07.06.2013, 15:20 Uhr | 0 |

Deutscher Bau ist erfindungsreich Europäischer Spitzenwert: 5850 Patentanmeldungen zwischen 2005 und 2012

Die deutsche Bauindustrie ist europaweit am innovativsten. Über 17 Prozent aller Erfindungen aus dem Technikbereich Bau kommen aus Deutschland. Ausgewertet wurden die Jahre 2005 bis 2012.

Europäisches Patentamt, Isargebäude in München
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Europäisches Patentamt (Isargebäude in München).  Mit insgesamt 5850 Patentanmeldungen im Technikbereich Bau kann Deutschland im europäischen Vergleich die absolut meisten Anmeldungen zwischen 2005 und 2012 am Europäischen Patentamt verbuchen. 

Foto: European Patent Office EPO

So kann man sich täuschen: Ausgerechnet der Bau, der ja nicht gerade als besonders innovationsfreudig gilt, liegt in der Realität europaweit mit seiner Innovationsfähigkeit an der Spitze. Mit insgesamt 5850 Patentanmeldungen im Technikbereich Bau kann Deutschland im europäischen Vergleich die absolut meisten Anmeldungen zwischen 2005 und 2012 am Europäischen Patentamt verbuchen. 17,6 Prozent aller Erfindungen im Technikbereich Bau stammen somit aus Deutschland. Das ist das zentrale und überraschende Ergebnis einer Auswertung des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) mit Sitz in Gelsenkirchen.

„Die Bauwirtschaft ist wesentlich innovativer als allgemein wahrgenommen“, stellt IAT-Projektleiter Dieter Rehfeld fest. „Dies wird deutlich, wenn man die Bauwirtschaft nicht nur als einzelne Branche sondern als komplexe Wertschöpfungskette mit vor- und nachgelagerten, auf den Bauprozess spezialisierten Industrie- und Dienstleistungsbereichen betrachtet.“ So umfasst die Wertschöpfungskette Bau das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe, industrielle Vor- und Zulieferanten, Dienstleistungen mit Bezug zur Bauwirtschaft sowie den Handel mit Bezug zur Bauwirtschaft.

Stuttgarter Erfinder sind mit 374 Anmeldungen der Sieger

Die Verteilung der Patentanmeldungen auf die Regionen ist höchst unterschiedlich. Spitzenreiter im betrachteten Zeitraum ist Stuttgart mit 374 Anmeldungen, dicht gefolgt von München mit 371 Patentanmeldungen im Technikbereich Bau. Absolutes Schlusslicht ist die Region Vorpommern mit keiner einzigen Patentanmeldung. Die Region Südthüringen besticht mit genau einer Patentanmeldung untersuchten auch nicht gerade durch besonders ausgeprägte Innovationsfreude.

Die Analyse der regionalen Spezialisierungsmuster zeigte allerdings, dass gerade in den Regionen mit geringen Patentaktivitäten – das sind die strukturschwache Regionen Norddeutschlands und große Teile der neuen Bundesländer - Spezialisierungen im Technikbereich Bau wichtige regionale Innovationspotenziale darstellen. „Sie haben eine zentrale Bedeutung für die jeweiligen regionalen Innovationssysteme und damit auch für die Beschäftigung“, so Projektmitarbeiter Jürgen Nordhause-Janz.

Hochschulen spielen kaum eine Rolle

Auffallend ist, dass eine hohe Patentanmeldungszahl von mehr als 100 im betrachteten Zeitraum von 2005 bis 2012 zumeist dort zu verzeichnen ist, wo Universitäten oder wissenschaftliche Institute ihren Sitz haben. Zu nennen sind da Bielefeld mit 167 Anmeldungen, Bochum mit 202 Anmeldungen, Duisburg/Essen mit 195 Anmeldungen. Köln liegt mit 263 Anmeldungen noch vor Düsseldorf, das auf 242 Anmeldungen kommt. Münster kommt auf 198 und Siegen noch auf 114 Anmeldungen.

Trotz dieser bemerkenswerten Korrelation spielen die Hochschulen selber kaum eine Rolle bei den Patentanmeldungen im Technikbereich Bau. Lediglich 3,1 Prozent der baurelevanten Erfindungen stammen in Deutschland aus dem Hochschulbereich. Das gleiche Bild bieten auch Österreich und die Schweiz: In Österreich kommen 2,8 Prozent dieser Erfindungen und in der Schweiz 3,4 Prozent dieser Erfindungen aus den Hochschulen.

Fast 30 Prozent der Erfindungen stammen von Tüftlern

Es sind die kleinen „Tüftler“, die Einzelerfinder, die in allen drei Ländern eine ziemlich große Rolle bei den baurelevanten Erfindungen spielen. Bei 27,9 Prozent der deutschen Anmelder, bei 22,5 Prozent der österreichischen und bei 18,2 Prozent der schweizerischen Patentanmelder handelt es sich um Tüftler.

Bemerkenswert ist auch die hohe Konzentration auf wenige Anmelder. So decken in Deutschland zehn Prozent der Anmelder über die Hälfte, nämlich 57 Prozent der Anmeldungen ab. In Österreich liegt dieser Zehn-Prozent-Wert nur bei 47 Prozent der Anmeldungen und in der Schweiz gar nur bei 38 Prozent aller Anmeldungen. Zieht man die Linie bei der Hälfte der Anmelder, so decken diese in Deutschland bereits 83 Prozent aller Anmeldungen ab. In Österreich liegt dieser Wert bei 79 Prozent und in der Schweiz bei 68 Prozent aller Anmeldungen.

Industrie hat die Nase vorn

Allen Ländern gemeinsam ist der hohe Anteil industrieller Patentanmelder. 52,2 Prozent der deutschen Patentanmelder im Technikbereich Bau stammen aus der Industrie. In Österreich liegt der entsprechende Anteil bei 53,2 und in der Schweiz bei 54,7 Prozent. Unterschiede gibt es aber in den verschiedenen Branchen. So spielen Unternehmen der chemischen Industrie in Deutschland mit 11,3 Prozent und in der Schweiz mit 13,2 Prozent eine wesentlich größere Rolle bei den Patentanmeldungen als in Österreich mit 4,8 Prozent. Anders bei den Kunststoffwarenproduzenten Hier hat Deutschland mit zwölf Prozent und Österreich mit 10,5 Prozent eine größere Bedeutung als die Schweiz mit 8,8 Prozent.

Niederlande sind für Deutschland der wichtigste Erfinder-Partner

Bei internationalen Patentkooperationen im Technikbereich Bau sind die Niederlande mit 19,3 Prozent der wichtigste internationale Kooperationspartner, gefolgt von den USA mit 15,6 Prozent und Österreich mit 13,8 Prozent. Besonders schlecht läuft die internationale Patentkooperation der deutschen Erfinder mit den Schweden und den Italienern: Nur bei jeweils 0,9 Prozent der Kooperationspatente sind schwedische und italienische Erfinder beteiligt.

Betrachtet man, in welchem Maße deutsche Anmelder als Partner für gemeinsame Innovationsprodukte von anderen Ländern gewählt wurden, so sticht Österreich mit 75 Prozent heraus. Drei Viertel der Kooperations-Patentanmeldungen aus Österreich erfolgen im Baubereich mit Anmeldern aus Deutschland.

Vertiefender Blick auf die Energieeffizienz in Gebäuden

Vertiefend wurden vom Institut für Arbeit und Technik Patentanmeldungen im Technikbereich „Energieeffizienz und Treibhausgasreduktion im gebäudebezogenen Bereich“ unter die Lupe genommen. Nach Schätzungen kann durch gebäudebezogene Investitionen in Klimaschutz und Energieeinsparung bis zum Jahr 2030 der Ausstoß von Treibhausgas um rund 840 Millionen Tonnen reduziert werden. Die größten ökonomischen Wachstumsimpulse gehen von Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus, Maschinenbauer und Hersteller von Bau- und Dämmstoffen aus, die in diesen Szenarien eindeutig auf der ökonomischen Gewinnerseite stehen.

Klimaschutz und Erneuerbare: Fünftel der Erfindungen kommt aus Deutschland

In der Tat zeigt sich: Die Technologiebereiche Klimaschutz und erneuerbare Energien gehören seit Ende der 1990er Jahre zu den mit am schnellsten wachsenden Patentfeldern. Auch hier lag Deutschland an der Spitze: ein Fünftel der zwischen 2005 und 2012 erfolgten Patentanmeldungen stammte aus Deutschland. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 2585 Patente angemeldet, 519, also 20,1 Prozent davon kamen aus Deutschland. Es folgen die USA mit 13,5 Prozent, Japan mit 13 Prozent, Frankreich mit 9,4 Prozent, Italien mit sieben Prozent die Niederlande mit 4,7 Prozent, die Schweiz mit 4,2 Prozent und Großbritannien mit 3,9 Prozent als weitere größere Anmelderländer. Dabei konzentrierten sich deutsche Patentanmelder im internationalen Vergleich stärker auf die mit der Gebäudedämmung zusammenhängenden Patentbereiche sowie auf energieeffizientes Heizen, Kühlen und Belüften.

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Von Detlef Stoller
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