26.02.2015, 13:29 Uhr | 0 |

Milliarden einsparen durch Energieunion EU-Kommission will europäische Energiemärkte zusammenschweißen

Die EU-Kommission will 28 europäische Energiemärkte zu einer Einheit zusammenführen: Neue Strom- und Gasleitungen sollen die Versorgungssicherheit erhöhen und die Unabhängigkeit von Russland stärken. Das soll jedes Jahr Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe bringen. 

EU-Kommissar Miguel Arias Canete
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EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete hat Großes vor: Eine Energieunion soll den Energiemarkt Europas vereinheitlichen, zu niedrigeren Strompreisen führen und die Stabilität der Netze erhöhen.

Foto: Julien Warnand/dpa

„Europa verliert jährlich bis zu 40 Milliarden Euro, weil es keinen verflochtenen Energiemarkt hat“, so die mahnenden Worte von Miguel Arias Canete. Für den EU-Energiekommissar ein untragbarer Zustand. Doch er hat schon Abhilfe parat: das Konzept zur Energieunion, das er mit Rückendeckung des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker vergangenen Mittwoch in Brüssel vorstellte. Es sieht den Ausbau der Energieinfrastruktur in der EU für 200 Milliarden Euro bis 2020 vor. Bislang verfolgen die meisten Mitgliedsstaaten mit nationalen Netzen ihre eigene Energiepolitik.

Grenzüberschreitende Stromleitungen für 40 Milliarden Euro

Ein Schlüssel zur Energieunion liegt laut Canete in zusätzlichen grenzüberschreitenden Strom- und Gasleitungen zwischen den EU-Staaten. Mit ihnen sollen ein Austausch von etwa zehn Prozent der Produktion und eine bessere Verteilung überschüssigen Ökostroms möglich sein. Das soll vor allem Mitgliedstaaten zugutekommen, die bislang schlecht mit den Nachbarn verbunden sind. Dazu zählen Inselstaaten wie Großbritannien, Irland, Malta und Zypern, aber auch das Baltikum und die iberische Halbinsel mit Spanien und Portugal. Kostenpunkt allein für die zusätzlichen Stromleitungen: rund 40 Milliarden Euro. 

Gasversorgung: Energieunion soll Abhängigkeit von Russland verringern

Ein weiteres Hauptziel der Energieunion: die Verringerung der Abhängigkeit bei der Gasversorgung von Russland, dem derzeit wichtigsten Gaslieferanten der EU. Die Kommission plant, Allianzen mit anderen Ländern zu schließen – unter ihnen Norwegen, die USA, Algerien, aber auch das autoritär regierte Turkmenistan. „Wir möchten weiter die besten Beziehungen mit Russland unterhalten“, zitiert die Welt Canete. „Aber wir wollen unsere Gaslieferanten diversifizieren.“

Zwei weitere Maßnahmen für ein effizienteres Gasgeschäft: Beim Gastransport sollen verstärkt Schiffe zum Einsatz kommen. Das soll Versorgungsengpässe vermeiden, die durch den Streit um Pipelines entstehen. Zudem sollen die EU-Länder beim Gaseinkauf aus dem Ausland zukünftig als geschlossene Einheit auftreten, um einen stärkeren Eindruck zu vermitteln und Preise zu drücken. Ein Plan, den Herbert Reul, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, kritisch sieht: „Gemeinsames Auftreten gegenüber externen Lieferanten kann helfen, aber ich wehre mich gegen Zwangszusammenschlüsse, die marktwirtschaftlichen Grundsätzen und freiem Unternehmertum widersprechen.“

Greenpeace kritisiert Pläne der EU-Kommission

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert den geplanten Kurs der EU-Kommission: „Die Kommission sagt, dass sich die EU von den fossilen Brennstoffen wegbewegen sollte, aber sie will zugleich neuen Gasversorgern hinterher jagen und sortiert die Kohle nicht aus“, kritisierte Greenpeace gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn Europa das volle Potenzial von Energieeinsparungen und Erneuerbaren ausnutzen würde, wären viel höhere Einschnitte bei den Emissionen möglich“, ist die Organisation Friends of the Earth überzeugt.

Lob für die Energieunion kommt hingegen von der deutschen Wirtschaft: Die Energieunion bringe neuen Schwung in Europas Energiepolitik, lobt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Hauptgeschäftsführer Markus Kerber sagt in einem Bericht der Welt: „Dies ist überfällig. Energiewende und Versorgungssicherheit lassen sich nur europäisch meistern.“

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Von Patrick Schroeder
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