25.02.2014, 12:14 Uhr | 0 |

Aufwind für alpha ventus Erster deutscher Offshore-Windpark hat die Milliarde geknackt

Der Offshore-Windpark alpha ventus hat jetzt im windigen Februar die erste Terawattstunde Energie Offshore seit seiner Inbetriebnahme erzeugt. Das sind eine Milliarde Kilowattstunden klimafreundliche Offshore-Energie. Genug um den Jahresverbrauch von 285.000 Haushalten zu decken. Ein stürmischer Helfer für diese positive Bilanz ist schon gefunden: der Orkan Xaver.

Offshore-Windpark "alpha ventus" in der Nordsee
Á

Der Offshore-Windpark "alpha ventus": Das Foto entstand im April 2010. Inzwischen hat alpha ventus eine Milliarde Kilowattstunden klimafreundliche Energie erzeugt. 

Foto: dpa/Ingo Wagner

Viele Menschen werden sich an den Nachmittag des 5. Dezember 2013 noch mit Schrecken erinnern. An diesem Tag tobte der Orkan Xaver über Deutschland und die anderen Nordsee-Anrainerstaaten mit Spitzenböen von über 200 Stundenkilometer hinweg und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Die Offshore-Windbranche hingegen bringt Xaver Sympathie entgegen. Denn unter anderem durch solche Feger wie Xaver kann der Offshore-Windpark alpha ventus jetzt melden, dass er die erste Terawattstunde an Energie erzeugt hat. Damit hat Deutschlands erster Offshore-Windpark mit seinen zwölf Windenergieanlagen umgerechnet eine Milliarde Kilowattstunden klimafreundliche Energie erzeugt und ins deutsche Übertragungsnetz eingespeist. Die Strommenge entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 285.000 Haushalten.

Gute Erträge dank Orkan Xaver

„Erfreulich ist, dass 2013 insgesamt besser ausgefallen ist, als wir noch im September dachten. Die beiden Sturmtiefs „Christian“ und „Xaver“ haben im letzten Quartal für gute Erträge gesorgt,“ freut sich Wilfried Hube, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft DOTI. Seit August 2009 speist alpha ventus elektrische Energie ins Stromnetz. Alpha ventus startete mit der offiziellen Inbetriebnahme im April 2010 den konstanten Regelbetrieb. Insgesamt 12.675 Volllaststunden erreichte der Windpark in den drei Betriebsjahren von 2011 bis 2013. In diesen drei Jahren beläuft sich der Ertrag auf durchschnittlich 253,34 Gigawattstunden pro Jahr und übertrifft damit die Ertragsprognosen um rund zehn  Prozent.

2013 blieb alpha ventus erstmals unter den Erwartungen

Allerdings war das vergangene Jahr das bisher schwächste für den Windpark. Nur 224,6 Gigawattstunden an Strom speiste alpha ventus in das öffentliche Stromnetz ein und unterschritt damit erstmals die Prognose für den durchschnittlichen Jahresertrag um 3,3 Prozent. Die vier windschwachen Monate Februar, April, Mai und Juli 2013 sowie technisch bedingte Stillstände einzelner Anlagen konnten auch durch die besonders windreichen Monate Oktober und Dezember im Jahresmittel nicht ausgeglichen werden. Xaver war zwar stark, aber nicht stark genug, um gleich gegen vier Flaute-Monate anzupusten.

Alpha ventus ist ein gemeinsames Pionierprojekt der Energieversorgungsunternehmen EWE, E.ON und Vattenfall. Im Juni 2006 gründeten die drei Energieversorger das Betreiberkonsortium „Deutsche Offshore-Testfeld und Infrastruktur GmbH & Co. KG“, der sie das schöne Kürzel DOTI verliehen. EWE ist mit 47,5 Prozent, E.ON und Vattenfall sind mit jeweils 26,25 Prozent an der DOTI beteiligt. 250 Millionen Euro investierten die drei Energieversorger in den Pionier-Windpark. Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert alpha ventus mit 30 Millionen Euro.

Rotoren auf einer Fläche von vier Quadratmetern

Vier Reihen mit jeweils drei Windenergieanlagen wurden in einer gitterähnlichen Formation mit einem Abstand von jeweils 800 Meter in einer Wassertiefe von rund 30 Meter postiert. Sie bilden so ein Rechteck, dass eine Gesamtfläche von vier Quadratkilometern umfasst. Die Nennleistung dieses Rechtecks beträgt 60 Megawatt. Alpha ventus liegt auf offener See 60 Kilometer von der Küste entfernt gut 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit dort draußen auf hoher See beträgt zehn Meter pro Sekunde, das entspricht Windstärke 5.

Transport der unteren Turmsegmente S3 per Schiff MEGA MOTTI zur Ausruestung bei Multibrid in Bremerhaven, Ambau, Bremen, Juni 2008
Á

Ein unteres Turmsegment für den Offshore-Windpark alpha ventus. 

Foto: Stiftung Offshore Windenergie/DOTI/2008

Alpha ventus ist als Pionier-Offshore-Windpark auch ein Wegbereiter für viele andere Offshore-Projekte. So wurden nach der aktuellsten Erhebung der Deutschen Windguard, ein Consulting-Unternehmen in der deutschen Windenergieindustrie, im vergangenen Jahr 48 Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) mit einer Leistung von 240 Megawatt neu an das Netz angeschlossen. 41 davon wurden in 2013 neu errichtet. In Deutschland speisten somit zum 31. Dezember 2013 116 OWEA in Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von 520,3 Megawatt Strom in das öffentliche Netz ein.

Netzausbau hinkt hinterher

Weitere 103 OWEA mit einer Leistung von 394,6 Megawatt in drei Windparks sind im vergangenen Jahr vollständig errichtet worden, bislang aber noch ohne Netzanschluss. An weiteren 266 OWEA-Standorten wurden im Jahr 2013 Fundamente oder Teilanlagen errichtet. Somit standen zum Stichtag 31. Dezember 2013 insgesamt 282 Fundamente und Teilanlagen zum weiteren Ausbau bereit. Die Gesamtleistung der zum Ende 2013 im Bau befindlichen bzw. nicht ans Netz angeschlossenen Offshore-Windparks beträgt 2.432,4 Megawatt.

In Sachen Offshore-Windparks hat die Nordsee ziemlich eindeutig die Nase vorn. Waren in der Ostsee bis zum 31. Dezember 2013 22 OWEA mit einer Leistung von 50,8 Megawatt am Netz, so rotierten in der Nordsee 94 Windmühlen und speisten 469,5 Megawatt Strom in das öffentliche Netz ein. Beim Zubau neuer Anlagen verzeichnet die Ostsee eine glatte Null.

Großbritannien ist die treibende Kraft in Europas Windbranche

Deutschland bleibt aber weit hinter der treibenden Kraft in Europas Windbranche Großbritannien zurück. 733 Megawatt neu installierter Offshore-Windkapazität haben die Briten im letzten Jahr dazu gebaut. Deutschlands Windbranche hat mit den Reformplänen der Bundesregierung zu kämpfen, die unter anderem eine Absenkung der Offshore-Anfangsvergütung planen. Allerdings ist die geplante Absenkung ziemlich moderat. Sie sinkt von derzeit 19 Cent je Kilowattstunde um jeweils einen Cent auf 18 Cent in 2018 und 17 Cent in 2019.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden