Prognose für 2013 Chemieindustrie erwartet positive Impulse aus den USA
Vor allem auf schwachen Export ins europäische Ausland ist es zurückzuführen, dass 2012 die Produktion chemischer Erzeugnisse in Deutschland um 3 % zurückging. Und auch das Inlandsgeschäft war rückläufig. Dennoch gelang es der Branche, insgesamt eine positive Exportbilanz zu erzielen und Arbeitsplätze aufzubauen.
Chemieindustrie: Der Import chemischer Erzeugnisse nach Deutschland ließ 2012 nach.
Quelle: Fotolia
Bildquelle: Fotolia"Unsere industriellen Kunden haben ihre Produktion gedrosselt und Lagerbestände abgebaut, und auch das hat natürlich wiederum mit dem schwachen Export dieser industriellen Kunden nach Europa zu tun", erläuterte Karl-Ludwig Kley, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), vergangene Woche in Frankfurt. Nur aus dem außereuropäischen Ausland seien positive Impulse gekommen, die so stark waren, dass 2012 die Exporte insgesamt um 5 % auf 161 Mrd. € zugenommen haben.
Den Exporten nach Übersee, so Kley, habe es die deutsche Chemieindustrie letztlich zu verdanken, dass ihre Anlagen mit 83 % noch ziemlich gut ausgelastet waren und die Unternehmen der Branche teilweise recht ordentliche wirtschaftliche Ergebnisse erzielen konnten.
Chemieindustrie mit rückläufigen Produktionsziffern in 2012
Rückläufige Produktionsziffern waren allerdings in fast allen Bereichen der chemischen Industrie festzustellen. "Nur die anorganischen Grundstoffe hatten ein leichtes Plus von 0,5 %", schränkte Kley für diese Produktsparte ein. Die Polymerproduktion sei um 5 % gesunken, die Herstellung von Petrochemikalien um 4,5 %, und bei Fein- und Spezialchemikalien stehe unterm Strich ein Produktionsrückgang von 2,5 %.
Bei konsumnahen Chemikalien habe man das Produktionsniveau des Vorjahres um 2,0 % unterschritten, erklärte der VCI-Präsident. Selbst im Pharmageschäft, das wegen Preiskontrollen und anderen staatlichen Eingriffen einer eigenen Dynamik unterliege, befinde sich die Produktion 3 % unter dem Niveau von 2011.
Die Preise sind im ersten Halbjahr 2012 aufgrund der gestiegenen Rohstoffkosten um 2,7 % erhöht worden. "Im zweiten Halbjahr kam es dann zu einer Entspannung auf den Rohstoffmärkten", berichtete Kley. Wegen der Euro-Schwäche habe das jedoch praktisch nicht zu einer Kostenentlastung für die Chemieunternehmen geführt. Da aber nahezu alle Sparten Preiszuwächse verbuchen konnten, seien die chemisch-pharmazeutischen Produkte auf Jahressicht 2,5 % teurer gewesen als 2011. Lediglich die Preise für Arzneimittel lägen niedriger. Dank der Preissteigerungen und trotz des Produktionsrückgangs hätte der Gesamtumsatz der deutschen chemischen Industrie mit 184 Mrd. € in etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden können.
Chemieindustrie trägt dennoch deutlich zum Exportüberschuss bei
Parallel zum Produktionsrückgang in Deutschland ließ 2012 auch der Import chemischer Erzeugnisse nach. Deren Einfuhr lag mit 114 Mrd. € wertmäßig nur 2 % höher als im Jahr 2011, das noch einen Anstieg von 7 % gegenüber 2010 verzeichnen konnte. Dies hatte Auswirkungen auf die Bilanz des Chemieaußenhandels, der für die deutschen Unternehmen erneut positiv blieb.
Kley stellte fest: "Mit 47 Mrd. € hat die Chemie wieder einmal deutlich zum Exportüberschuss unseres Landes beigetragen." Auch in Bezug auf die Arbeitsmarktsituation wurde von den Chemieunternehmen Positives geleistet, denn ungeachtet der Konjunktureintrübung haben sie 2012 Beschäftigung aufgebaut.
Die um 2 % gestiegene Zahl der Arbeitsplätze in seiner Branche wertet der VCI-Präsident als gutes Zeichen: "Der Beschäftigungszuwachs ist ein Beleg dafür, dass die Chemieunternehmen grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft blicken." Nun seien 437 000 Mitarbeiter in der deutschen Chemie tätig.
Allerdings geht Kley davon aus, dass im kommenden Jahr kein zusätzlicher Beschäftigungsaufbau stattfinden wird. Denn die Hoffnungen auf einen spürbaren Aufschwung habe man doch erst einmal in die weitere Zukunft verschoben, nachdem die Dynamik der deutschen Chemiekonjunktur im Verlauf des Jahres 2012 nach einem guten Start abgenommen hatte. Dennoch gebe es keinen Grund für übertriebenen Pessimismus. Denn Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession steuere, seien nicht zu sehen. Dafür würden die Exporterfolge sorgen.
Chemieindustrie erwartet positive Impulse durch Nachfrage aus Übersee
Auch 2013 verspricht das Europageschäft für die Chemie wenig Schwung. Denn darunter, dass sich in der deutschen Industriekonjunktur insbesondere die nachlassende Nachfrage aus Europa immer stärker bemerkbar macht, leiden natürlich auch die inländischen Kunden der deutschen Chemieunternehmen. "Entsprechend wird das Deutschlandgeschäft der Chemie nicht wachsen", befürchtet Kley.
Von der Nachfrage aus Übersee erwartet der Verbandschef dagegen wiederum positive Impulse, auch wenn die Konjunktur außerhalb Europas ebenfalls an Zugkraft verlieren werde. In den USA bleibe 2013 der Aufwärtstrend intakt – freilich ohne Dynamik, weil die Nachfrageschwankungen in der Bauwirtschaft anhalten würden. In Asien und Südamerika schwäche sich das Wachstum zwar ab, aber da die Schwellenländer insgesamt trotz verschiedener Dämpfer immer noch eine hohe Dynamik aufwiesen, bleibe das Exportgeschäft der Wachstumstreiber der deutschen Chemie.






Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Bitte loggen Sie sich ein, um den ersten Beitrag zu verfassen.