07.11.2014, 13:36 Uhr | 1 |

KERNENERGIE IN JAPAN Nach Fukushima: Zwei Atomreaktoren gehen wieder ans Netz

Von Atomausstieg ist in Japan nicht mehr die Rede: Jetzt hat Japan das Wiederanfahren von zwei Reaktoren genehmigt. Das Atomkraftwerk Sendai macht den Anfang. Dort sollen selbst Riesenwellen keinen Schaden anrichten können, so das Ergebnis eines Stresstests.

Atomkraftwerk Sendai
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Die beiden Atomreaktoren in Sendai sind die ersten, die dreieinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima wieder ans Netz gehen soll. Insgesamt 48 Reaktoren wurden nach Fukushima vom Netz genommen und sollen nun wieder nach und nach angefahren werden.

Foto: dpa/Kyushu Electric Power

Rund 30 Jahre haben die beiden 864-Megawatt-Blöcke des Kernkraftwerks Sendai auf dem Buckel. Nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 wurden sie wie alle anderen Kernkraftwerke des Landes zwangsweise abgeschaltet. Jetzt gehen sie als erste wieder in Betrieb.

Der für die Region zuständige Gouverneur Yuichiro Ito erteilte die Genehmigung. Die Druckwasserreaktoren baute einst der japanische Multikonzern Mitsubishi. Betrieben werden sie vom Versorger Kyushu Electric Power.

Ito kann sich der Rückendeckung des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe sicher sein. Anders als die Vorgängerregierung, die einen Ausstieg aus der Kernenergie plante, sieht Abes Regierung keine Möglichkeit, Japan ausreichend mit erschwinglichem Strom aus anderen Quellen zu versorgen. Seit der Abschaltung aller Kernkraftwerke vor dreieinhalb Jahren produziert das Land Strom weitgehend mit alten umweltverschmutzenden Kraftwerken, die mit Kohle, Öl und Gas befeuert werden.

Sicherheit von 48 Kraftwerken überprüft

Alle japanischen Kernkraftwerksblöcke, 48 an der Zahl, sind seit dem Abschalten auf ihre Sicherheit überprüft worden. Dazu kamen routinemäßige Wartungsarbeiten sowie Nachrüstungen und Reparaturen. In Sendai seien „verschiedene Situationen umfassend” durchgespielt worden, um sicherzustellen, dass die Anlagen allen Sicherheitsbestimmungen genügen, sagte Gouverneur Ito.

Ein Stresstest ergab, dass Sendai Wellen mit einer Höhe von 13 bis 15 Metern schadlos übersteht, ebenso ein Erdbeben einer Stärke, die in Japan noch nie erreicht wurde. Das Wiederanfahren dürfte wenigstens zwei Monate dauern.

Sendai liegt im Südwesten des Inselreichs direkt am Meer, wie Fukushima, das im März 2011 durch einen Tsunami weitgehend zerstört wurde. Die Riesenwelle löste Kurzschlüsse in allen Notstromaggregaten aus, sodass sämtliche Pumpen ausfielen, die Reaktorkerne also nicht mehr gekühlt wurden und teilweise schmolzen.

Gefahr durch Vulkane in der Nähe des Kraftwerks

Auch wenn Riesenwellen Sendai nichts anhaben können, droht möglicherweise vom Vulkan Sakurajima in einer Entfernung von 50 Kilometern Gefahr. „Charakteristisch für die Anlage in Sendai ist, dass sie von großen Vulkanen umgeben ist“, sagte Eisuke Naramoto, emeritierter Professor der Hosei-Universität und Mitglied der Bürgerkommission für Atomkraft im August den VDI nachrichten. Er glaubt, die Betreiber unterschätzten, wie sehr ein Vulkanausbruch die Anlage treffen könne.

Die Behörden haben bereits im Sommer die Bevölkerung mit Jodtabletten versorgt, die verhindern, dass sich nach einem Reaktorunfall radioaktives Jod in der Schilddrüse festsetzt. Was nicht gerade zur Beruhigung der Bevölkerung beigetragen hat.

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
07.11.2014, 21:34 Uhr Progetti
In Japan wäre eine gute Alternative die geothermische Energie- Gewinnung. Tsunami- sichere Notstrom-Aggregate müssten auf erdbebensicheren Masten hochgelagert gebaut werden.
Wenn die Mikrowellen- gezündete Kernfusion wirklich funktioniert, dann wäre auch das eine sehr gute Alternative.

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