16.05.2014, 01:25 Uhr | 0 |

Fußball-WM in Brasilien Hamburger Star-Architekten schufen drei Fußball-Tempel in Brasilien

Der 12. Juni rückt näher und damit der Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Die FIFA gibt der WM den Stempel der nachhaltigen Spiele. Drei der zwölf Stadien hat ein renommiertes Hamburger Architekturbüro gebaut: Gerkan, Marg und Partner, kurz gmp.

Das Stadion von Manaus in der Dämmerung
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Der Entwurf des Stadions von Manaus ist von der tropischen Umgebung inspiriert und sieht als Dach und Fassade eine Metallkonstruktion vor, die einem typischen Strohkorb der Region nachempfunden ist.

Foto: gmp architekten

Das renommierte Hamburger Architektenbüro gmp, was für Gerkan, Marg und Partner steht, haben drei der zwölf Fußballstadien in Brasilien gebaut. Das größte ist das Estádio Nacional Brasilia, das Nationalstadion Brasiliens, gelegen in Brasilia, der brasilianischen Hauptstadt. Die Stadt wurde ab 1956 innerhalb von drei Jahren in einem heroischen Kraftakt erbaut und von Stadtplaner Lucio Costa und dem Architekten Oscar Niemeyer entworfen und gestaltet. Brasilia ist die einzige Stadtneugründung des 20. Jahrhunderts, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Eingebettet in diesen besonderen geschichtlichen Kontext erarbeitete der Architekt Volkwin Marg den Entwurf des neuen Nationalstadions Brasiliens.

Neues Nationalstadion in Brasilia ist das zweitgrößte WM-Stadion in Brasilien

Der Stadionneubau erfolgte auf den Überresten des alten, im Jahre 1974 von Ìcaro Castro Mello fertiggestellten Stadion Mané Garrincha. Ganz traditionsbewusst versieht nun dessen Sohn Eduardo Castro Mello das Gebäude mit einem neuen Unterrang und komplettiert das bisherige Oberrangfragment. Dieses neue Nationalstadion wird das zweitgrößte der Fußball-WM und mit rund 72.800 Sitzplätzen wohl eine spektakuläre Kulisse für das Spiel um Platz drei am Samstag, den 12. Juli bieten.

Das Nationalstadion ist das größte und öffentlichste Gebäude der Stadt und liegt direkt an der Zentralen Achse der städtebaulichen Grundfigur Brasilias. Um der Idee einer nachhaltigen Weltmeisterschaft gerecht zu werden, haben die Architekten großen Wert auf die Kohlendioxid-Neutralität, auf das Recycling und auf eine hervorragende Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gelegt. So werden in unterirdischen Tanks bis zu 7,5 Millionen Liter Regenwasser gesammelt, um damit den Rasen zu bewässern. Auf dem Dach des Mané Garrincha wurden fast 10.000 Solarzellen installiert, die eine Leistung von 2,5 Megawatt liefern.

Stadion kann wetterunabhängig genutzt werden

Die Stadionschüssel wurde mit einer kreisrunden Esplanade umgeben. Auf deren Stützenwald ruht das Dach. Das wesentliche Baumaterial bei dieser archetypischen Gestaltung ist, ganz im Verständnis der brasilianischen Baukultur, Beton. Das Dach selber ist in idealer Kreisgeometrie als Hängedach konzipiert. Das Innendach ist verfahrbar konzipiert und ermöglicht so eine wetterunabhängige Nutzung des Nationalstadions.

Stadion in Belo Horizonte: Der Große und der Kleine Minenarbeiter

Der zweite von den Hamburger Architekten gebaute Fußballtempel ist das Estádio Mineirão in Belo Horizonte. Die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, was mit Allgemeine Minen zu übersetzen ist, ist die drittgrößte Stadt Brasiliens. Belo Horizonte ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum Brasiliens mit dem Schwerpunkt Eisenerz-, Metall- und Textilindustrie und ist eine traditionsreiche brasilianische Bergbaustadt. Das Estádio Gevornador Magalhães Pinto wird im Volksmund liebevoll Mineirão genannt, was Großer Minenarbeiter heißt. Die benachbarte Multifunktionshalle nennen die Menschen „Mineirinho“, was Kleiner Minenarbeiter bedeutet.

Das Stadion Mineirão wurde zwischen 1963 und 1965 nach Entwürfen von Eduardo Mendes Guimarães Júnior und Caspar Garreto gebaut. Es steht mit seiner plastischen, durch expressive Betonschotten gegliederten Fassade unter Denkmalschutz. Es galt, den Charakter der Betonkonstruktion zu bewahren. Der bestehende für Stehplätze ausgelegte Unterrang wurde ersetzt. Damit ist die Gesamtkapazität des Großen Minenarbeiters auf nahezu 70.000 Sitzplätze erweitert worden.

Die neue Tribünenüberdachung setzt als ultraleichte Ringseilkonstruktion unterhalb der erhaltenen Teilüberdachung des Oberrangs an. Der umlaufende äußere Druckring sowie die zu dessen Lastabtragung erforderlichen neuen Stützen werden als eigenständiges System in den Bestand implementiert und folgen präzise dem Rhythmus der historischen Tragstruktur. So bleibt die charakteristische denkmalgeschützte Außenwirkung der eindrucksvollen Betonkonstruktion ohne Beeinträchtigung erhalten.

Im Rahmen des sensiblen Umbauprojektes des denkmalgeschützten Stadions wurde das Spielfeld abgesenkt, die Stadionanbindung wurde optimiert. Auch in der Bergarbeiterstadt steht das Prinzip der Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda. So können im Stadion Mineirão bis zu 6.270.000 Liter Regenwasser aufgefangen und gespeichert werden.

Arena in Manaus ist für touristische Folgenutzung optimiert

In Manaus haben die Architekten aus Hamburg die Arena de Amazônia entworfen und gebaut. Manaus liegt genau dort, wo aus dem Zusammenfluss des Rio Negro und des Rio Solimões der mächtigste Strom der Erde wird, der Amazonas. Manaus liegt somit als Millionenstadt mitten im Dschungel. Für 45.000 Zuschauer konzipiert liegt das Stadion direkt an der zentralen Verkehrsachse, die den Flughafen mit der Innenstadt verbindet.

Das Stadion ist integriert in einen Sportpark, der auch ein Sambadrom, Leichtathletikanlagen, Mehrzweckhallen und ein Schwimmzentrum beinhaltet. Denn im Anschluss an den einmonatigen Fußball-Zirkus der Weltmeisterschaft soll die Arena zur Touristenattraktion werden, in der regionale Shows und Veranstaltungen durchgeführt werden.

Deutschland spielt erst nach überstandener Vorrunde in einem der drei Stadien

Die Dachkonstruktion setzt sich aus sich gegenseitig aussteifenden Kragarmen zusammen, deren Stahlhohlkastenträger gleichzeitig als große Rinnen dienen, um die enormen Wassermassen der tropischen Niederschläge aufzunehmen.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft in einem der drei von den Hamburger Architekten realisierten Stadion spielen will, dann hat sie die Aufgabe, wenigstens die Vorrunde zu überstehen. Denn die drei Spiele der Vorrunde finden in anderen Stadien statt.

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Von Detlef Stoller
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