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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Steinkohle

Weltweit gingen der Steinkohlenverbrauch und die Steinkohlenproduktion im Jahr 2016 zurück. Dabei gab es regional unterschiedliche Entwicklungen. Die globale Verringerung des Verbrauchs resultiert vor allem aus erheblichen Rückgängen in China und in den USA. In Europa ist die Steinkohle schon seit Längerem auf dem Rückzug. Dagegen verzeichnet sie in Teilen Asiens weitere Zuwächse. In Deutschland gab es im Berichtsjahr erneut Einbußen beim Steinkohlenverbrauch, insbesondere in der Stromerzeugung. Die inländische Steinkohlenförderung läuft planmäßig bis Ende 2018 aus und entwickelte sich im Jahr 2016 entsprechend weiter zurück. Gleichzeitig bereitet sich die den Steinkohlenbergbau tragende RAG Aktiengesellschaft, Herne, strategisch auf die Nachbergbauzeit vor. Eine Aufwärtsbewegung gab es dagegen seit Mitte 2016 bei den internationalen Steinkohlenpreisen, sowohl bei der Kraftwerkskohle als auch bei Kokskohle und Koks.


Durchschlag

Durchschlag im Bergwerk Prosper-Haniel; der letzte im Steinkohlenbergbau im  Ruhrgebiet.

Der Weltkohleverbrauch, der energetisch zu rund 95 % auf Steinkohle basiert und bereits im Jahr 2015 rückläufig war [1], brach im Jahr 2016 nach vorläufiger Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) merklich ein und sank unter das Niveau von 2013 [2]. Das ist nach der bis 2014 lange andauernden Phase stetigen Wachstums in globaler Hinsicht der bisher stärkste Rückgang im 21. Jahrhundert.
Nach der Einschätzung der IEA in ihrem Medium-Term Coal Market Report vom Dezember 2016 bleibt die internationale Kohlenachfrage in den nächsten Jahren gedämpft und wird erst 2021 wieder das Niveau der Jahre 2014 und 2015 (5,7 Mrd. t SKE) erreichen [2]. Längerfristig wird der weltweite Kohle- und mit ihm der Steinkohlenverbrauch maßgeblich von den künftigen energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen bestimmt werden, die wirtschaftliche Aspekte überlagern können. Die IEA hat in ihrem World Energy Outlook 2016 verschiedene Szenarien dazu aufgestellt, aus denen sich je nach Annahmen bis 2040 ein verhaltenes Wachstum, ein kräftigerer Zuwachs oder ein massiver Rückgang der globalen Kohlenachfrage ableiten lässt. Die zentrale Frage dabei ist, inwieweit die im Jahr 2015 getroffene Weltklimavereinbarung von Paris umgesetzt wird und ob sich sodann die Kohlenutzung mit Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie, gegebenenfalls auch in Verbindung mit Carbon Capture and Use (CCU), durchzusetzen vermag oder nicht.
Zwar ist die Kohle nach wie vor der Energieträger Nr. 1 in der globalen Stromerzeugung. Doch aufgrund des jüngsten Einbruchs und der im Vergleich zu anderen Energieträgern – Erdgas, Regenerative usw. – absehbar schwächeren Zuwachsraten in der Verstromung wird ihr Anteil an der weltweiten Stromerzeugung von 41 % im Jahr 2014 laut der IEA-Mittelfristprognose auf 36 % im Jahr 2021 sinken – womit sie bis dahin und noch geraume Zeit darüber hinaus die globale Nr. 1 in der Stromerzeugung bleibt. Weiterhin unverzichtbar bleibt Steinkohle weltweit auch als Rohstoff in der Roheisenerzeugung und für spezielle Industrieproduktionen.
Regional betrachtet zeigt sich ein differenziertes Bild des internationalen Kohlemarkts. Der globale Verbrauchseinbruch im Jahr 2016 war vor allem auf erhebliche Rückgänge in China und den USA zurückzuführen, den beiden größten Kohleländern der Welt. Weiter rückläufig war auch der EU-Kohleverbrauch, in Großbritannien etwa ist er – politisch bedingt – geradezu kollabiert. Dagegen gab es in letzter Zeit merkliche Verbrauchszuwächse in Indien – bei der Kohle nunmehr die Nr. 2 vor den USA – sowie in Indonesien, Russland, Vietnam, Malaysia und der Türkei, ferner stabile Verbrauchsentwicklungen in Japan, Korea und Taiwan. Insgesamt verschiebt sich der Schwerpunkt des globalen Kohleverbrauchs weiter in Richtung Asien. Noch offen ist, ob der Kohleverbrauch in China schon sein Maximum erreicht hat. Unabhängig davon schlägt die Entwicklung in China, das rund die Hälfte der Kohle weltweit verbraucht und produziert, dem internationalen Kohlemarkt weiter den Takt oder, wie es die IEA ausdrückt: „Coal is still a Chinese tale“ [2; 3].
China hatte im Zuge seines gewaltigen volkswirtschaftlichen Aufholprozesses seine Kohleförderkapazitäten von 2000 bis 2015 ungefähr verdreifacht, jedoch zunehmend Überkapazitäten festgestellt und im Jahr 2015 erstmals leichte Produktionskürzungen realisiert. Die eingeleitete Umstrukturierung des Kohlesektors zielte zunächst auf die Stilllegung oder Zusammenlegung kleinerer Gruben mit geringen Produktionskapazitäten und vergleichsweise vielen, oft auch tödlichen Unfällen. Da der Abbau der Überkapazitäten allerdings nur langsam voranging, wurden Anfang 2016 weitere, drastischere Maßnahmen unabhängig von der Größe der Betriebe ergriffen und die Zahl der jährlichen Arbeitstage im chinesischen Kohlebergbau durch staatlich verordnete Freischichten von 330 auf 276 reduziert. Tatsächlich konnte dadurch die chinesische Kohleförderung im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 10 % gedrosselt werden, was ungefähr 5 % der Weltproduktion entspricht. Im Herbst 2016 wurde diese Regelung jedoch schon wieder gelockert, nachdem die chinesischen Kohleimporte und die internationalen Kohlepreise wieder angestiegen waren, zumal aufgrund erhöhter industrieller Produktion und witterungsbedingten Einbußen bei der Wasserkraft in China mehr Kohlestrom benötigt wurde.
Dennoch gilt auch mit Blick auf die nicht nur kohlebedingte Luftverschmutzung in Peking und anderen urbanen Ballungsräumen im Norden und Osten Chinas weiter das im Sommer 2016 von der chinesischen Staatsführung beschlossene energiepolitische Ziel, die Kohleförderkapazitäten von derzeit noch rund 3 Mrd. t SKE bis 2020 um weitere 500 Mio. t zu verringern und zusätzliche 500 Mio. t an Förderkapazitäten wirtschaftlich und technisch zu konsolidieren. Zugleich sollen massive Investitionen in die Stromerzeugung aus Windkraft und Solarenergie sowie Kernenergie erfolgen, um den Anteil des Kohlestroms zu reduzieren [4].
Auf eine Größenordnung von rund 20 % wird der im Jahr 2016 erfolgte Rückgang der Kohleproduktion in den USA gegenüber 2015 (749 Mio. t) geschätzt. Infolge der schon in den Vorjahren und noch bis etwa Mitte 2016 rückläufigen Weltmarktpreise war es bereits weltweit zu zahlreichen Schließungen von Kohlebergwerken gekommen. Die gravierendsten Einschnitte verzeichnete dabei der Kohlesektor in den USA. Schon im Jahr 2015 mussten große US-Kohleunternehmen wie Alpha Natural Resources, Arch Coal, Patriot Coal und Walter Energy Gläubigerschutzverfahren anmelden.

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Autoren

Dipl.-Ökonom Dr. Kai van de Loo

Dezernent „Politik und Statistik“ Gesamtverband Steinkohle e.V. (GVSt), Herne

Dipl.-Ing. Andreas-Peter Sitte

Dezernent „Kommunikation“, Gesamtverband Steinkohle e.V. (GVSt), Herne

Trend 2017

Während sich der Steinkohlenmarkt 2017 global nach der mengenmäßigen Rückwärtsbewegung im Vorjahr wieder leicht erholen dürfte und sich die Weltmarktpreise auf einem voraussichtlich beträchtlich höheren Niveau als bis Mitte 2016 einpendeln, muss auf nationaler Ebene mit einem weiteren Verbrauchsrückgang gerechnet werden. Insbesondere in der Steinkohlenverstromung sind die Perspektiven unter den gegebenen Bedingungen der Energiewende und mit Blick auf den Nationalen Klimaschutzplan nicht günstig, und die bereits vorliegenden Stilllegungsanzeigen für mehrere Steinkohlenkraftwerksblöcke sprechen für sich. Nicht auszuschließen sind auch – durch internationale Entwicklungen – Verwerfungen für den Stahlstandort Deutschland und damit der inländischen Kokskohlen- und Koksnachfrage. Der somit hierzulande wahrscheinliche Rückgang des Steinkohlenverbrauchs wird 2017 dann sicherlich auch die seit Jahren expansiven Steinkohlenimporte treffen, denn die vor dem Auslauf stehende inländische Steinkohlenförderung wird auf dem erreichten niedrigen Niveau planmäßig stabil bleiben. Gleichwohl schreitet die Planung für die Nachbergbauzeit weiter systematisch voran.

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