Kernkraftwerke im Test KKW: Nachholbedarf in Sachen Sicherheit
Zweistellige Milliardensummen für die Nachrüstung des bestehenden Kernkraftwerksparkes in der EU werden erforderlich. Dies geht aus der am Mittwoch in Brüssel von der EU-Kommission vorgelegten Endfassung des Reports über die Sicherheit der am Netz befindlichen KKW hervor.
Nach dem Zwischenbericht im Herbst vergangenen Jahres mit vielen Vorbehalten legt EU-Energiekommissar Günther Oettinger jetzt gewaltig nach. Auf 750 Seiten listet die EU-Kommission nicht nur die Schwachstellen der europäischen Kernkraftwerke (KKW) bis ins Detail auf, sondern kreidet einzelnen Betreibern auch fehlende oder ungenaue Daten an. Erstmals liegt damit nach der Fukushima-Katastrophe eine umfassende Bestandsaufnahme über den Ist-Zustand der Sicherheitslage in den 14 EU-Staaten, die Strom aus Kernkraftwerken produzieren, vor.
Die detaillierten Ergebnisse, die auf die 14 Länderreports der nationalen Atombehörden in der EU sowie den Nachbarstaaten, Litauen, der Schweiz und der Ukraine gründen, werden vielen KKW-Betreibern nicht gefallen. Sonnte sich die französische Nuklearindustrie in der Ansicht, mit dem höchsten Atomstromanteil an der Energiegewinnung in der EU über die sichersten KKW in Europa zu verfügen, kommt der ungeschminkte Kommissionsreport zu ganz anderen Befunden: Er sieht den größten Nachholbedarf in Sachen Sicherheit in den Anlagen in Westeuropa – allen voran in England und Frankreich.
EU-weiter KKW-Stresstest von 133 Kernreaktoren
Die erste EU-weite einheitliche Überprüfung aller 133 Kernreaktoren wurde durch heftige Dispute hinter den Kulissen von den nationalen Betreibern zunächst konterkariert. So gibt der von Oettinger präsentierte Bericht zwar Aufschluss darüber, wie sicher KKW gegenüber Flutkatastrophen oder Erdbeben gerüstet sind. Mögliche terroristische Angriffe oder Flugzeugabstürze aber sollen später in einem gesonderten Bericht behandelt werden.
Sucht man im Mammutbericht, in den auch die Ergebnisse von Kernkraftwerksinspektionen von 80 internationalen Kernenergieexperten in allen europäischen KKW-Staaten mit eingeflossen sind, nach klaren Handlungsanweisungen, Forderungen oder gar Schließungsempfehlungen, sieht der Leser sich enttäuscht. Denn die Zuständigkeit für die Behebung der Mängel liegt nicht bei der EU, sondern bei den Mitgliedstaaten.
EU listet erstmals Mängel in europäischen KKW auf
Dass die EU-Kommission mit diesem Stresstestbericht erstmals umfassend in einem öffentlichen Dokument die Mängel der europäischen KKW auflistet, wertet EU-Kommissar Günther Oettinger daher als "einen Erfolg". Als "starken Hebel" sieht Oettinger seine Zuständigkeit für die grenzüberschreitende Atomsicherheit in der EU. Noch vor der Sommerpause will er einen Entwurf für die Endlagerung von abgebrannten Kernbrennstoffen vorlegen.






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