10.02.2017, 08:29 Uhr | 0 |

Zwei Plattenteller Dieser Plattenspieler dreht sich selbst und nicht die Platte

Hipp, hipp, hurra: Gratulation an Love Turntable. Innerhalb von zehn Tagen hat das Start-up aus Los Angeles auf Kickstarter mehr als acht Mal so viel Geld eingesammelt, wie es für die Produktion seines ungewöhnlichen Plattenspielers benötigt. Love lässt die Vinyl-Welt Kopf stehen: Das Gerät sieht weder aus wie ein Plattenspieler, noch dreht es die Tonträger. Es dreht sich selbst. 

Für viele Liebhaber der guten alten Schallplatte muss es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Wie sonst wären vom 1. bis zum 9. Februar bereits mehr als 400.000 US-Dollar statt der anvisierten 50.000 US-Dollar zusammengekommen. Und die Kampagne läuft noch bis zum 8. März.

Dabei sieht Love auf den ersten Blick eher aus wie eine überdimensionierte Reinigungsbürste fürs Vinyl. Oder ein schnurloses Telefon. Auch mit einem Handstaubsauger wurde das Design schon verglichen. Doch was heißt das schon. Dafür passt das Abspielgerät bequem ins Regal oder auf den Schreibtisch. Und kann auch prima mit zu Freunden genommen werden. Noch dazu ist Love smart und sieht einfach cool aus, wenn sich „Liebe“ über die Rillen der Platten dreht.

Klassische Plattennadel

Liegt die Musikscheibe auf der untertassengroßen Basisstation, scannt der als erster intelligenter Plattenspieler beworbene Love die Schallplattengröße und die Zahl der Songs in der Rille. Zum Abspielen wird ganz klassisch eine feine Plattennadel benutzt. „Sie hat sich über Jahrzehnte bewährt und kann nicht durch eine digitale Technik ersetzt werden“, erklärt der Chef der Firma Love Turntable, C.H. Pinhas im Produktvideo auf Kickstarter.

Und verspricht beste Tonqualität. Dafür wird Love auf den mittigen Pin des Plattentellers aufgesetzt – ohne die darauf ruhende Schallplatte zu berühren. Dann dreht sich Love sanft und die unterhalb an einem dünnen Draht befestigte Nadel fährt entlang der Rillen. 

Über Bluetooth und WLAN lässt sich das Gerät mit gängigen mobilen Lautsprechern verbinden. Zudem kann auch über Multiroom-Anlagen gestreamt werden. Gesteuert wird das Abspielen mit der App Love über das Smartphone. Auf dem Handy erscheinen dabei auch Infos zu den Titeln sowie das Plattencover. Und es soll sogar möglich sein, Tracks zu überspringen oder zu wiederholen.

Integrierter Akku reicht für 15 Schallplatten

Der Musikgenuss währt nicht ewig, aber der im Plattenspieler integrierte Akku soll immerhin für das Abspielen von 15 Schallplatten reichen. Aufgeladen wird per USB-Kabel. Wie lange das dauert, wird vom Hersteller nicht angegeben.

Zwei Jahre lang hat das Team um Firmengründer C.H. Pinhas, der aus der Elektronikbranche kommt , an dem Gerät gearbeitet. Das Design stammt von Yves Béhar. Der in den USA lebende Schweizer gilt als einer der führenden Industriedesigner.

Auslieferung ab Herbst

Ab Oktober 2017 soll der Plattenspieler an die Unterstützer ausgeliefert werden. Spätere Kunden werden 599 US-Dollar für ihre Technik-Liebe ausgeben müssen. Zum Lieferumfang zählen zwei Plattenteller. So kann die nächste Schallplatte schon einmal fürs Abspielen vorbereitet werden. Oder eine Basisstation wird für LPs und die andere für Singles benutzt. Die Zahl der Umdrehungen (33,45 bzw. 78 pro Minute) kann jeweils über die App eingestellt werden.

Weitere ungewöhnliche Erfindungen

Ebenfalls ein Riesenerfolg auf Kickstarter war der Schallplattenspieler Floating Record von Gramovox aus Chicago. Das Besondere: Er spielt Vinyl in der Senkrechten ab.

Einen Plattenspieler, bei dem der Teller in der Luft schwebt, bringt das Start-up MAG-LEV Audio demnächst auf den Markt. Vorbestellt werden kann er schon.

Auf eine völlig verrückte Idee sind Forscher der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin gekommen: Sie gossen eine Schallplatte aus Beton.

Dieses Beispiel soll allerdings keine Schule machen, sondern dient dazu, die filigranen Eigenschaften des schnöden Werkstoffs nach Vorne zu stellen.

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Von Martina Kefer
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