09.07.2013, 15:30 Uhr | 0 |

Siemens und E.On einig Konzerne fordern Radikalkur für Energiewende

Siemens-Chef Peter Löscher und E.ON-Chef Johannes Teyssen greifen die Bundesregierung wegen ihrer Energiepolitik scharf an. Beide fordern ein Umsteuern vor allem bei der Subvention von Photovoltaik.

Installation von Solarpanels
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Im vergangenen Jahr wurden so viele Solaranlagen in Deutschland installiert, wie noch nie. Siemens und E.ON fordern ein Umsteuern bei der Subvention von Photovoltaik.

Foto: PantherMedia/Elena Elisseeva

Harte Worte: „Wir sind auf dem falschen Weg. Es geht nicht um Detailanpassungen. Wir brauchen grundsätzliche Korrekturen, die Lage ist ernst.“ Der das sagt, heißt Peter Löscher und ist Chef  von Siemens. Sein E.ON-Kollege Johannes Teyssen setzt sogar noch einen drauf: „Man muss einen Schnitt machen und sagen: Die Musik ist aus.“ Die beiden Top-Manager fordern eine Radikalreform des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG). Denn das regelt die milliardenschwere Förderung der Wind- und Sonnenenergie und ist mitverantwortlich für die steigenden Strompreise.

Strompreise verdoppelt

„Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Strompreise verdoppelt“, kritisiert Löscher. „Dabei haben sich Steuern und Abgaben verdreifacht und machen heute 53 Prozent des Strompreises aus.“ Mache Deutschland keinen grundsätzlichen Schnitt beim EEG, so werde der Strompreis für Privatkunden bis 2020 noch einmal zusätzlich um 35 Prozent steigen und für die Industrie um 30 Prozent. „Verlierer sind vor allem die kleinen Kunden, die immer mehr für Energie bezahlen“, sagt Teyssen.

Insbesondere die massive Förderung von Solaranlagen stört die beiden Top-Manager. Die Photovoltaik profitiere am stärksten von den staatlichen Subventionen, liefere aber nur einen geringen Beitrag zur Grundlast. „Wir brauchen mehr Markt, Regulierung nur da, wo sie notwendig ist, und deutlich mehr Energieeffizienz“, kritisiert der Siemens-Chef. Die Energiewende in Deutschland könne nur gelingen, wenn die Reform der Ökostromförderung nach der Bundestagswahl im September oberste Priorität erhalte.

Subventionen für Sonnenstrom laufen in rund fünf Jahren aus

Wie es scheint, reformiert der Solarstrommarkt sich im Prinzip von ganz alleine. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) geht davon aus, dass die Subventionen für Photovoltaik-Anlagen im Jahre 2017 oder 2018 auslaufen. Denn dann wird wohl die Grenze von 52 Gigawatt Solarstromleistung – das entspricht in etwa der Leistung von 50 Atomkraftwerken – in Deutschland erreicht. Das ist die magische Zahl, ab der die Abnahmegarantie von Sonnenstrom zu festgelegten Preisen entfällt. Derzeit sind in Deutschland etwa 34 Gigawatt Solarstrom installiert.

Die Reform der Sonnenstrom-Subvention, die vor einem Jahr verabschiedet wurde, nannte Altmaier einen „großen Erfolg“. Vor einem Jahr wurden die für 20 Jahre garantieren Vergütungen je Kilowattstunde eingespeisten Solarstroms drastisch gesenkt, die Sätze schrumpften 2012 um bis zu 30 Prozent. In diesem Herbst gehen sie weiter zurück. Die Folge: Es werden deutlich weniger Solaranlagen auf die Dächer gestellt. Ein Juni-Vergleich von 2012 zu 2013 zeigt dies deutlich. Wurden im Juni 2012 noch 1791 Megawatt Sonnenstrom-Leistung neu installiert, waren es im Juni 2013 nur noch 315 Megawatt. Ein Rückgang um mehr als 80 Prozent.

Sonnenstrom verursacht bei der EEG-Umlage kaum noch Kosten

Sind in den vergangenen drei Jahren jeweils etwa 7500 Megawatt an neuer Solarstrom-Leistung installiert worden, werden es in diesem Jahr wegen der starken Kürzung der Subventionen nur etwa 4000 Megawatt sein. Das wirkt sich extrem auf die vom Verbraucher zu zahlenden Kosten aus. Während die 2010 installierten Anlagen in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro Fördermittel kosteten, sind es bei den Anlagen aus diesem Jahr nur noch rund 300 Millionen Euro, die auf den Strompreis umgelegt werden. „Die Photovoltaik ist nicht länger der Kostentreiber beim Strompreis“, sagte Altmaier. Der Sonnenstrom werde die EEG-Umlage in diesem Jahr voraussichtlich nur um weniger als 0,1 Cent je Kilowattstunde belasten.

Erst zum Januar dieses Jahres stieg die EEG-Umlage – und damit der Strompreis um 1,7 Cent auf 5,3 Cent je Kilowattstunde. Ein Grund für diesen starken Anstieg ist auch der jahrelange Solarboom. Zwar wurden die Subventionen für den Sonnenstrom in den vergangenen Jahren bereits um zwei Drittel abgesenkt, insgesamt aber kamen so viele neue Anlagen hinzu, dass die EEG-Umlage und damit der Strompreis unter dem Strich weiter angestiegen sind. Immerhin beträgt die Fördergarantie 20 Jahre, Anlage für Anlage. Insgesamt kostet eine Kilowattstunde Haushaltsstrom inzwischen etwa 28 Cent.

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Von Detlef Stoller
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