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18.09.2014, 10:35 Uhr | 0 |

Stillgelegte Kraftwerke DLR-Studie: Engpass bei Stromversorgung droht

Schon in vier Jahren kann es in Spitzenzeiten zu Problemen mit der Stromversorgung in Süddeutschland kommen. Nach einer Studie von DLR und Universität Stuttgart ist das die Folge der Tatsache, dass viele konventionelle Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und deshalb stillgelegt werden.

Stromversorgung: Schon 2018 könnte es nach einer neuen Studie zu Spitzenzeiten eng werden.
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Stromversorgung: Schon 2018 könnte es nach einer neuen Studie zu Spitzenzeiten eng werden. 

Foto: foltolia/Thorsten Schier

Unter ungünstigen Bedingungen könne ab dem Jahr 2018 die „gesicherte“, also in jedem Fall zur Verfügung stehende Kraftwerksleistung in Zeiten von Spitzennachfrage nicht mehr reichen, um den Strombedarf in Deutschland zu decken. In Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und dem südlichen Rheinland seien die Kapazitäten bereits zu gering, heißt es in der Untersuchung, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Uni Stuttgart im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg durchgeführt hat. Setze sich die negative Entwicklung fort, würden die Überkapazitäten in Norddeutschland dann schon nicht mehr genügen, um diese Defizite auszugleichen.

Hauptfaktoren für die negative Entwicklung dafür sind zwei, die erstmal positiv klingen: Erstens die weiter steigende Produktion aus Erneuerbaren Energien, die im ersten Halbjahr 2014 schon mehr als ein Viertel der deutschen Stromerzeugung erreicht hat. Zweitens die fallenden Preise an den europäischen Strombörsen. Beides könnte eine Freude für Verbraucher und Umweltschützer sein. Doch die Sache hat unerwünschte Nebenwirkungen.

Preise sind zu niedrig

Der hohe Anteil der staatlich geförderten Erneuerbaren lässt die Preise im Stromhandel sinken. Verstärkt wird der Preiseffekt dadurch, dass es europaweit Überkapazitäten gibt. Hinzu kommt, dass die Zertifikate für den Ausstoß von Kohlendioxid, wie es etwa bei der Verstromung von Braunkohle entsteht, zu billig zu haben sind. All das sorgt für niedrige Preise, und die machen vor allem Kohlekraftwerke unwirtschaftlich.

Deshalb registriere die Bundesnetzagentur immer mehr Anmeldungen für die Stilllegung von Kraftwerken, sagen die Autoren der Studie. Die Behörde führt eine Kapazitätenliste, nach der derzeit knapp 8000 Megawatt Leistung zur Stilllegung angemeldet sind. Sie hat allerdings nur begrenzten Aussagewert, weil die Abschaltung nicht unbedingt auch tatsächlich durchgeführt wird. Außerdem kann die Bundesnetzagentur die Stilllegung auch verweigern, wenn der Netzbetreiber nachweist, dass die Produktion „systemrelevant“ ist. Doch auch die Behörde sorgt sich um die Kapazitäten und kündigte im Frühjahr sogar an, dass erste staatliche Kraftwerk seit Bestehen der Bundesrepublik bauen zu lassen.

Pflicht zur Kaltreserve läuft aus

Die Autoren der Studie machen alles andere als Panik. Wörtlich heißt es: „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, kann es ab 2018 in Zeiten einer geringen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei gleichzeitig hohem Strombedarf zu kurzfristigen Unterversorgungen kommen.“ Dennoch mahnt Frieder Borggrefe vom DLR zum Handeln, denn die Studie zeige klar, dass „die Rahmenbedingungen für Kraftwerksinvestitionen angepasst werden müssen, damit die Stromversorgung in Deutschland stabil bleibt“.

Worin diese Anpassungen bestehen sollen, darüber verweigern die Wissenschaftler die Aussage. Dies müsse Aufgabe weiterer Untersuchungen sein. Vieles werde indes davon abhängen, ob die im Jahr 2017 auslaufende Verpflichtung der Netzbetreiber, eine so genannte Kaltreserve vorzuhalten, verlängert wird. In der Studie gingen die Forscher davon aus, dass das nicht geschieht.

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Von Werner Grosch
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