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28.05.2013, 08:20 Uhr | 0 |

Braunkohlentag in Köln NRW-Wirtschaftsminister Duin fordert mehr Akzeptanz der Braunkohle

Braunkohle spielt auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung in NRW. Akzeptanz für diesen umstrittenen Energieträger forderte NRW-Wirtschaftsminister Garrel Duin auf dem Braunkohlentag in Köln. Deutschland brauche sogar neue Investitionen in Kohlekraftwerke. Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kernenergie und Kohleverstromung sei nicht möglich.

Tagebau Garzweiler in NRW
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Trotz Energiewende eine größere Akzeptanz für die Braunkohle forderte NRW-Wirtschaftsminister Duin auf dem Braunkohlentag in Köln. Im Bild der Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen, wo die größten Bagger der Welt Braunkohle für die Verstromung abbauen.

Foto: RWE

Die Industrie- und Handelskammer Köln versteht sich als "Braunkohlenkammer", wie ihr Geschäftsführer Ulrich S. Soénius vorhebt. "Ohne Braunkohle gibt es keinen Fortschritt, keinen Wohlstand, hat die Region keine Zukunft", sagt er zu Beginn des Braunkohlentags letzte Woche, der in der IHK stattfand.

"Nordrhein-Westfalen ist das Energieland Nummer eins", betont dessen Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk, Garrel Duin. "Braunkohle hat daran einen wesentlichen Anteil." So fordert er Investitionen in neue Kohlekraftwerke, weil er überzeugt ist, dass Deutschland nicht gleichzeitig aus der Kernenergie und aus der Kohle aussteigen kann: "Windkraft braucht Kohle, es geht nicht ohne."

Minister Duin: "Braunkohle braucht Akzeptanz"

"Wir brauchen ein positives, weil realistisches Bild von der Industrie", mahnt Minister Duin. "Eine grundsätzliche Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit ist erforderlich für Industrie, Netzausbau und Tagebau."

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse reformiert werden, "aber mit Ausnahmetatbeständen, sonst verliert die Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit", betont Duin. Da eine "Strompreisbremse" nicht funktioniere, hat Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Bayern und Sachsen vorgeschlagen, die Stromsteuer abzusenken. Wer die Nutzung erneuerbarer Energie ausbauen will, braucht Energiespeicher. Auf Duins Forderung nach neuer Stromspeichertechnologie hat der Vorstandschef des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (Debriv), Johannes Lambertz, eine Antwort parat: "Unser Energiespeicher ist der Tagebau."

Die deutschen Braunkohlenkraftwerke waren in den ersten drei Monaten 2013 gut ausgelastet. Mit rund 42 Mrd. kWh lag die Stromerzeugung aus Braunkohle sogar über dem Vorjahreszeitraum. Dazu habe auch die hohe Flexibilität der Anlagen beigetragen.

Der dringend erforderliche Netzausbau wird nach Einschätzung des Debriv das Angebot von Strom aus erneuerbaren Energien und aus Braunkohle in ganz Deutschland besser verfügbar machen. Die hohe Flexibilität der Braunkohlenkraftwerke stehe komplementär neben der fluktuierenden Vorrangeinspeisung von Strom aus Wind und Sonne. Vor allem die drei Gleichstromtrassen sollten schnell verwirklicht werden, um das weitere Auseinanderdriften von regionalem Strombedarf und -angebot auszugleichen.

Gleichzeitiger Ausstieg aus Kernenergie und Kohle nicht möglich

Wer aus der Kernenergie aussteigt, werde nach Lambertz’ Ansicht kaum gleichzeitig die Kohlennutzung beenden können. Er spitzt es so zu: "Wer die Erneuerbaren im Zeithorizont 2030/2040 weiter ausbaut, braucht verlässliche Partner für die unsteten Gesellen Wind und Photovoltaik. Heimische Braunkohle kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten." Denn diese sei sicher und zu langfristig kalkulierbaren Preisen verfügbar.

Auch in Zeiten globaler Märkte bleibt die deutsche Braunkohlenindustrie lokal und regional verankert. Vor diesem Hintergrund spielen das Verhältnis von Industrie und regionalen Akteuren und die Wechselwirkungen zwischen beiden eine wesentliche Rolle für die Perspektiven dieses Zweiges der deutschen Energiewirtschaft.

Hier hat Lars Kulik, Leiter Tagebauplanung und -genehmigung bei RWE Power, seit einigen Jahren deutliche Veränderungen beobachtet: "An die Stelle des früher zuweilen wenig partizipativen Verhältnisses zwischen der über Investitionen und Arbeitsplätze entscheidenden Industrie und den regionalen Körperschaften ist eine Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe getreten."

Landwirtschaft nutzt die Abwärme der Kraftwerke

Als Beispiel, wie die Braunkohle die lokale Wirtschaftsstruktur stärkt, nennt Kulik die Ernährungswirtschaft: "RWE Power arbeitet seit längerer Zeit erfolgreich an der Nutzbarmachung des Energieinhalts von Abwärme und von Kühlturm- und Sümpfungswasser für die landwirtschaftliche Produktion."

Zur Hebung der Akzeptanz eignen sich besonders Bürgerkontaktgruppen und Nachbarschaftsverträge, berichtet Andreas Günther, Direktor Technische Planung der Mibrag aus Zeitz. Von 1994 bis 2012 habe die Mibrag mehr Fläche wieder nutzbar gemacht als neu bergbaulich in Anspruch genommen wurde.

Auch in der Lausitz will der Braunkohlenbergbau Partner der Region sein, betont Roswitha Partusch, Vattenfall Europe Mining AG, Cottbus. Das soll mit der Schaffung eines "Stolz- und Wir-Gefühls" erreicht werden. Lambertz mahnt Glaubwürdigkeit an: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir müssen das, was wir tun, in die Bevölkerung tragen."

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Von Eckart Pasche | Präsentiert von VDI Logo
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