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07.06.2013, 10:59 Uhr | 1 |

Energiegewinnung Umweltrat: Fracking lohnt sich nicht

Die Bundesregierung kann sich zurzeit nicht auf ein Gesetz zur Regelung des Frackings einigen. Der Umweltrat indes hält rechtliche Regelungen für dringend erforderlich.

Demonstration gegen Fracking
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Demonstration gegen Frackingpläne in Niedersachsen: Auch der Umweltrat sieht Fracking kritisch und hält diese Art der Energiegewinnung für unnötig in Deutschland.

Foto: dpa/Ingo Wagner

Fracking, also das Fördern von Schiefergas, ist nicht nur in der Regierungskoalition strittig. Manche wollen die heimische Energiequelle Schiefergas anzapfen, andere fürchten, dass dabei das Grundwasser verschmutzt wird. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) plädiert für eine nüchterne Debatte.

Es sei sinnvoll, "mit Pilotprojekten belastbares Wissen zu generieren", sagt Martin Faulstich. Er ist SRU-Vorsitzender und leitet den Lehrstuhl Umwelt- und Energietechnik an der TU Clausthal.

Dass Wissenslücken bestehen, zeigt der Umweltrat in seiner aktuellen Stellungnahme "Fracking zur Schiefergasgewinnung – Ein Beitrag zur energie- und umweltpolitischen Bewertung". Darin dämpft der SRU auch die teils hohen wirtschaftlichen Erwartungen an diese Form der Erdgasgewinnung.

Wohin mit den salzigen Abwässern?

Stichwort Umwelt- und Klimaschutz: Unklar ist, wie die anfallenden salzhaltigen Abwässer umweltverträglich entsorgt werden können. Ungeklärt ist auch, ob Bohrlöcher langfristig dicht sind und welche Erschütterungen es in der Nachbarschaft geben kann, wenn anfänglich Löcher gebohrt werden und am Ende der Flowback, also das Rücklaufwasser zurückgepresst wird.

"Wegen solcher Unkenntnisse sollte die Technologie noch nicht kommerziell eingesetzt werden", betont Faulstich. Die Sachverständigen halten daher mehrere Pilotprojekte in Deutschland, die wissenschaftlich begleitet werden, für sinnvoll.

"Geklärt werden sollte dabei auch, wie sich die eingesetzten Chemikalien in verschiedenen Gesteinsschichten verhalten", ergänzt Heidi Foth, SRU-Chemiefachfrau von der Uni Halle-Wittenberg. Es könnten ungewollte Effekte eintreten, wenn die eingesetzten Chemikalien Zugang zu wasserführenden Schichten, die für das Trinkwasser wichtig sind, bekommen.

"Fracking ist für Energiewende entbehrlich"

Stichwort Energiepolitik: "Die Gewinnung von Erdgas durch Fracking ist für die Energiewende entbehrlich", meint Faulstich. Einmal werde es noch mehrere Jahre dauern, bis gefracktes Gas hierzulande kommerziell gewonnen werden kann. Schiefergas könne in Deutschland auch keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.

Zwar spricht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von signifikanten Schiefergasvorkommen – bis zu 13 000 Milliarden Kubikmeter Schiefergas sollen sich hierzulande unter vernünftigen Umweltauflagen fördern lassen –, doch werde das Gas statistisch wohl gerade einmal für etwas mehr als zehn Jahre reichen, meint Faulstich.

"Die Energiewende kann in rund 15 Jahren aber schon so weit sein, dass der Erdgasbedarf sinken wird", sagt der Sachverständige. Auch werde Fracking in Deutschland die Energiepreise nicht senken, weil deren Anteil zu niedrig sei und Schiefergas hierzulande nur unter strengen Auflagen gefördert werden könne.

Fracking-Boom in USA sorgt für Minus in den Bilanzen

Der Umweltrat blickt auch skeptisch auf den Schiefergasboom in den USA: Wegen eines Überangebots an Gas ist dort 2012 der Gaspreis eingebrochen, sodass nach neueren Berichten Firmen, die Schiefergas fördern, ein Minus von fast 10 Milliarden US-Dollar verkraften mussten. Nach Einschätzung des SRU werden hierzulande zu wenig skeptische Stimmen aus den USA gehört. Mit der Gasblase könne es dort schon bald wieder vorbei sein.

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Von Ralph H. Ahrens | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
08.06.2013, 20:23 Uhr mlr_1
Das Betreiben von "Fracking" ist skrupellos.

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