17.11.2014, 12:50 Uhr | 0 |

Reaktion auf Spiegel-Bericht Gabriel dementiert Aufgabe des Klimaschutzziels: Wir schaffen 40 %

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dementiert einen Bericht des Spiegel, nach dem er das deutsche Klimaziel für unmöglich erklärt habe. Wie geplant soll der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent reduziert sein – allerdings ohne schnellen Kohleausstieg. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) vor dem schmelzenden Eqi Gletscher bei Ilulissat in Grönland
Á

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im August 2007 vor dem schmelzenden Eqi Gletscher bei Ilulissat in Grönland: Gabriel hält am 40-Prozent-Reduktionsziel fest, sieht aber keine Möglichkeit für einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Der gefährde die Versorgungssicherheit, erhöhe die Stromkosten und schädige den wirtschaftlichen Erfolg. 

Foto: dpa/Michael Kappeler

„Die 40 Prozent werden wir schaffen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Bis 2020 will Deutschland 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. „Wir müssen – auch wegen der internationalen Wirkung – zeigen, dass ein Industrieland wie Deutschland in der Lage ist, Klimaschutz zu betreiben, ohne dass es seinen wirtschaftlichen Erfolg gefährdet.“ Gabriel dementierte mit diesen Worten einen Bericht des Spiegel.

Spiegel zitiert Gabriel: „Ist doch klar, dass das Ziel nicht zu halten ist.“

Der Spiegel hatte sich auf eine interne Runde berufen, in der der Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler die 40-Prozent-Vorgabe angeblich für unmöglich erklärt hatte. „Ist doch klar, dass das Ziel nicht zu halten ist“, soll Gabriel gesagt haben. „Wir können nicht von jetzt auf gleich aus der Kohle raus.“

Bei der Dementierung dieses Statements eilt auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zur Hilfe. Der Bericht des Spiegel entbehre jeder Grundlage. Es habe kein vertrauliches Gespräch zwischen ihr und Gabriel stattgefunden, in dem er das 40-Prozent-Ziel aufgegeben habe. Sie arbeite mit Nachdruck an der Erreichung des Ziels.

Gabriel hält schnellen Kohleausstieg für unrealistisch

Doch wie will die Bundesregierung das Klimaziel erreichen? Das wird das Aktionsprogramm Klimaschutz zeigen, das sie am 3. Dezember beschließt. Ein schneller Ausstieg aus dem Kohlestrom scheint nicht zu den Maßnahmen zu zählen. In der ARD sagte Gabriel, er halte nichts davon, „so zu tun, als könnte man zeitgleich zum Atomausstieg auch einen Kohleausstieg machen.“

Die aufgehende Sonne taucht am 27.10.2014 den Himmel hinter dem Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln im Landkreis Peine (Niedersachsen) in warmes Licht. Im deutschen Energiemix macht die klimaschädliche Kohlekraft knapp 45 Prozent aus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Sonnenaufgang über dem Kohlekraftwerk Mehrum zwischen Hannover und Braunschweig: Der Schlüssel zum Erreichen des deutschen Klimaschutzziels ist laut Umweltschutzorganisation WWF die Reduktion des Kohlestroms. Einen gleichzeitigen Atom- und Kohleausstieg hält Bundesumweltminister Gabriel aber für unrealistisch.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Das bringe nicht nur Probleme in der Versorgungssicherheit, sondern erhöhe auch die Stromkosten und schädige schließlich den wirtschaftlichen Erfolg. Die Kohle werde erst über die nächsten Jahrzehnte an Bedeutung verlieren.

WWF: Reduktion des Kohlestroms ist der Schlüssel

Viele Klimafachleute sind sich hingegen sicher: Das Klimaziel kann Deutschland nur erreichen, wenn die Emissionen der Stromproduktion um rund 20 Millionen Tonnen sinken. „Bei der Reduktion des Kohlestroms liegt der Schlüssel zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele“, erklärt WWF-Klimaschutzexpertin Regine Günther in einem Bericht des Stern.

Die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und WWF fordern, Braunkohlemeiler nach 35 Jahren und Steinkohlekraftwerke nach 40 Jahren Laufzeit stillzulegen oder alternativ allen Kohlekraftwerken nach 35 Jahren Betriebsdauer Höchstgrenzen für ihre CO2-Emission aufzuerlegen.

Etwas langsamer gehen die USA und China in puncto CO2-Reduktion an: US-Präsident Barack Obama will die Emissionen bis 2025 um bis zu 28 Prozent reduzieren, der chinesische Staatschef Xi Jinping will den Anstieg der Emissionen erst ab 2030 stabil halten

Anzeige
Von Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden