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Ausgewählte Ausgabe: 7/8-2017 Ansicht: Modernes Layout
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„Windstrom muss das Netz verbessern“

WINDENERGIE | Seit knapp 40 Jahren begleitet Professor Dr. Siegfried Heier aktiv die Entwicklung der Windenergie in Deutschland. Was sind die Highlights aus dieser Zeit, was die künftigen Entwicklungsschwerpunkte der Windenergie-Technologie? Und wo wächst der Windenergiemarkt am schnellsten? Antworten darauf gibt Heier im Interview 1).


Herr  Professor  Heier,  Sie  begleiten  als Wissenschaftler seit fast 40 Jahren die  Entwicklung  der  Windenergie  in Deutschland.  Was  waren  die  drei größten technischen Durchbrüche in dieser Zeit?

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Prof. Dr. Siegfried Heier lehrt seit mehr als 35 Jahren an der Universität Kassel. Er war bis Ende 2010 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates im Bundesverband Windenergie und bis 2012 Mitglied im VDI-Fachausschuss „Regenerative Energien“.

Aus meiner Sicht ragt bei den Highlights die heute deutlich höhere Verfügbarkeit der Anlagen heraus. In den 1980er-Jahren lag diese zum Teil noch bei 30 bis 50 %. Gute Anlagen kamen auf bis zu 80 %. Bereits Ende der 1990er-Jahre erreichte die Verfügbarkeit die 99 %-Marke oder mehr. Dabei war das wissenschaftliche Mess- und Evaluierungsprogramm sicher einer der Schrittmacher. Dadurch wurden die Hersteller in die Pflicht genommen, die Anlagen sorgfältig zu warten und schnell zu reparieren.
Zweiter Durchbruch ist der großtechnische Übergang von den drehzahlstarren Anlagen – meistens dänisches Konzept genannt – zu den heutigen drehzahlvariabel geführten Windkraftanlagen. Dieses trug entscheidend dazu bei, die Komponenten zu entlasten, die Betriebsgeräusche der Anlagen zu senken und die Erträge zu steigern. War die Windenergienutzung zu Beginn gezwungen, zentrale Komponenten und Technologien – ich denke da an Umrichter, Generatoren, Regelung und Aerodynamik – aus anderen Industriebereichen zu entlehnen, so hat sie es mittlerweile auf diesen Feldern zur Technologieführerschaft gebracht. Die Entwicklung neuer Windkraftanlagen ist heute der Schrittmacher und wirkt in die ursprünglichen Anwendungsbereiche zurück.

Und ein weiteres Highlight?

Als dritter Punkt ist von meiner Seite ganz klar der Übergang zur Multi-Megawattklasse zu nennen. Zwar ist diese auf dem Markt noch nicht vom Erfolg verwöhnt. Sie wirkt aber auf die neue 3-MW-Klasse zurück, die einen großen Boom verzeichnet. Mit großen Rotoren und hohen Türmen erreichen sie im Binnenland 2 500 bis 3 000 Volllaststunden. Damit ist ihre Netzauslastung etwa doppelt so groß wie bei früheren Anlagen.

In  welchen  Regionen  Deutschlands wird  sich  der  Zubau  an  neuen  Anlagen  im  kommenden  Jahrzehnt schwerpunktmäßig abspielen?

Durch diese leistungsstarken Binnenlandanlagen erwarte ich besonders in Mittel- und Süddeutschland einen erheblichen Zubau. In den letzten Jahren sind besonders im bayerischen Raum große Projekte an den Start gebracht worden. Natürlich werden auch gute Windstandorte im Norden weiterhin sehr interessant bleiben.

Welche  Anlagentypen  werden  dominieren?

Bei den Anlagentypen hoffe ich, dass die bisherige Vielfalt erhalten bleibt. Damit wird eine verbesserte Anlagentechnik auf breiter Basis möglich. Wir vermeiden dadurch mögliche Sackgassen, wenn beispielsweise durch einen Engpass an Neodym-Werkstoffen auf dem Weltmarkt die Herstellung von Generatoren mit Permanentmagneten Restriktionen unterworfen werden müssten.

In  welchen  Weltgegenden  wird  die Windenergie besonders schnell wachsen?

Neben China und den USA zeichnet sind momentan in Indien ein enormer Boom ab. Hier ist allerdings der bisher unzureichende Schutz der Technik vor illegalen Imitationen ein großes Hemmnis. In Südamerika setze ich auf Brasilien und Argentinien. Wenn wir auf den europäischen Kontinent sehen, verfügen Länder wie Großbritannien, Frankreich, die iberische Halbinsel, Italien, Griechenland, Schweden und Norwegen über sehr gute Windverhältnisse. Hier sehe ich große Potenziale.

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Zertifikatslehrgang

 „Fachingenieur Windenergietechnik VDI“

Der Lehrgang richtet sich an Ingenieure aus Entwicklung, Konstruktion, Projektierung, Betrieb und Instandhaltung. Zudem können Projektleiter und Planer von Windenergieprojekten sowie Betriebsführer von Windparks sich im Lehrgang weiterqualifizieren. Inhalte des Lehrgangs sind unter anderem Windenergietechnik, mechanische Komponenten und Rotoraerodynamik, elektrische Systeme, Regelung und Netzintegration. Vier Pflicht- und zwei Wahlpflichtmodule müssen in etwa neun Monaten (maximal zwei Jahren) belegt werden. Teilnehmer des Lehrganges erhalten abschließend mit bestandener Prüfung den Titel „Fachingenieur Windenergietechnik VDI“.
Weitere Informationen unter www.vdi.de/windenergie_lehrgang oder bei Mona Remmel, E-Mail: remmel@vdi.de

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