Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 7/8-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 2

Mehrwertdienste per CLS-Gateway

SMART METERING | Mehrwertservices gelten für Stadtwerke als Mittel der Wahl, um im zunehmend turbulenten Energiemarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Inzwischen gibt es erste IT-Werkzeuge, mit denen sich solche Dienstleistungen technisch und prozessual realisieren lassen. Das LoRaWAN-basierte CLS-Gateway von Zenner nutzt dafür das Smart Meter Gateway intelligenter Messsysteme als Kommunikationsweg. Davon profitieren Messstellenbetreiber und externe Marktteilnehmer gleichermaßen. Dass Stadtwerke ihr Dasein als langen, ruhigen Fluss begreifen konnten, ist seit 1998 Geschichte. Zuletzt wurde das Fahrwasser für die Versorger immer unruhiger. Verantwortlich dafür waren und sind zunehmender Margendruck in Erzeugung, Handel und Vertrieb, die Vorgaben der Anreizregulierung im Netz sowie die Energiewende. Zusätzlich sorgt nun die Digitalisierung mit ihrer disruptiven Kraft dafür, dass bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle spartenübergreifend auf den Prüfstand kommen. Vieles wird über Bord geworfen und ausgetauscht werden müssen.


Allen Unternehmen ist mittlerweile klar, dass es neuer Tätigkeitsbereiche und zusätzlicher Services jenseits der klassischen Energieversorgung bedarf, um die Erlös- und Gewinnsituation positiver zu gestalten. An einschlägigen Ideen mangelt es grundsätzlich nicht. Insbesondere im Kontext des bevorstehenden Rollouts intelligenter Messsysteme werden zahlreiche Optionen diskutiert. Das Smart Meter Gateway (SMGW) als sicherer Kommunikationskanal in die Haushalte gilt als Basis für zahlreiche potenzielle Mehrwertdienste.

CLS-Gateway ist das erste Gerät dieser Art im Markt

Doch was die praktische Umsetzung angeht, hapert es noch. Einerseits müssen zunächst intelligente Messsysteme verfügbar und dann in größerer Stückzahl im Feld verbaut werden. Andererseits fehlten bislang auch technisch und funktional überzeugende Hard- und Softwarelösungen, um Mehrwertdienste prozessual zu realisieren. Daher gab es aus der Branche ein starkes Echo, als die Zenner International GmbH & Co. KG aus Saarbrücken und die Hessware GmbH aus Mannheim im Mai auf dem FNN-Fachkongress ZMP 2017 in Leipzig ihr gemeinsam entwickeltes CLS-Gateway vorstellten. Es arbeitet auf LoRaWAN-Basis und ist das erste Gerät dieser Art im Markt. Damit wird es möglich, Mehrwertdienste über die Gateways intelligenter Messsysteme so abzuwickeln und zu organisieren, dass nicht nur die geforderten Sicherheitsstandards eingehalten werden, sondern alle involvierten Parteien auch finanziell davon profitieren – der grundzuständige Messstellenbetreiber ebenso wie die externen Marktteilnehmer.

IT-TT9244 Zenner_A.tif

Mit den zusätzlichen Entgelten, die externe Marktteilnehmer für die Nutzung des WAN-Kommunikationskanals des Smart Meter Gateways zahlen, kann der grundzuständige Messstellenbetreiber seinen Business Case optimieren.

Um was geht es konkret? Zenner (siehe Textkasten) nutzt zur Fernauslesung von Messwerten aus Wasser-, Wärme- und Kältezählern die LoRaWAN-Funktechnologie. Das Akronym steht für Long Range Wide Area Network. Die Technologie zeichnet sich bei sehr geringem Energieverbrauch der Endgeräte durch hohe Reichweiten und sehr gute Gebäudedurchdringung aus. Sie eignet sich somit ideal für das Fernauslesen batteriebetriebener Wasser- und Wärmezähler, aber auch für zahlreiche andere Anwendungen.
Und so funktioniert es: Im LoRaWAN-Indoor-Gateway von Zenner werden Mess-, Zustands- und Bewegungsdaten aus den Endgeräten eingesammelt. Durch Einbindung des CLS-Software-Stacks von Hessware wurde das Gerät zur integrierten CLS-Box ertüchtigt. Damit kann es über eine HAN/CLS-Schnittstelle mit den Smart Meter Gateway kommunizieren. Über die WAN-Schnittstelle des SMGW und die gesicherte Datenverbindung können Messdaten an Externe Marktteilnehmer (EMT) gesendet werden (Bild).

Messstellenbetreiber optimiert sein Geschäftsmodell

IT-TT9244 Zenner_Heß.tif

Sebastian Heß, Geschäftsführer der Hessware GmbH, Mannheim: „Wir kümmern uns um alle Sicherheitsfragen. Externe Marktteilnehmer brauchen sich nur als passiver EMT registrieren zu lassen.“

„Der besondere Charme der Lösung liegt darin, dass man mit dem SMGW einen Kommunikationskanal nutzt, der ohnehin schon vorhanden sein wird“, erläutert Hessware-Geschäftsführer Sebastian Heß. Zenner-Geschäftsführer Sascha Schlosser ergänzt: „Der Messstellenbetreiber hat ein ureigenes Interesse, diese Nutzung zuzulassen und sogar aktiv zu unterstützen, da er für die Nutzung der WAN-Kommunikationsstrecke vom EMT ein zusätzliches Entgelt erhält. Dieses kann er außerhalb der vom Gesetzgeber vorgegebenen Preisobergrenzen für den Rollout und Betrieb intelligenter Messsysteme einstreichen und damit seinen Business Case als grundzuständiger Messstellenbetreiber optimieren.“
Für externe Marktteilnehmer ist die Nutzung des CLS-Gateways von Zenner nicht zuletzt deshalb besonders attraktiv, weil sie passive EMT bleiben können und sich nicht der aufwendigen ISO-27001-Zertifizierung unterziehen müssen. Die Anforderung erfüllt Hessware als verbindendes Element zwischen SMGW und den IT-Systemen des dritten EMT. „Wir kümmern uns als zertifizierter Dienstleister um alle Sicherheitsfragen, nehmen die Daten aus dem CLS-Modul entgegen und liefern sie aus unserem Backend-System aufbereitet an Dritte weiter“, erläutert Heß. „Externe Marktteilnehmer brauchen sich also nur als passiver EMT registrieren zu lassen. Dadurch werden auch kleine Dienstleister in die Lage versetzt, neue Mehrwertservices ohne großen Aufwand umzusetzen.“

Seite des Artikels
Die Zenner International...

...GmbH & Co. KG

...mit Hauptsitz in Saarbrücken entwickelt, produziert und vertreibt Messtechnik für globale Märkte. Zum Portfolio gehören Haus- und Großwasserzähler, Wärmezähler, Gaszähler und moderne Systemtechnik wie Funk- und M-Bus-Systeme. Seit 2016 setzt Zenner im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie zudem auf innovative Systemlösungen auf Basis von Internet-of-Things (IoT)-Technologien, von der Projektentwicklung über die Messdatenerfassung und -verarbeitung bis zur Applikation beim Endanwender. Seit 1. Mai 2017 gehört die neu gegründete Zenner IoT Solutions GmbH mit Sitz in Hamburg zur Unternehmensgruppe. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung kundenspezifischer IoT-Applikationen.  Kunden von Zenner sind vor allem Energieversorger und Stadtwerke, aber auch Industrieunternehmen, Großhändler und Messdienstleister. Zenner betreibt Produktionsstätten in Europa, Asien und den USA und ist weltweit mit 20 Standorten vor Ort. 1903 gegründet, gehört das Unternehmen seit 2005 zur familiengeführten Unternehmensgruppe Minol-Zenner. Minol und Zenner beschäftigen weltweit mehr als 2 500 Mitarbeiter.

Verwandte Artikel

Interimsmodell wird zur IT-Herausforderung

Die Kunden mit ins Boot holen

Steuern, regeln und vieles mehr

Der Teufel steckt im Detail

Früh üben, damit es kein böses Erwachen gibt