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12.04.2014, 11:49 Uhr | 0 |

4800 Megawatt Defizit Angst vor Stromlücken: Bund plant Bau des ersten staatlichen Kraftwerks

Die Bundesnetzagentur bereitet den Bau des ersten staatlichen Kraftwerks der Nachkriegszeit vor. Denn schon Ende nächsten Jahres soll es in Süddeutschland zu einer 4800 Megawatt großen Stromlücke kommen, weil immer mehr Kraftwerke vom Netz gehen. Beim geplanten Reservekraftwerk wird es sich wahrscheinlich um ein Gaskraftwerk handeln. 

Reaktorbecken des AKW Grafenrheinfeld in Unterfranken
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Tauchroboter Susi inspiziert während der jährlichen Revision im AKW Grafenrheinfeld in Unterfranken das geflutete Reaktorbecken. Im Mai 2015 soll AKW stillgelegt werden. 

Foto: dpa/David Ebener

Die Bundesnetzagentur, die für die Stromversorgung in Deutschland verantwortlich ist, geht davon aus, dass es schon Ende kommenden Jahres eine 4800 Megawatt große Stromlücke geben wird. Grund sei die anstehende Stilllegung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld im Mai 2015 und die fortschreitende Stilllegung konventioneller Kraftwerke. Die Bundesnetzagentur empfiehlt dem Bund daher den Bau eines Reservekraftwerks. Gebaut wird voraussichtlich ein Gaskraftwerk.

Zunächst will man die Lücke durch Anmietung von Reservekraftwerken überbrücken. Für den Winter 2015/16 ist ein umfangreicher Import französischen Stroms geplant. Da aber 2016/17 auch das Kernkraftwerk Grundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg in Bayern stillgelegt wird, dürfte nach Einschätzung der Bundesnetzagentur der Bau eines Reservekraftwerks zur Versorgung des süddeutschen Strommarktes unumgänglich werden. 

Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW stellen vermutlich Bauanträge 

Von vier Netzbetreibern werden nun Bauanträge erwartet. Dabei handelt es sich um die Unternehmen Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW. Die Bundesnetzagentur hat bereits mit den entsprechenden Vorarbeiten für das Vergabeverfahren des Bauauftrags begonnen. Damit nimmt der Staat erstmals in der Nachkriegszeit die Stromversorgung der Bevölkerung teilweise selbst in die Hand. 

Der Staat wird aber nicht Eigentümer des neuen Reservekraftwerks werden. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass entweder einer der angestammten Energiekonzerne oder einer der genannten vier Netzbetreiber das neue Kraftwerk im Auftrag des Staates betreibt und in Besitz nimmt. 

Die erstaunliche Eile, die die Bundesnetzagentur gegenwärtig bei ihrem Vorhaben an den Tag legt, hat damit zu tun, dass ein solcher Kraftwerksbau keineswegs über Nacht bewerkstelligt werden kann. Für die Fertigstellung vor dem Winter 2016/2017 sei es daher nun höchste Zeit, alle Vorbereitungen einzuleiten, kommentiert die Bundesnetzagentur diese Entwicklung. 

Rechtliche Voraussetzungen für Kraftwerkneubau sind bereits geschaffen

In Paragraph acht der Reservekraftwerksverordnung heißt es: „Soweit die Bundesnetzagentur einen Bedarf für die Beschaffung einer neuen Anlage bestätigt, ist der betroffene Übertragungsnetzbetreiber berechtigt und im Rahmen der Möglichkeiten verpflichtet, neue Anlagen für die Netzreserve im entsprechenden Umfang zu beschaffen.“ Der Kraftwerksneubau würde laut dieser Verordnung als besonderes netztechnisches Betriebsmittel errichtet und betrieben. Wird eine solche Anlage nach der Netzentgeltverordnung betrieben und vergütet, so wäre sie deutlich lukrativer als es gegenwärtig viele ältere Kraftwerke sind, die frei am Markt tätig sind.

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Von Peter Odrich
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