Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 9-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 1

Zukunft Windenergie


ENERGIEPOLITIK | Die Windenergie in Deutschland leistet weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung aus regenerativen Energien. Und sie wird zunehmend wettbewerbsfähiger, wie die erste EEG-Ausschreibungsrunde im Mai dieses Jahres zeigte, bei der Windparkprojekte mit einer Vergütung von 5,5 Ct im Mittel je Kilowattstunde vergeben wurden. Dies kommt den Energiegestehungskosten im Bereich der konventionellen Energieerzeugung durchaus sehr nahe. Die Windenergie hat sich durch ihren bisherigen Ausbau außerdem zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt, denn immerhin zählt die On- und Offshore-Branche zusammengenommen fast 145 000 direkte und indirekte Arbeitsplätze (Stand 2015), von denen allein rund 123 000 auf die Windenergie an Land entfallen.
Um die Erfolgsstory fortzuschreiben und der regenerativen Energieerzeugung vor allem als Reaktion auf den rasanten Klimawandel mit zunehmender Erderwärmung und damit den Zielen zur nachhaltigen Senkung von CO2-Emissionen entscheidende Impulse zu verleihen, muss der Ausbau der Windenergie konsequent fortgesetzt werden. Die Branche entwickelt in diesem Zusammenhang immer größere und leistungsfähigere Windenergieanlagen (WEA). Zugegeben, solche Anlagen verändern aufgrund größerer Rotordurchmesser (onshore bis rund 140 m) und Nabenhöhen von durchschnittlich 120 bis 140 m (Binnenland und nearshore) ebenso unsere Landschaften, wie die bereits installierten WEA, insbesondere in bewaldeten Regionen. Fakt ist jedoch auch, dass sich solche Anlagen aufgrund ihrer höheren Leistung durch einen optimierten Flächenbedarf auszeichnen. Für den Ausbau an Land bedeutet dies im Vergleich zu früheren Anlagentechnologien letztendlich weniger WEA an den zur Verfügung stehenden Standorten.
Die derzeitigen Entwicklungen zum Thema Ausbau der Windenergie bieten indes aus politischer Sicht wenig positive Perspektiven. Nach Bayern hat mit der noch jungen Landesregierung in NRW die nunmehr zweite Kommune eine zukünftige Bebauung mit WEA deutlich eingeschränkt. Der Koalitionsvertrag sieht unter anderem vor, die Gesamtfläche für die Installation von WEA im drittgrößten Flächenland Deutschlands um 80 % (!) zu reduzieren. Darüber hinaus müssen zukünftig WEA in NRW einen Mindestabstand von 1 500 m zu Wohngebieten haben. Das bedeutet schon jetzt das Aus für viele bereits geplante Projekte, darunter etliche Bürgerwindparks. Hinzu kommt, dass von dieser Energiepolitik auch bereits seit langem existente WEA-Standorte betroffen sind, da diese jetzt oftmals durch die Mindestabstandsregelung zu Wohngebieten für ein Repowering von Altanlagen nicht mehr in Frage kommen. Sieht so Fortschritt aus? Eher nicht. Aber was sind in solchen Fällen die Alternativen?
Bei älteren Windparkprojekten beziehungsweise Anlagen, die sich dem 20. Lebensjahr nähern oder dieses bereits überschritten haben, ist nun der ideale Zeitpunkt erreicht, über eine Laufzeitverlängerung nachzudenken. Ausgereifte Technologien und Messkonzepte, die über einen gewissen Zeitraum die auf eine WEA tatsächlich einwirkenden Lasten messen und somit valide Daten über die Dauer eines möglichen Weiterbetriebs liefern, sind im Markt vorhanden. Solche Maßnahmen dienen nicht allein dazu, ein einmal getätigtes Investment zu schützen, sondern viel mehr, um einem Abbau der Windenergie beziehungsweise einer Reduzierung der Windenergieleistung entgegenzuwirken, die mit den Plänen der NRW-Landesregierung de facto ins Auge gefasst wurde.
Wir sind nach wie vor die weltweit führende Windenergienation. Allerdings sollten wir darauf achten, dass dies in Zukunft so bleibt, anstatt, wie es beispielsweise im Bergbau oder im Bereich der Solarenergie schon geschehen ist, die technologische Entwicklung beziehungsweise Weiterentwicklung zu blockieren.

Autoren

 Helmut Reinke

Leiter Marketing und Vertrieb der SSB Wind Systems GmbH & Co. KG, Salzbergen.

Verwandte Artikel

Kohlekraftwerken droht schleichendes Aus