04.11.2013, 14:46 Uhr | 0 |

Strahlenbelastung zu hoch Für Viele wird Rückkehr nach Fukushima unmöglich sein

Am Wochenende hat erstmals ein japanischer Spitzenpolitiker eingeräumt, dass die Region Fukushima auf Dauer nicht mehr bewohnbar ist. Rund 150 000 Bürger sind seit der Reaktorkatastrophe vor zwei Jahren zwangsevakuiert. Und immer wieder wurde vom Staat ihre Hoffnung genährt, dass sie in ihre Heimat zurückkehren können.

Ehepaar in der Stadt Namie in der Region Fukushima
Á

Yuzo Mihara (l.) und seine Frau Yuko in ihrer Heimatstadt Namie in der Prefektur Fukushima: Mit ihnen mussten 21 000 Einwohner die Stadt nach der Atomkatastrophe verlassen. Jetzt hat erstmals ein japanischer Spitzenpolitiker eingeräumt, dass die Menschen wegen der hohen Strahlenbelastung auf Dauer nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

Foto: Franck Robichon/dpa

Der Generalsekretär der regierenden Liberaldemokraten, Shigeru Ishiba, ist der erste Spitzenpolitiker, der ausgesprochen zurückhaltend, für japanische Verältnisse jedoch deutlich den Menschen die Hoffnung geraubt hat, jemals wieder in ihrer Heimat Fukushima leben zu können. „Es kommt die Zeit zu sagen: Ihr könnt dort nicht mehr leben, aber ihr erhaltet Entschädigung", sagte Ishiba der Zeitung Asahi Shimbun vom Sonntag. Die Regierung müsse die Gebiete benennen, die wegen der radioaktiven Verseuchung niemals mehr bewohnbar sein würden. Die Frage der Rückkehr ist in Japan politisch brisant.

Nach uraltem japanischen Verhaltensmuster versuchen Abgeordnete und Regierung bislang der Frage auszuweichen, wann die Menschen aus Fukushima in ihre Heimat zurückkehren können. Stattdessen werden immer neue Versuchen unternommen oder wenigstens angekündigt, die Strahlenbelastung im Krisengebiet rund um Fukushima dauerhaft zu senken. Das begann mit der Ankündigung, dass die Leckagen der vielen Fässer mit radioaktiv verseuchter Flüssigkeit durch Vereisung und Mauerbauten abgestoppt werden. An anderer Stelle wird radioaktiv verseuchte Erde abgefahren.

Küstenzone dürfte auf Dauer für unbewohnbar erklärt werden

Bisher sind der japanischen Öffentlichkeit noch keine Pläne bekannt geworden, welche Zonen im Krisengebiet von Fukushima voraussichtlich mit hohen Mauern eingezäunt und für dauerhaft unbewohnbar erklärt werden dürften. Zu den Schwierigkeiten dieser Einzäunung gehört auch die Frage, wie diese Küstenzone zur See hin abgeschirmt werden kann.

Ungeachtet der neuen Diskussion um die Zukunft der Zwangsevakuierten gibt es in Japan zwar viele Gegner der weiteren Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Aber es gibt keineswegs eine klare Mehrheit zu einem Atomausstieg. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Japan über 50 Kernkraftwerke verfügt, die für die Stromversorgung des Landes eine ganz erhebliche Rolle spielen – was vielen Japanern durchaus bewusst ist.

Ministerpräsident Abe will Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen

Die Regierung von Ministerpräsident Shinzō Abe möchte die derzeit ausnahmslos stillstehenden Kernkraftwerke mit zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen lassen. Aktuell haben Öl- und Gaskraftwerke die Stromproduktion ersatzweise übernommen. Allerdings muss Japan beide Energieträger teuer importieren. Jetzt rächt sich zudem, dass Japan seine größte Energiequelle, die Erdwärme, kaum nutzt.

Eine Reihe regionaler Behörden wehrt sich allerdings gegen das Wiederanlaufen der Kernkraftwerke. Zumindest in Tokio wird aber mit einem baldigen Betrieb zahlreicher Kernkraftwerke gerechnet. Das könnte noch in diesem Jahr beginnen.

Anzeige
Von Peter Odrich
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden