22.03.2013, 20:59 Uhr | 0 |

Energie Energiewirtschaft lässt ihr Innovationspotenzial brachliegen

Energiewende braucht Innovationen, das betonen Politiker und Branchenvertreter immer wieder. Da gibt es positive Signale, heißt es dazu vom neuen Energiebarometer, das der VDI am heutigen Freitag erstmals vorstellt. Wermutstropfen kommen von anderer Seite. Die klassische Energiewirtschaft ist bislang zu träge, um ihr Innovationspotenzial wirklich zu heben, so eine Studie von Arthur D. Little.

Die Marktforscher des Beratungsunternehmens Arthur D. Little sehen die klassische Energiewirtschaft in der Klemme: In einem aktuell erhobenen internationalen Branchenvergleich zur Innovationsfähigkeit schneidet der Sektor Energy & Utilities ziemlich schlecht ab.

So ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern aus jenen Produkten oder Dienstleistungen, die in den letzten drei Jahren auf den Markt gebracht wurden, bei den Strom- und Gasversorgern und deren Zulieferern weltweit stark gesunken: von 26 % im Jahr 2010 auf 17 % in 2012. "Entweder haben Energieunternehmen in diesem Zeitraum in Sachen Innovationsleistung erheblich nachgelassen … oder die neuen Produkte sind nicht erfolgreich genug, um hohe Ebits zu erwirtschaften", so die Studie.

Am Potenzial der Branche liege es nicht, stellt Michael Haischer klar, Direktor von Arthur D. Little in Frankfurt/Main. "Auf der Ebene der F&E für Technologie haben viele Energieversorger sehr gute Kompetenzen und auch eine gute Verankerung des Innovationsmanagements. Es hapert oft aber an der Umsetzung und dem ‚Go-to-Market‘."

Das sieht auch Heinz-Josef Bontrup, Ökonom am Westfälischen Energieinstitut in Gelsenkirchen, so: "Was die Ingenieurskunst und Innovationsleistung angeht, da sind wir in der Energiewirtschaft in Deutschland sehr gut und innovativ aufgestellt, aber wir schaffen es nicht, die Produkte zu auskömmlichen Preisen in den Markt zu bringen." Über die klassische Energiewirtschaft urteilt er hart: "Was man ihnen vorwerfen muss, ist, dass die großen deutschen Energieversorger weit überproportionale Gewinne machen und diese nicht nutzen, um wirklich innovativ zu sein." Vielmehr hätten bisher die Vorstände unter dem Primat der Gewinnmaximierung für die Aktionäre in erster Linie Stellen abgebaut und international expandiert.

Wolle man wirklich innovieren, so Bontrup, dann müsse man "den Ingenieuren auch die lange Leine geben und vielleicht mal über Dinge nachdenken, über die man in der Vergangenheit noch nicht nachgedacht hat". Und dies, ohne dass sich das schnell in barer Münze auszahle.

Noch hat die Energiewirtschaft also ihr Innovationspotenzial nicht gehoben, doch der Druck wächst, denn die Gewinne der Konzerne sinken, die Branche braucht jetzt Tempo. "Die Energieversorger sollten verstärkt Experten und Manager aus sehr innovationsgetriebenen Branchen wie der Telekommunikation rekrutieren, die diesen Wandel von einem sehr stabilen und langfristigen zum stärker innovationsgetriebenen Geschäft schon bewältigt haben", rät Arthur-D.-Little-Direktor Haischer.

Ein Blick auf Deutschland zeigt, dass Ingenieure, die in der Energiebranche arbeiten, die Innovationsaktivitäten des eigenen Unternehmens im Durchschnitt mindestens als "konstant" einschätzen. Geothermie und Solartechnik weisen die höchste Innovationskraft auf, geht aus dem "Energiebarometer" hervor, das der VDI am heutigen Freitag veröffentlicht. Weitere Bereiche mit hoher Innovationstätigkeit sind demnach u. a. Windenergie, Energiemanagement, Energieverfahrenstechnik und die Kraftwerkstechnik im Braunkohlesektor. "Insgesamt zeigt sich eine sehr positive Bewertung des Energiesektors", kommentiert Hermann-Josef Wagner, Vorsitzender der Gesellschaft für Energietechnik und Umwelt im VDI, die Ergebnisse.

Bei aller Innovationskraft droht der Energiewende jedoch das Geld auszugehen, denn der 2011 von der Bundesregierung aufgelegte Energie- und Klimafonds soll ab diesem Jahr einzig durch die Erlöse aus dem EU-Emissionshandel gedeckt werden.

Nach Agenturberichten weist dieser Fonds, aus dem auch das Energieforschungsprogramm mit mehr Mitteln ausgestattet werden soll, einen Fehlbetrag von 30 Mio. € pro Woche aus. Statt ursprünglich eingeplanter 17 €/t CO2 werden nämlich derzeit nur noch unter 4 €/t CO2 erlöst. swe

www.vdi.de/energiebarometer

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Von Stephan W. Eder
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