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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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„Knackpunkt der Energiewende ist die Wirtschaftlichkeit“

ENERGIEWIRTSCHAFT | Die Energiewende ist ein Projekt von immenser Komplexität und fundamentaler Veränderungskraft. Die Orientierung, wo wir uns aktuell auf der Wegstrecke zur CO2-freien Energieversorgung befinden und wohin genau wir letztlich kommen müssen, fällt schwer. Was ist Irrweg, was funktioniert? BWK sprach mit Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz, Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Dortmund. Er plädiert dafür, die Energiewende verstärkt unter das Primat der Wirtschaftlichkeit zu stellen, „sonst macht keiner mit“. Der Strombedarf werde dramatisch wachsen, wenn auch die Sektoren Wärmeversorgung, Verkehr und Industrie auf Strom aus erneuerbaren Quellen umsteigen. Die bisherigen Pläne zur Netzentwicklung würden dem bei weitem nicht gerecht.


Das Netz ist das Rückgrat der Stromversorgung. „Langfristig muss beim Netzausbau noch viel, viel mehr passieren, als das, was heute in den Szenarien abgebildet ist“, sagt Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz.

Das Netz ist das Rückgrat der Stromversorgung. „Langfristig muss beim Netzausbau noch viel, viel mehr passieren, als das, was heute in den Szenarien abgebildet ist“, sagt Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz.

Je nach Standpunkt und Betroffenheit wird die Energiewende gelobt oder kritisiert.  Wie  bewerten  Sie  die  bisherige Entwicklung?

Ich glaube, wir sind mit der Energiewende schon sehr weit gekommen. Zu Zeiten meiner Promotion hieß es, wenn wir 5 % erneuerbare Energie im Netz haben, wird es technisch ganz schwierig. Heute stehen wir bei einem Anteil von rund 30 %, und es funktioniert. Nun muss man natürlich immer schauen, dass die drei klassischen Kriterien Versorgungssicherheit, Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt sind. Als vierte Bedingung kommt inzwischen die Akzeptanz hinzu. Aufgrund des Klimawandels führt an der Energiewende kein Weg vorbei. Wir werden auf lange Sicht global keine fossilen Energieträger mehr nutzen, wenn wir den Klimakollaps vermeiden wollen. Für einen Wirtschaftsstandort wie Deutschland – aber auch für alle anderen Länder – gibt es aber natürlich auch keine Kompromisse bei der Versorgungssicherheit. Das heißt, es muss einerseits in jeder Sekunde genügend Strom da sein, aber auch im nächsten Winter und in den kommenden Jahren. Der Knackpunkt der Energiewende ist in meinen Augen die Wirtschaftlichkeit.

Ist die Energiewende zu teuer?

Klar, die Energiewende kostet Geld. Aber wäre es günstiger, wenn wir sie nicht machen würden? Wir müssten dann ja auch neue Kraftwerke bauen, die ebenfalls nicht billig sind. Über die Frage, ob die Energiewende zu teurer oder doch gar nicht so viel teurer ist, kann man trefflich streiten. Dass Deutschland und einige andere Länder unterwegs Richtung erneuerbare Energien sind, ist sicher gut. Damit aber auch die übrigen sagen, wir lassen Öl, Gas und Kohle in der Erde, muss die Energiewende wirtschaftlich sein. Wenn sie zu teuer ist, macht keiner mit. Deshalb ist für mich die Wirtschaftlichkeit der primäre Faktor für den nationalen aber auch globalen Erfolg der Energiewende. Und darauf legen wir meiner Meinung nach nicht genügend Wert. Es darf bei uns bisweilen schon mal etwas mehr kosten, gerade beim Netzausbau.

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