09.10.2013, 11:32 Uhr | 0 |

Nicht mehr rentabel Energiekonzerne wollen 26 Kraftwerke abschalten

Die Energiewende ist schon so erfolgreich, dass traditionelle Kraftwerke kaum noch ausgelastet sind. Gerade erst wird spekuliert, dass RWE seinen Tagebau Garzweiler II schon 2018 stilllegen will, da meldet die Bundesnetzagentur, dass ihr Anträge zum Einmotten von 26 Kohle- und Gaskraftwerken vorliegen.

RWE-Kraftwerk Niederaußem im Tagebau Garzweiler in NRW
Á

Ein riesiger Bagger vor der Kulisse des RWE-Kraftwerkes Niederaußem im Tagebau Garzweiler in NRW: Der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken lohnt sich kaum noch, weil die Strompreise durch das große Angebot von Wind- und Sonnenstrom so niedrig sind. Die Bundesregierung hat es versäumt eine Regelung zu beschließen, die auch das Vorhalten von Kapazitäten belohnt. Die Folge: Inzwischen liegen der Bundesnetzagentur Anträge zur Stilllegung von 26 Kraftwerken vor.

Foto: Oliver Berg/dpa

Es klingt völlig paradox: An vielen Tagen wird zu viel Strom produziert. Der Preisverfall aufgrund der hohen Produktion aus Wind und Sonne geht so weit, dass die großen Energiekonzerne beklagen, dass sich ihre Kohle- und Gaskraftwerke nicht mehr rentabel betreiben lassen. Das gilt offenbar auch schon für den Braunkohletagebau Garzweiler II, den RWE angeblich 2018 stilllegen will.

Das geht sogar soweit, dass das im Juni fertiggestellte, 350 Millionen Euro teure und  hoch effiziente Gaskraftwerk des norwegischen Statkraft-Konzerns noch immer nicht am Netz ist. Die Strompreise sind wegen des Überangebotes so niedrig, dass sich das Anfahren des nagelneuen Kraftwerkes nicht lohnt.

Und nun liegen der Bundesnetzagentur in Bonn Anträge zur Stilllegung von 26 weitere Kohle- und Gaskraftwerken in Deutschland vor. Durchweg lohnt sich der Betrieb nicht mehr, weil zum einen die Strompreise im Keller sind und zum anderen die Kraftwerke wegen des reichlich produzierten Wind- und Sonnenstroms nur noch zeitweise am Netz sind. Die Folge: Die Erträge sinken immer weiter.

Stilllegungsanträge für 26 Kraftwerksblöcke eingereicht

Jetzt rächt sich, dass es die Bundesregierung aus Union und FDP verpasst hat, im Rahmen der Energiewende eine Regelung für Kraftwerke festzulegen, die als Reserve gebraucht werden. Deshalb fordert die Industrie von der Bundesregierung, dass auch das Vorhalten von Kapazitäten finanziert wird.

Eine solche Regelung haben Union und FDP aber nicht zustande gebracht. Die Folge: In diesem Winter könnte es zur Stromknappheit kommen. Aber nicht, weil zu wenig Strom produziert wird, sondern Kraftwerke mangels Rendite vom Netz genommen werden. Denn die 26 Kraftwerke, die die Stromkonzerne abschalten wollen, entsprechen mit einer Gesamtleistung von 6735 Megawatt der Leistung von fünf Atomkraftwerken.

Und dabei nimmt das Tempo, Kraftwerke vom Netz zu nehmen, kräftig zu. Anfang September wollten die Konzerne „erst“ 19 Kraftwerke stilllegen. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass die Bundesnetzagentur die Abschaltungen komplett genehmigt.

Sie kann vielmehr anordnen, dass „systemrelevante“ Kraftwerke am Netz bleiben. Der Vorteil für die Energiekonzerne: Dann tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung die Mehrkosten und damit die Ausfälle der Energieunternehmen.

Forderung nach Preiserhöhung für CO2-Verschmutzungsrechte

Um Gaskraftwerke wieder rentabler zu machen, fordert Bundesumweltminister Peter Altmaier, den Preis für CO2-Verschmutzungsrechte im EU-Emissionshandel zu erhöhen. „Ein erhöhter CO2-Preis steigert die Produktionskosten fossiler Kraftwerke und führt so auch zu einem höheren Börsenpreis, von dem hocheffiziente und flexible Kraftwerke besonders profitieren“, heißt es in einem Entwurf aus dem Bundesumweltministerium. Allerdings hilft das nur den effizienten Gaskraftwerken. RWE mit seinen Großkraftwerken in NRW, die vor allem klimaschädigende Braunkohle verbrennen, bedeutet das noch schwierigere Marktbedingungen.

Anzeige
Von Axel Mörer-Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden