19.05.2013, 12:00 Uhr | 0 |

Einfangen statt abfackeln Shell startet ein großes Gas-Projekt in Irak

Trotz Gaspreis-Steigerungen in weiten Teilen der Welt wird nach wie vor in riesigem Umfang Petroleumgas auf den Ölfeldern im Nahen Osten abgefackelt. Das soll anders werden. Dazu läuft derzeit eines der bisher aufwändigsten Gasprojekte der Welt an.

Ölquelle in Basrah
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Große Mengen Gas werden auf den Ölfeldern rund um Basrah abgefackelt. Gemeinsam mit Shell und Mitsubishi will der Irak das Gas nun auffangen und nutzen.

Foto: Basrah Gas

17 Milliarden US-Dollar will die irakische Basrah Gas Co. in den nächsten Jahren investieren, um das bisher über den drei großen Ölfeldern Rumaila, West-Quarna 1 und Zubair abgefackelte Petroleumgas einzufangen und zu verwerten. Diese Ölfelder erstrecken sich in Küstennähe zum Arabischen Golf und reichen bis nahe an die Grenze zu Kuweit.

Um diese größte Investition Iraks in seine Ölindustrie zu finanzieren, hat der die staatliche Gasgesellschaft South Gas ein Joint Venture mit Shell und Mitsubishi gegründet. Die neue Basrah Gas gehört zu 51 Prozent South Gas, Royal Dutch Shell hält 44 Prozent, der japanische Mitsubishi-Konzern 5 Prozent. Diese Partner bringen das Know-how und die Finanzierung in das Projekt ein. South Gas sorgt für die erforderlichen Genehmigungen.

Irak muss derzeit Gas importieren

Riesige Mengen Gas werden täglich auf den Ölfeldern abgebrannt und belasten die Umwelt. Das Petroleumgas tritt bei der Ölförderung mit aus. Ursprünglich wurde es überall abgefackelt, weil es keine gewinnversprechende Nutzung gab. Laut Basrah Gas werden täglich auf den Ölfeldern 4000 Tonnen Gas verbrannt. Gleichzeitig importiert der Irak jedoch täglich zwischen 500 und 1000 Tonnen Gas, das zum Heizen und Kochen genutzt wird.

Um das Gas überhaupt nutzen zu können, muss es in Leitungen zu potenziellen Abnehmern transportiert werden. Dabei wird von jeder Förderanlage eine Leitung zu einer großen Gasleitung gelegt, die die Gas-Ausbeute des ganzen Ölfeldes sammelt und abtransportiert. Dazu sind in regelmäßigen Abständen Kompressorstationen erforderlich, die den Gasfluss bewirken.

Für die Nutzung des Petroleumgases kommen mehrere Möglichkeiten infrage, die Basrah Gas auf die Dauer alle nutzen will. Das Gas kann in Kraftwerken verstromt werden. Es lässt sich petrochemisch aufbereiten und als Chemierohstoff verwerten. Das Gas lässt sich auch in Haushalten und der Industrie nutzen.

Gas wird auch nach Europa verschifft

Da dies in Südirak von der Besiedlungsdichte her nur unzureichend möglich erscheint, plant Basrah Gas den Bau einer Verflüssigungsanlage mit einem Terminal, das die Verladung des verflüssigten Gases auf Gastanker erlaubt. Damit ist es möglich, Gas nach Europa oder Fernost zu exportieren. Verflüssigungsanlage und Terminal erfordern bereits Investitionen in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar. Ehe mit ihrem Bau begonnen wird, werden zunächst in Gasleitungen, Kompressorstationen und Gaslager 13 Milliarden. US-Dollar investiert.

Im ersten Schritt geht es darum, das Gas tatsächlich von den Ölfeldern zu erhalten. Die dort tätigen Konzerne BP, ExxonMobil und die italienische Eni haben in ihren Verträgen nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) keine kommerziellen Anreize, das Gas bereitzustellen statt es abzufackeln.

Basrah Gas rechnet allerdings damit, dass sich die Ölfirmen nicht querstellen werden, weil die irakische Regierung wie auch die Weltbank dringend die Nutzung des Petroleumgases fordert statt es abzufackeln. Dabei geht es nicht nur um die Umweltbelastung der beim Verbrennen entstehenden Emissionen. Die Weltbank sieht in ihren Irak-Jahresberichten vor allem eine Chance, dass das kriegszerstörte Land durch die Gaserlöse den Wiederaufbau vorantreiben kann.

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Von Peter Odrich
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