22.07.2015, 11:53 Uhr | 0 |

1 Mio. $ pro Opfer 124 Autofahrer starben wegen defekter Zündschlösser in GM-Modellen

Jetzt steht es schwarz auf weiß: 124 Menschen haben ihr Leben wegen defekter Zündschlösser in GM-Modellen verloren – das bestätigt der Opferfond von General Motors (GM). Bis zum Abschluss der Bewertung des Skandals könnte sich die Zahl sogar noch weiter erhöhen.

Logo des Automobilkonzerns General Motors (GM) in Detroit
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Logo des Automobilkonzerns General Motors (GM) in Detroit: Der Konzern hat den Familien der anerkannten Todesfälle eine Entschädigung von jeweils mindestens eine Million Dollar angeboten.

Foto: Jeff Kowalsky/dpa

Noch zehn Tage, dann ist Schluss: Ende Juli will der Opferfond, den General Motors nach dem Zündschloss-Skandal gegründet hat, seine Bewertungen abschließen. Dann steht fest, wie viele Menschen aufgrund der Schlampigkeit bei GM ihr Leben verloren haben. Heute steht der Zähler bei 124. Die Tendenz ist immer noch steigend.

Allen Opfern widerfuhr das eigentlich Undenkbare: In voller Fahrt sprang der Zündschlüssel plötzlich in die Aus-Position – ein etwas zu schwerer Schlüsselanhänger oder ein Schlagloch reichten aus. Weder Servolenkung, Bremskraftverstärker oder Airbags funktionierten dann. Betroffen waren Modelle der GM-Marken Pontiac, Cadillac, Buick, Chevrolet und Saturn.

Beim GM-Entschädigungsfond gingen bis Ende Januar 2015 insgesamt 4342 Anträge auf Schadenersatz ein. 80 %, etwa 3500 Anträge, hat der Opferfond als unberechtigt zurückgewiesen. Die Entscheidungen unter Verwalter Kenneth Feinberg sind nicht anfechtbar, es gibt kein Widerspruchsrecht.

Familien der Opfer erhalten eine Million US-Dollar

GM hat den Familien der anerkannten Todesfälle eine Entschädigung von jeweils mindestens eine Million US-Dollar angeboten. Hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte erhalten je 300.000 $. Neben den 124 Todesopfern hat Anwalt Feinberg bisher 269 Verletzte im Zusammenhang mit dem Zündschloss-Defekt anerkannt, die ebenfalls entschädigt werden.

Probleme mit defekten Zündschlössern sind GM seit 1997 bekannt. Eine Fahrerin aus New Yersey musste gleich zweimal ein neues Zündschloss in ihren Malibu einbauen, weil sich der Schlüssel nicht bewegen ließ. „Ich kann nicht verstehen, wie drei verschiedene Zündschlösser gleichzeitig defekt sein können“, schrieb sie genervt an den Konzern. Doch nichts geschah.

Erst Anfang 2014 rief GM 2,6 Millionen Fahrzeuge aus den Produktionsjahren 2003 bis 2011 in die Werkstätten zurück, ein halbes Jahr später folgte eine weitere Rückrufaktion für 3,4 Millionen Fahrzeuge. Insgesamt hat der Konzern über 30 Millionen Fahrzeuge wegen unterschiedlicher Mängel in die Werkstätten zurück beordert, was das Konzernergebnis mit rund 2,5 Milliarden Dollar Kosten belastet.

Der Vorwurf, GM hätte das Zündschloss-Problem jahrelang verschleppt, liegt nicht nur in der Luft: GM hat bereits im Mai 2014 eine Strafe von 35 Millionen Dollar wegen verspäteter Rückrufe an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gezahlt.

GM-Chefin Mary Barra: „Das hätte niemals passieren dürfen“

Unterdessen verkündigte GM-Chefin Mary Barra Konsequenzen: „15 Mitarbeiter, die sich falsch verhalten haben, sind nicht länger im Unternehmen“, sagte sie bei der Vorstellung eines internen Berichts über das Zündschloss-Debakel. Sie haben falsche Entscheidungen getroffen oder einfach gar nichts getan, trotz Kenntnis der Zündschloss-Probleme. Barra bezeichnete das Ganze als Fehlerserie. „Das Lesen des Berichts hat mich tief traurig gemacht und verstört“, sagte sie und entschuldigte sich abermals bei Hinterbliebenen und Unfallopfern. „Das hätte niemals passieren dürfen.“

Nun droht GM erneut Ungemach: Bei Fahrzeugen der Modellreihen Buick Enclave, Chevrolet Traverse, GMC Acadia und Saturn Outlook aus den Produktionsjahren 2007 bis 2012 gibt es Probleme mit der elektrischen Heckklappe. Sie kann offenbar unvermittelt zufallen. Nach Angaben des Konzerns sind bisher 56 Fälle von Verletzungen bekannt. 780.000 der Sportgeländewagen hat GM deshalb in Nordamerika in die Werkstätten zurück gerufen.

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Von Detlef Stoller
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