02.12.2015, 11:22 Uhr | 0 |

Börsengang 2016 RWE plant hübsche Tochter mit profitablen Geschäften

Der geplante Konzernumbau bei RWE erinnert nur auf den ersten Blick an den großen Konkurrenten E.On. Eines der Ziele ist allerdings dasselbe: Die heute und in Zukunft profitablen Geschäftsfelder in der Außenwirkung vom traditionellen Geschäft mit Kohle und Atom zu lösen. Nur dass nicht gleich Vater Staat die Altlasten übernehmen soll.

Braunkohlebagger des RWE im Tagebau Garzweiler
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Braunkohlebagger des RWE im Tagebau Garzweiler: Kohle und Atomkraft bleiben auch nach dem Umbau des Unternehmens unter dem Dach des RWE-Konzerns.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Da läuteten gleich ganz laut die Glocken: Die für den Alarm bei Politikern und Umweltschützern, die fürs Geschäft bei den Börsianern. Als RWE am Dienstag verkündete, sein Geschäft in zwei Teile aufspalten zu wollen, da dachten alle gleichermaßen an den Branchenprimus E.On, der genau das schon vor einem Jahr avisiert hatte. Und der sofort Prügel dafür kassierte, weil er sich dem dringenden Verdacht aussetzte, die Guten ins eigene Töpfchen und die Schlechten dem Steuerzahler ins Kröpfchen drücken zu wollen. Die ganz ungenießbaren sogar, denn im Idealfall aus E.On-Sicht hätte der Staat hohe Kosten und Risiken des Atomausstiegs übernommen.

Die hübsche RWE-Tochter soll Investoren anlocken

Das hat die Politik inzwischen verhindert. Den Mitbewerbern war klar, dass sie mit einem ähnlichen Plan nicht durchkommen werden. Dennoch musste vor allem RWE, das noch zu einem Viertel in öffentlichem Besitz ist und viel zu lange an der Kohleverstromung festhielt, etwas tun.

Also beschloss der Vorstand nun, die ebenso profitablen wie zukunftsfähigen Felder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in eine eigene neue Tochtergesellschaft zu überführen. Diese hübsche Tochter kann dann mit guten Zahlen strahlen und Investoren anlocken. 10 % dieses noch namenlosen Unternehmens sollen nach dem jetzigen Plan an die Börse gebracht werden, und das möglichst im Jahr 2016.

Die drei Bereiche der neuen Tochter wirken jeder für sich vital: Der Geschäftsbereich Erneuerbare Energien werde „einen starken Fokus auf Windenergie“ haben, teilt RWE mit. Im Bereich Netze werde das Unternehmen „mit einem modernen 550.000 km langen Verteilnetz einer der leistungsstärksten Betreiber in Zentraleuropa“ sein. Im Vertrieb wiederum werde die neue Gesellschaft über 23 Millionen Kunden in zwölf europäischen Märkten verfügen und zu den Schrittmachern innovativer Kundenlösungen zählen.

Aschenputtel bleibt aber in der Familie

Die Bereiche Kohle und Atomkraft geben derweil das Aschenputtel. So weit ist die Rollenverteilung dieselbe wie im Fall E.On. Nur betont RWE jetzt ausdrücklich, dass beide Töchter unter dem Dach des Konzerns bleiben sollen. Damit würden keine Risiken verschoben und die komplette Masse für die Haftung vor allem im Bereich der Kernkraft bleibe erhalten, betont Unternehmenschef Peter Terium. Der Aufsichtsrat muss dem Vorhaben Mitte Dezember noch zustimmen, aber davon ist auszugehen.

Ergebnis sinkt, Schuldenstand ist hoch

Laut Spiegel Online beklagt Terium in diesem Zusammenhang, dass es im Konzern lange Zeit zu wenig Veränderungsbereitschaft gegeben habe. Wie eine Zukunft für das klassische Kerngeschäft aussehen kann, weiß aber auch er noch nicht. Der „alte“ Teil solle jedenfalls durch Investitionen in neue Märkte und durch neue Rohstoffe wiederbelebt werden – das bleibt vorerst vage.

Sehr konkret dagegen sind die Belastungen, mit denen RWE seit Jahren kämpft. Vor allem die Ergebnisse der Kraftwerkssparte, also der Erzeugung, sinken angesichts fallender Strompreise immer weiter. In den ersten drei Quartalen 2015 lag das Betriebsergebnis um 9 % unter dem des Vorjahreszeitraumes. Hinzu kommt ein gewaltiger Schuldenberg: Aktuell liegt er bei rund 26 Milliarden €.

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Von Werner Grosch
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