03.01.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Kraftfahrzeuge mit Gasantrieb Immer mehr Amerikaner wollen ihre Autos mit billigem Schiefergas betanken

Dank der reichlich geförderten Mengen an Schiefergas in den USA sehen sich die grossen amerikanischen Autobauer mit einer schnell wachsenden Nachfrage nach mit billigem Shale-Gas angetriebenen Fahrzeugen konfrontiert. Die Nachfrage geht inzwischen deutlich über die Liefermöglichkeiten der Autofirmen hinaus. Auch das Netz von Tankstellen, die neben Benzin und Diesel auch Gas anbieten, reicht mittlerweile nicht mehr aus.

Montage eines Autogastanks
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Montage eines Autogastanks: Der Förderboom an Schiefergas in den Vereinigten Staaten erreicht inzwischen auch die Autofahrer. Mehr und mehr von ihnen wollen billiges Shale-Gas tanken. Aber in den USA herrscht bisher noch ein Mangel an Tankstellen, die auch Gas anbieten.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Von den drei großen amerikanischen Autokonzernen verfügt bisher nur Ford über eine breitere Palette von Erdgas-Modellen, so genannten Compressed Natural Gas (CNG)-Fahrzeugen – allerdings auch nicht in grossen Serien,  sondern als gezielte Umbauten nach der Bestellung durch den Endabnehmer. General Motors (GM), die Nummer zwei am US-Markt, bietet den Gasantrieb bisher nur für wenige Modelle an, zwei Lastwagen und als Limousine den Chevrolet „Impala“. Chrysler, kleinster unter den drei US-Autoriesen und künftig komplett in den Händen von Fiat, bietet bisher nur einen Sattelschlepper mit CNG-Antrieb an. Dabei glaubt Chris Collins, Chrysler-Direktor für Fortgeschrittene Antriebstechnik, fest an die Zukunft der Erdgas-getriebenen Autos.

Schiefergas-Antrieb längst kostengünstiger als Benzin oder Diesel

Preislich ist in Amerika das aus den Schieferformationen geförderte Shalegas längst deutlich billiger als die klassischen Kraftstoffe Benzin und Diesel. Die  Hürden für einen der Nachfrage entsprechenden höheren Absatz der CNG-Fahrzeuge liegen in der bisher noch erforderlichen Grösse der Tanks für nicht-verflüssigtes Gas und den grossen Lücken in der Versorgungskette, sprich viel zu wenigen  Erdgas-Tankstellen in den Vereinigten Staaten. Deshalb wächst bisher der Einsatz von CNG nur in Fahrzeugflotten von Unternehmen stark. Von den Firmen wird nämlich vielfach zugleich auch dafür gesorgt, dass an den entsprechenden Standorten Erdgas als Kraftstoff verfügbar ist.

Paradebeispiel AT&T

So hat der amerikanische Telekommunikations-Konzern AT&T seine gesamte Flotte von Ford- und GM-Fahrzeugen auf CNG umrüsten lassen und spart damit nicht nur Geld, sondern kann zugleich auch mit einer umweltfreundlichen Fahrzeugflotte werben. Schliesslich emittieren CNG-Fahrzeuge 30 Prozent weniger klimarelevante Spurengase wie CO2 als herkömmliche Automobile mit Benzinantrieb. Die tausende von Liefer- und Lastwagen, die für AT&T fahren,  tragen daher auch die passenden Werbebotschaften: „Grüne Techologie – angetrieben mit Erdgas“.

AT&T ist nur ein Beispiel unter vielen in Amerika. Denn Konzerne können mit den Shalegas-Förderern auch mittel- und längerfristige Verträge schliessen, die den Gaspreis nicht nur noch weiter drücken, sondern auch das niedrigere Niveau für eine gewisse Zeitspanne absichern und damit eine verlässliche Basis für die künftige Kalkulation der Kraftfahrzeugkosten schaffen. Kein Wunder, dass Jon Coleman, Manager für nachhaltige Flottenverkäufe bei Ford, mit einer schnellen Zunahme der CNG-Fahrzeuge bei grossen Flottenbetreibern rechnet.

Ford hat den Absatz der CNG-Modelle seit 2010 bereits verfünffacht und erwartet nunmehr, dass relativ schnell rund zehn Prozent des gesamten Marktes für gasgetriebene Firmenfahrzeuge zu erreichen sind. An sich seien zwar Asiaten und Europäer, vor allem die italienischen Autobauer, viel erfahrener bei Erdgas-getriebenen Fahrzeugen, aber in Asien und Europa sei der hohe Gaspreis heutzutage prohibitiv im Blick auf den Fahrzeugabsatz. Insofern nutze Shalegas auch der amerikanischen Autoindustrie im Wettbewerb mit den ausländischen Produzenten, wenn immer mehr Autofahrer Fahrzeuge mit Gasantrieb haben wollen.

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Von Peter Odrich
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