05.08.2014, 11:56 Uhr | 0 |

Rücktritt nach 3 Jahren Roland Koch räumt seinen Chefposten beim Baukonzern Bilfinger

Drei Jahre lang hat sich Roland Koch auf dem Chefposten von Bilfinger gehalten. Jetzt muss der ehemalige hessische Ministerpräsident sein Scheitern beim zweitgrößten Baukonzern Deutschlands eingestehen. Nach Unstimmigkeiten mit dem Aufsichtsrat und zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit räumt Koch den Vorstandsvorsitz. 

Bilfinger-Vorstandschef Roland Koch steuert einen Bagger
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Der bisherige Chef des Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, am Steuer eines Baggers: Drei Jahre lang hielt sich Koch an der Spitze des Konzerns. Jetzt, nach zwei Gewinnwarnungen, muss er gehen.

Foto: dpa/Boris Roessler

So hatte Roland Koch sich seinen Wechsel von der Politik in die Wirtschaft vermutlich nicht vorgestellt. 2010 war der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker vom Amt des hessischen Ministerpräsidenten zurückgetreten. Ein Jahr später trat Koch als Quereinsteiger sein neues Amt als Vorstandsvorsitzender des Industriedienstleisters Bilfinger in Mannheim an. Jetzt, drei Jahre später, räumt Koch diesen Posten vorzeitig. Sein Vertrag läuft noch bis 2016.

Kochs Managementkurs war umstritten

Als aktuellen Grund für seinen Rücktritt nennt Koch in einer Erklärung „zwei kurz aufeinanderfolgende Gewinnwarnungen, für die ich als Vorstandsvorsitzender einstehe“. Erst im Juni hatte Bilfinger seine Prognose für das Geschäftsjahr 2014 gesenkt.

Diese Gewinnwarnung wurde nun nochmals um 25 Millionen Euro erhöht. Der Konzern erwarte ein Ergebnis zwischen 205 und 220 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemeldung des Unternehmens.

Die reduzierte Ergebniserwartung sei unter anderem durch „einen erst jetzt bekannt gewordenen Projektverlust in Südafrika“ entstanden. Jetzt soll Koch schon ab dem 8. August vom Aufsichtsrat Herbert Bodner ersetzt werden. Bodner wird zunächst bis Ende Mai 2015 den Vorstandsvorsitz übernehmen, zumindest aber solange, bis ein Nachfolger für Koch gefunden worden ist.

Schwierig war es für den 56-jährigen Roland Koch bei Bilfinger von Anfang an. Das Traditionsunternehmen mit weltweit 70.000 Mitarbeitern wollte sich von einem Baukonzern – dem ursprünglichen Kerngeschäft – hin zu einem Dienstleister für Kraftwerke, Industrieanlagen und Immobilien entwickeln.

Diesen Richtungswechsel hatte bereits Kochs Vorgänger Herbert Bodner, der nun auch sein Nachfolger wird, eingeleitet. Kochs Managementkurs geriet allerdings zunehmend in die Kritik.

Koch wollte 1250 Stellen in der Verwaltung abbauen

Der Betrieb von Kraftwerken lief nicht wie gewünscht, was nach Kochs Einschätzung auf fehlende Investitionen im Zuge der Energiewende zurückzuführen war. Besonders stark war die Fertigung von Hochdruckrohrleitungen betroffen, mit deren Bau Bilfinger zuletzt rund 400 Millionen Euro umgesetzt hatte.

Im Herbst 2013 verkündete der ehemalige Politiker dann einen Sparkurs mit erheblichen Stellenstreichungen in der Verwaltung. Der Konzern solle verschlankt und 1250 Stellen innerhalb von zwei Jahren abgebaut werden. Damit wollte Koch jährlich 80 bis 90 Millionen Euro ab 2015 sparen.

Koch aber hatte darüber hinaus noch weitere Pläne für einen Konzernumbau. Die Aufteilung in Teilkonzerne durch etliche Zukäufe von Firmen wollte Koch zugunsten einer engeren Verzahnung der Geschäftsbereiche und einer Zentralisierung der Verwaltung korrigieren. Für seine weitreichende Strategie aber hatte Koch nicht die Rückendeckung von allen Vorstandsmitgliedern.

Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bilfinger Berger SE, Herbert Bodner (l), steht Roland Koch am Dienstag (31.05.2011) auf der Hauptversammlung des Bauunternehmens in Mannheim. Foto: Boris Roessler dpa (zu dpa: "Bilfinger-Chef Koch muss frühzeitig gehen - erneute Gewinnwarnung" vom 04.08.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Herbert Bodner, bis 2011 Vorstandschef von Bilfinger, übernimmt nach dem Rücktritt von Roland Koch übergangsweise wieder die Führung des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger.

Foto: dpa

Zwei langjährige Vorstände, Thomas Töpfer und Klaus Raps, verließen Bilfinger. Hinzu kam deutliche Kritik von Gewerkschaftsseite, die dem Quereinsteiger Koch gravierende Managementfehler vorhielten.

Offenbar Probleme im Aufsichtsrat wegen Kochs Strategie

Nun beeilt sich Bernhard Walter, der Aufsichtsratsvorsitzende von Bilfinger, Roland Koch für die Arbeit der letzten drei Jahre ausdrücklich zu danken. „Die Integration zum Engineering- und Servicekonzern Bilfinger hat unter Roland Kochs Führung große Fortschritte gemacht. Alle wesentlichen strategischen Entscheidungen, auch die großen organisatorischen Veränderungen im Rahmen des Excellence-Programms sind auf die geschlossene Zustimmung des Aufsichtsrates gestoßen. An diesen Entscheidungen wird festgehalten“, schreibt Walter in einer Pressemitteilung.

In derselben Mitteilung erklärt Koch allerdings, warum er hoffe, mit seinem Rücktrittsangebot eine „schnelle Normalisierung“ herbeiführen zu können: „Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil ich feststellen musste, dass wesentliche Teile des Aufsichtsrats und ich bei der Beurteilung der unmittelbaren nächsten notwendigen Maßnahmen nicht ausreichend übereinstimmen.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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