25.03.2014, 10:20 Uhr | 0 |

UNTERHALTUNGSELEKTRONIK seit 1923 Deutscher Retter für Loewe gefunden: Stargate Capital

Loewe, einer der letzten deutschen Hersteller von Unterhaltungselektronik, scheint gerettet. Nach monatelangem Zittern und dem Absprung eines vermeintlichen Retters hat sich die Münchner Investmentgesellschaft Stargate Capital bereiterklärt, das angeschlagene Unternehmen zu übernehmen. 

LOEWE Elektronik
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Die Münchner Investmentgesellschaft Stargate Capital will Loewe, einen der letzten deutschen Hersteller von Unterhaltungselektronik, übernehmen und aus der Krise führen.

Foto: Screenshot ingenieur.de/Loewe

Es soll sogar einen Kaufpreis gegeben haben, der aber geheim gehalten wird. Die Frage ist, ob Loewe mehr kann als Design. 

Loewe, 1923 in Berlin gegründet und heute in Kronach beheimatet, baut extravagante Fernseher, die entsprechend teuer sind. Um sich von anderen abzuheben sind es keine schlichten TV-Geräte, sondern „Smart Home Entertainment“-Anlagen, die „beste Technik“ bieten. Das ist richtig. Die Verzahnung von Fernsehen und Internet ist perfekt gelungen. Mit eigenen Apps lassen sich Dienste auf den Monitor holen, die Mehrwert bieten. Doch wirklich abheben können sich die Geräte nicht, jedenfalls nicht, was die Technik angeht. WLAN können auch die anderen. Vor allem die südkoreanischen Unternehmen Samsung und LG setzten den Deutschen schwer zu.

Tatsächlich kann das Kronacher Unternehmen sich derzeit nur durch ungewöhnliches Design von der Konkurrenz abheben. Was das Loewe-Marketing wohl selbst so sieht. „Wählen Sie aus charakterstarken Farben und unterstreichen Sie Ihren individuellen Geschmack“, heißt es in einer Image-Broschüre.

Eher Monteur statt Hersteller

Investor Stargate Capital hat sich bereit erklärt, 430 der 525 Mitarbeiter zu behalten. Die 95, die spätestens im Oktober gehen müssen, sind vor allem in der Produktion beschäftigt. Das könnte ein Hinweis auf den kommenden Kurs des Unternehmens sein: Zukauf von immer mehr Baugruppen, die nur noch montiert werden müssen. Schon heute ist Loewe eher ein Gerätemonteur als ein Hersteller. „Loewe kann nun endlich neu durchstarten“, sagte Vorstandschef Matthias Harsch dem Berliner „Tagesspiegel“. Allein mit Design wird es allerdings nicht gehen.

Hinter dem aktuellen Retter Stargate Capital stecken Boris Levin und Mark Husges. Sie investieren in kränkelnde mittelständische Unternehmen und päppeln sie auf, bis sie neue Investoren finden. Beissbarth etwa, ein Unternehmen, das vor allem Spezialgeräte für Autowerkstätten entwickelt und drei Jahre von Stargate Capital finanziert und betreut wurde, fand mit Bosch nach rund drei Jahren einen neuen Investor. Loewe ist insgesamt das vierte Unternehmen, das die Münchner sanieren wollen.

Loewe hofft nun, dass der neue Investor mehr Geduld hat als vorherige Investoren. Erst im Januar hatte die Investorengruppe Panthera den angeschlagenen Hersteller übernehmen wollen, aber kurze Zeit später doch das Handtuch geworfen. Große Hoffnungen hatte ausgelöst, dass auch frühere Manager des Hifi-Unternehmens Bang & Olufsen und der frühere Apple-Europachef Jan Gesmar-Larsen hinter der Übernahme stehen sollten. 

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Von Wolfgang Kempkens
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