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19.07.2013, 07:00 Uhr | 0 |

„Größte Branchenkrise aller Zeiten“ RWE-Chef Terium kündigt Stilllegung von Kraftwerken und Stellenabbau an

Der Stromkonzern RWE gerät durch die Energiewende weiter unter Druck und kündigt Stellenabbau und Gehaltskürzungen an. RWE-Chef Peter Terium sieht die „größte Branchenkrise aller Zeiten“ und will die Stilllegung alter Kohlemeiler und Gaskraftwerke prüfen.

RWE-Chef Peter Terium
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Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium kündigt Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen an. 

Bildquelle: dpa/Marius Becker

Bereits im vergangenen Herbst hatte RWE-Chef Peter Terium angekündigt, dass es über den geplanten Abbau von rund 10.000 Stellen weitere Streichungen geben werde. Nun legt Terium in einem Interview mit dem Manager Magazin nach und spricht von der größten Branchenkrise aller Zeiten. „Wir müssen auch an die Gehälter ran“, sagte er.

Betroffen sind die insgesamt 17 000 Mitarbeiter, die in den Gesellschaften RWE Generation und RWE Power beschäftigt sind. Wie viele Jobs dort abgebaut werden, sagte Terium nicht. Erst beim letzten Sparprogramm war die Streichung von 8000 Stellen angekündigt worden, darin waren auch Verkäufe von Unternehmensteilen enthalten. Bis Ende 2014 will RWE eine Milliarde Euro einsparen.

Konventionelle Kraftwerke werden „kritisch beobachtet“

Der RWE-Chef warnte ebenfalls vor „erheblichen Stilllegungen“ von Kraftwerken. Der Konzern habe Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 10 000 Megawatt unter „kritischer Beobachtung“. Das würde etwa einem Fünftel der RWE-Kraftwerkskapazitäten entsprechen.

Hintergrund ist der Ausbau erneuerbarer Energien, der zu Überkapazitäten im Stromnetz und damit zu sinkenden Großhandelspreisen führt. Der Großhandelspreis für eine Megawattstunde (1000 Kilowattstunden) ist zwischen 2010 und heute von 60 Euro auf rund 37 Euro gesunken. Etliche konventionelle Kraftwerke lassen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben. „Wenn sich hier nichts ändert, dann wird es wirklich gefährlich“, sagte Terium.

Die enorme Steigerung von Wind- und Sonnenenergie, die ins Stromnetz eingespeist wird und als Ökostrom dort Vorfahrt hat, bringt auch andere Versorger mit konventionellen Gas- und Steinkohlekraftwerken in die Klemme. Der baden-württembergische Versorger EnBW kündigte vor kurzem an, vier konventionelle Kraftwerksblöcke zu schließen. Konkurrent E.ON hat entschieden, bis 2015 elf Kraftwerke in Europa abzuschalten und 11 000 Stellen abzubauen. Insgesamt könnten von den 90 000 Megawatt konventioneller Stromkapazität in Deutschland bis zu 20 Prozent zur Disposition stehen.

Stromversorger warnen vor gravierenden Energieproblemen

Mit ihren Ankündigungen von Stilllegungen und Stellenstreichungen versuchen der RWE-Chef und seine Kollegen auch den Druck auf die Bundesregierung zu verstärken. In der vergangenen Woche hatte sich bereits Trianel, das Bündnis der Stadtwerke, zu Wort gemeldet. Trianel-Chef Sven Becker forderte, dass die Ökostromförderung dringend reformiert werden müsse.

Obwohl der Ökostrom bereits einen Anteil am Stromverbrauch von 25 Prozent habe, laufe die Förderung ungebremst weiter. „Auch fossile Kraftwerke müssen ihr Geld verdienen“, sagte Becker. In die konventionellen Anlagen werde nicht mehr investiert, hinzu käme die geplante Abschaltung der Atomkraftwerke bis 2022. Becker sieht gravierende Energieprobleme auf Deutschland zukommen. 

Von Gudrun von Schoenebeck | Präsentiert von VDI Logo
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