24.07.2014, 08:23 Uhr | 0 |

Sainsbury’s macht Müll zu Gas Britische Supermarktkette versorgt Haushalte mit Strom aus Lebensmittelabfällen

Die britische Supermarktkette Sainsbury’s will Lebensmittelabfälle aus ihren Filialen künftig nutzen, um daraus Strom herzustellen. Das führende Entsorgungsunternehmen Biffa verarbeitet die Abfälle der Filialen zu Biogas. Der erste Sainsbury’s Supermarkt in Cannock wurde jetzt vom öffentlichen Stromnetz abgetrennt.

Gemüseabteilung in einer Filiale der britischen Supermarktkette Sainsbury’s
Á

Verkäufer im Shrek-Look in der Obst- und Gemüseabteilung einer Filiale der britischen Supermarktkette Sainsbury’s: Sämtliche verdorbenen Lebensmittel der Kette werden jetzt in einem Biogas-Reaktor verarbeitet. Derzeit werden daraus 2500 Haushalte und eine Filiale mit Strom versorgt.

Foto: Sainsbury's

Die Filiale in den West Midlands bezieht ihren Strom künftig über ein 1,5 Kilometer langes Kabel aus dem Biffa-Bioreaktor in Staffordshire. Dort werden alle Lebensmittelabfälle aus den Sainsbury’s Verteilzentren im ganzen Land gesammelt und dann in erneuerbare Energie für Haushalte und Unternehmen umgewandelt.

Die Biffa-Anlage kann jedes Jahr bis zu 120.000 Tonnen Lebensmittelabfälle verarbeiten. Wenn die Anlage mit voller Auslastung läuft, kann sie bis zu 10.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen. Bei dem Prozess entsteht auch ein Bodenverbesserer, der als Kompost genutzt werden kann.

Kein Müll landet mehr auf Deponien

Sainsbury’s ist bereits jetzt der größte Nutzer der anaerobischen Müllverwertung in Großbritannien und versorgt durch seine Abfallverwertung bislang 2500 Haushalte mit Strom. Nach Aussagen von Paul Crewe, Leiter für Nachhaltigkeit bei Sainsbury’s, wandern keine Lebensmittelabfälle des Handelsunternehmens mehr auf Mülldeponien. „Die anaerobische Vergärung der Abfälle ist der effizienteste Weg, um Energie aus Abfall zu gewinnen“, erläutert sein Kollege Neil Sachdev. „Unser neues Vorhaben bedeutet, dass Lebensmittelabfälle auf die bestmögliche Weise genutzt werden.“

Entsorgungswirtschaft in Großbritannien hat aufgeholt

Bis vor kurzem gab es in Großbritannien nicht einmal genügend Biomüll, um Vergärungsanlagen zu betreiben. Ein Großteil der rund 15 Millionen Tonnen organischen Mülls – die Hälfte davon aus Unternehmen – gelangte bislang nach der Sammlung mit dem gewöhnlichen Müll auf allgemeine Abfalldeponien. Inzwischen hat sich das Bild stark verändert. „Die Entsorgungswirtschaft des Landes hat inzwischen in Sachen grüner Technik stark aufgeholt“, so Sachdev.

 

Die Vergärung von Bioabfällen hat gleich mehrere Vorteile im Vergleich zur Kompostierung: Sie benötigt weniger Platz, die Geruchsbelästigung ist geringer und das Biogas kann zur Verstromung oder zur Wärmegewinnung genutzt werden.

Im Biffa-Bioreaktor in Staffordshire werden die verdorbenen Lebensmittel aus den Supermärkten mit einem Mixer unter Zugabe von Wasser auf maximal zehn Prozent Feststoffgehalt angemaischt und in einem Vorratsgefäß gelagert. Ein Rührwerk durchmischt den Behälterinhalt vor und während jeder Zufuhr zum Reaktor. Mit Hilfe einer Zulaufpumpe wird der Bioreaktor mehrmals täglich mit den angemaischten organischen Abfällen beschickt.

Der Bioreaktor arbeitet bei einer Temperatur zwischen 30 und 37 Grad, weil bei diesen Temperaturen eine angepasste anaerobe Mischpopulation von Mikroorganismen optimal arbeitet. 

Anzeige
Von Peter Odrich
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden