25.02.2014, 15:46 Uhr | 1 |

Panne in Atomruine Stromausfall in Fukushima lässt Kühlung ausfallen

Mal wieder eine Panne in Fukushima: Weil Arbeiter auf der Baustelle der Atomruinen versehentlich ein Kabel durchtrennten, fiel in einem Abklingbecken für einige Stunden die Kühlung aus. 

Wassertanks Fukushima
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In den riesigen Tanks wird radioaktiv verseuchtes Wasser gelagert.

Foto: dpa

Die Betreiberfirma Tokio Electric Power Company (Tepco) gab am Dienstagmorgen bekannt, dass das Kühlsystem für das Abklingbecken Nummer 4 vorübergehend abgeschaltet worden ist. Der Grund: Arbeiter hatten versehentlich ein Kabel durchtrennt. Tepco beeilte sich, zu versichern, die Temperatur sei in dem Becken unter der vorgeschriebenen Grenze von 65 Grad Celsius geblieben.

Auslagerung von Brennstäben ruht

Erst in der vergangenen Woche musste Tepco eingestehen, dass mehr als hundert Tonnen verseuchtes Wasser in den Boden versickert sind. Das ausgetretene Wasser soll unter anderem mit einer Strontium-90-Strahlenbelastung von 230 Millionen Becquerel pro Liter kontaminiert gewesen sein. Der betreffende Grenzwert für die Freisetzung von Strontium-90 in den Pazifik liegt bei 30 Becquerel pro Liter.

Defekter Tank liegt 700 Meter vom Meer entfernt

Laut Tepco befindet sich der Tank rund 700 Meter vom Meer entfernt. Tepco geht nach eigenen Angaben davon aus, dass kein verseuchtes Wasser in den Pazifik gelangt ist, sondern  die hundert Tonnen komplett in den Boden versickert sind. Als Grund für diese These gibt Tepco an, in dem betroffenen Bereich des Geländes gebe es keine Entwässerung, die zum Ozean führe.

Am Mittwoch, den 19. Februar 2014, blieb offenbar ein Sperrventil an einem der Behälter für das Kühlwasser versehentlich offen. Arbeiter hätten auf einem Kontrollgang festgestellt, dass Wasser aus einer Leitung an der Seite des Tanks getropft sei. Schon am Tag darauf, am Donnerstag, den 20. Februar habe man das Leck stopfen können.

Auf dem Gelände lagern in Tanks rund 335.000 Tonnen Wasser

Mit radioaktiv belastetem Wasser hat Tepco schon lange Probleme. So sind im August 2013 rund 300 Tonnen belastetes Wasser aus einem anderen Tank geflossen. Auf dem Reaktorgelände stehen inzwischen etwa tausend solcher Tanks, in ihnen lagern rund 335.000 Tonnen Wasser. Viele der unter großer Hast aufgestellten Behälter haben bereits Lecks – so bilden sich auf dem Kraftwerksgelände stark strahlende Pfützen.

TOKYO, Japan - Photo taken from a Kyodo News helicopter shows the No. 3 reactor building (2nd from R), the cover of which is under construction, at the Fukushima Daiichi Nuclear Power Station of Tokyo Electric Power Co. in Fukushima Prefecture on Feb. 3, 2013. (Kyodo) [ Rechtehinweis: usage Germany only, Verwendung nur in Deutschland ]
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Luftaufnahme von Fukushima vor einem Jahr.  

Foto: dpa

Tepco pumpt pro Tag etwa 400 Tonnen Wasser in die Gebäude des havarierten AKW, um die sehr heißen Reaktorkerne zu kühlen. Da die Gebäude aber durch die Explosionen sehr schwer beschädigt sind, läuft die gleiche Menge Wasser pro Tag aus dem Reaktorbereich in die unteren Stockwerke. Dazu gesellt sich noch Grundwasser, welches von unten in die Reaktorgebäude eindringt und sich mit dem kontaminierten Wasser von oben vermischt.

Täglicher Überschuss von 400 Tonnen Wasser

Tepco pumpt alles Wasser wieder ab, um ein Auslaufen in das Meer oder zurück ins Grundwasser zu verhindern. Das abgepumpte Wasser, immerhin bis zu tausend Tonnen pro Tag, wird dann mit Ionenaustauschern gefiltert und entsalzen. Ein Teil des gefilterten Wassers nutzt Tepco wieder zur Kühlung. Aber trotzdem bleibt ein täglicher Überschuss von etwa 400 Tonnen. Dieses überschüssige Wasser wird in die hastig montieren Tanks gepumpt und gelagert.

Eisring im Boden soll das Wasser eindämmen

Um dem immer wieder austretenden kontaminierten Wasser einen Riegel vorzuschieben, plant Tepco einen unterirdischen Eisring um die Reaktoren 1 bis 4. Bei dieser Bodenvereisung werden Kühlrohre in den Boden unter den Reaktoren eingeführt und durch diese hindurch dann eine Kühlflüssigkeit geleitet.

Diese Kühlflüssigkeit, in der Regel ist das Salzwasser, hat eine Temperatur von rund minus 35 Grad Celsius. Dadurch kühlt sich der Boden in der Nähe der Kühlrohre so weit herunter, dass das Grundwasser gefriert. Durch den so gebildeten Eisring kann Wasser innerhalb des vereisten Rings nicht mehr nach außen dringen. Und von außen kann kein Grundwasser mehr auf das Reaktorgelände innerhalb des Ringes gelangen.

Japan setzt trotz Fukushima weiter auf die Atomkraft

Ungeachtet der ständigen Pannen und Probleme in der Atomruine Fukushima hält die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe auch für die Zukunft an der Atomenergie fest. Derzeit sind zwar sämtliche der 48 Atomreaktoren in Japan in Folge der Atomkatastrophe von Fukushima außer Betrieb. Die Atomaufsichtsbehörde prüft aber bereits Anträge zur Bescheinigung der Sicherheit für den Neustart von 17 Reaktoren. 

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Von Detlef Stoller
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AKW
kommentare
25.02.2014, 21:31 Uhr Lutz Breunig
Da kann man ja mal gespannt sein, wie die Atomaufsichtsbehörde, angesichts der andauernden Pannen und Störungen, über den beantragten Neustart von 17 Reaktoren entscheidet.

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