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23.08.2013, 10:59 Uhr | 1 |

Recycling "Mehr Kunststoffrecycling, weniger Verbrennung"

Die DSD GmbH erhöht die Preise um bis zu 8 %. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert indes die Abschaffung der dualen Systeme. Die Entsorgerverbände kritisieren, dass aufgrund veralteter Recyclingquoten zu viele Wertstoffe in der Müllverbrennungsanlage landen, wie Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) gegenüber VDI nachrichten erläutert.

Kunststoffrecycling
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Recycling: Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert die Abschaffung der dualen Systeme. Zu viele Wertstoffe würden verbrannt statt wiederaufbereitet.

Foto: Archiv/DSD

VDI nachrichten: Herr Rehbock, will der bvse die Abschaffung der dualen Systeme?

Rehbock: Wir wollen, dass die dualen Systeme und ihre Auftraggeber ihrer Verantwortung gerecht werden und mehr für das Recycling tun. Die dualen Systeme müssen erkennen, dass sie nur mit der Recyclingbranche und nicht gegen sie eine Zukunft haben.

Aber die vorgeschriebenen Verwertungsquoten werden doch erfüllt?

Das bestreitet ja niemand. Aber diese Quoten sind antiquiert. Sie beziehen sich auf die lizenzierten Verpackungen und diese Lizenzmengen gehen seit Jahren zurück.

Was passiert, sobald die Quoten erfüllt sind?

Dann wird von den dualen Systemen betriebswirtschaftlich optimiert. Dann geht es nicht mehr um Recycling, sondern darum, so billig wie möglich zu entsorgen. So gehen zu viele Wertstoffe nicht in Recyclingprozesse, sondern in Müllverbrennungsanlagen.

Zum Nachteil der stofflichen Verwertung?

Fakt ist, dass das Kunststoffrecycling mehr oder weniger stagniert, während die Verbrennung stark zunimmt. Wir haben in den letzten Jahren keine entscheidenden Fortschritte gemacht. Wenn das so weiter geht, ist nicht nur unsere weltweite Vorreiterrolle gefährdet, sondern kommt die mittelständisch strukturierte Recyclingbranche in existenzielle Schwierigkeiten.

Kann man denn das den dualen Systemen vorwerfen?

Die dualen Systeme werben doch dauernd mit dem Recycling. Sie werfen den Kommunen vor, dass es ihnen nur darum ginge, ihre Müllverbrennungsanlagen zu füllen.

Das mag schon stimmen. Sicher ist aber, dass auch die dualen Systeme und ihre Auftraggeber viel mehr Recycling ermöglichen könnten. Das betrifft die Menge, aber auch die Qualität. So verhindern sie beispielsweise, dass zwischen Sortieranlagen und Kunststoffverwertern Qualitätskriterien vereinbart werden können. Stattdessen werden die Sortieranlagen verpflichtet, standardisierte Sortierqualitäten zu erzeugen, die oft an den Erfordernissen der Recycler vorbeigehen.

Trotzdem werden aber doch die Verwertungsquoten erfüllt.

Die Verwertungsquoten sind nur Mindestquoten, die seit Jahrzehnten unverändert in der Verpackungsverordnung stehen. Wir haben doch heute ganz andere Möglichkeiten und Fähigkeiten als damals. Wir haben auch neue gesetzliche Regeln. Im Kreislaufwirtschaftsgesetz ist eine ganz klare Abfallhierarchie festlegt. Da steht Recycling vor Verbrennung. Diese klare Verpflichtung zu mehr Recycling wird aber nur sehr ungenügend gelebt und die Politik scheint das nicht zu stören.

Was schlagen Sie also vor?

Wir müssen endlich den Hebel umlegen: Das Recycling in Quantität und Qualität wieder stärken und deutlich ausbauen. Es wäre gut, wenn wir mit den dualen Systemen gemeinsam dieses Ziel erreichen können. Wenn nicht, muss man über Alternativen nachdenken. ber

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Von Bettina Reckter | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
09.09.2013, 16:26 Uhr Heme
Gerade im Zuge der Diskussion um eine Rekommunalisierung der Entsorgung sollte man die Lage von allen Seiten beleuchten. Die Politische Aufmerksamkeit wird größer, wennauch sehr langsam. Natürlich müssen die Quoten angepasst werden, warum wird darüber noch diskutiert?
Die stoffliche Verwertungsquote in Deutschland liegt bei etwa 62 Prozent. Damit sind wir international nahezu Spitzenreiter.Verwertung ist aber nicht gleich Recycling, sondern schließt die energetische Verwertung, also die Verbrennung, mit ein. Um der 100-Prozent-Vision näher zu kommen, reicht eine Erhöhung der Recyclingquoten allein nicht aus.
Es entsteht nach wie vor zu viel Abfall. Schaffen wir es, den Durchsatz an Stoffen zu verringern, Abfälle zu vermeiden und Recycling verschiedenster Stoffe wirtschaftlich lohnend zu machen, kommen wir der Vision einer 100-prozentigen Kreislaufwirtschaft ein gutes Stück näher. Hier sind sowohl die Konsumenten als auch die Produzenten gefragt, unterstützt durch die richtigen politischen Rahmenbedingungen.
Quelle: http://www.recyclingnews.info/Interview_Marlehn_Thieme

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