betrugssoftware zur Schönung der CO2-Bilanz 2013 in Betrieb genommen. Betroffen sind mehrere hunderttausende leistungsstarke Diesel- und Benziner-Fahrzeuge in ganz Europa, die über das Stufenautomatikgetriebe mit der internen Bezeichnung AL 551 verfügen.

ARCHIV - Ein Audi Q5 steht am 29.02.2012 in der Produktion im Audi-Werk in Ingolstadt (Bayern) in der Endkontrolle. Am 29.07.2016 stellt das Unternehmen die Halbjahreszahlen vor. Foto: Armin Weigel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Produktion eines Audi Q5 in Ingolstadt: Audi hat bei Modellen mit dem Stufenautomatikgetriebe AL 551 angeblich eine weitere Schummelsoftware eingesetzt. Sie sorgt auf dem Prüfstand für besonders niedrige CO2-Werte.

Foto: Armin Weigel/dpa

Laut Bild am Sonntag hat Audi den Einsatz der Software allerdings im Mai 2016 gestoppt – kurz bevor Carb die Software entdeckt hatte. Mehrere verantwortliche Techniker seien bereits suspendiert. Trotzdem äußert sich der Konzern zu den aktuellen Medienberichten nicht und verweist auf die laufenden Gespräche zum Abgasbetrug in den USA.

Audi-Ingenieur: Ganz ohne Bescheißen geht es nicht

Audi ist kein unbeschriebenes Blatt im VW-Abgasskandal. „Ganz ohne Bescheißen“ werde man es nicht schaffen, die US-Grenzwerte einzuhalten, schrieb ein Audi-Ingenieur bereits 2007 an einen Kreis von Audi-Managern. Laut des Rechercheverbunds von NDR, WDR und Süddeutsche sollen die Motorenentwickler von Audi ihre Kollegen bei VW bei der Entwicklung von Betrugssoftware maßgeblich begleitet und unterstützt haben. Audi gelt im Konzern mittlerweile als die „Mutter des Betrugs“.

Nach Bekanntwerden des VW-Abgasskandals hatte Audi 2015 auch öffentlich zugegeben, eine Software zur Manipulation der Stickoxidwerte bei Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum verwendet zu haben. Das Unternehmen wird möglicherweise tausende Autos in den USA zurückkaufen müssen. Hinzu kommen mögliche Folgen der CO2-Manipulationsvorwürfe, die jetzt im Raum stehen. Für die Mutter VW geht der Abgasskandal damit in die nächste Runde.

Hier lesen Sie die Chronik des Dieselskandals

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Von Patrick Schroeder
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