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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Rationelle Energieverwendung

Wie bereits das Jahr 2015 wurde auch das Jahr 2016 durch die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz geprägt [1]. Der Förderrahmen für Energieeffizienztechnologien wurde ausgebaut und neue Instrumente wie die wettbewerblichen Ausschreibungen für Energieeffizienz eingeführt. In der Industrie standen die Umsetzung der im Rahmen der Energieaudits nach EDL-G ermittelten Effizienzmaßnahmen sowie die Einrichtung weiterer Energieeffizienznetzwerke im Vordergrund. Im Rahmen der gemeinsamen Initiative der Industrieverbände und der Bundesregierung zur Einrichtung von 500 Energieeffizienznetzwerken bis zum Jahr 2020 wurden bislang bereits mehr als 100 neue Netzwerke in Deutschland etabliert [2]. Die Initiative befindet sich damit auf dem selbst gesteckten Zielpfad.


Der Digitalisierung werden im Kontext der Energiewirtschaft große Potenziale zugerechnet. So sollen beispielsweise Smart Meter und Smart Home Energieeffizienz in Haushalten befördern. Es können Produkte für Energieeffizienz angeboten werden, die vorher technisch oder wirtschaftlich nicht möglich waren.

Der Digitalisierung werden im Kontext der Energiewirtschaft große Potenziale zugerechnet. So sollen beispielsweise Smart Meter und Smart Home Energieeffizienz in Haushalten befördern. Es können Produkte für Energieeffizienz angeboten werden, die vorher technisch oder wirtschaftlich nicht möglich waren.

Mit der Veröffentlichung eines Grünbuchs zum Thema Energieeffizienz hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Diskussionsrahmen für die weitere Entwicklung des Themenfeldes aufgespannt [3]. Dabei werden im Kern fünf Themenschwerpunkte dargestellt:

  • Efficiency First,
  • Weiterentwicklung  des  Instrumentariums,
  • Energieeffizienzpolitik  auf  europäischer Ebene,
  • Sektorkopplung,
  • Digitalisierung.

Alle Themenfelder werden anhand von Leitfragen und Thesen strukturiert. Durch die Veröffentlichung als Grünbuch wird deutlich, dass ein Diskussionsprozess über die weitere Entwicklung des Themenfeldes angestoßen werden soll und noch keine abschließenden Antworten gegeben werden können.
Neben den nationalen Entwicklungen wurden auch von europäischer Seite neue Impulse gegeben. Die Europäische Kommission hat mit der Veröffentlichung des so genannten Winterpaketes den Rahmen für eine weitere Entwicklung der europäischen Energieeffizienzpolitik gesteckt. Dabei spielten auch Fragen der rationellen Energienutzung eine wesentliche Rolle im Kontext der vorgestellten, ganzheitlichen Strategie.
In dem vorliegenden Artikel werden die Entwicklungen des zurückliegenden Jahres 2016 dargestellt. Einführend werden die allgemeinen Veränderungen im Bereich Energieproduktivität in Deutschland analysiert. Darauf folgend werden Entwicklungen in ausgewählten Handlungsfeldern dargestellt und erörtert. Dabei werden neben aktuellen Entwicklungen auch längerfristige Trends zur rationellen Energieverwendung vorgestellt. Die Darstellung orientiert sich dabei an den fünf Hauptkapiteln des Grünbuchs Energieeffizienz der Bundesregierung.

Allgemeine Entwicklung der Energieintensität und -effizienz

Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland verzeichnete 2016 im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg von etwa 1,1 % auf 13 383 PJ [4]. Um etwaige Wettereinflüsse bereinigt reduziert sich dieser Anstieg auf 0,6 %. Währenddessen stieg die Primärenergieproduktivität, also Einheit Bruttoinlandsprodukt pro Einheit eingesetzter Primärenergieverbrauch, leicht um 0,7 % an (wetterbereinigt etwa 1,2 %). Bild 1 zeigt die Entwicklung von Primärenergieverbrauch und -produktivität von 1991 bis 2016. Im Durchschnitt sank der unbereinigte Primärenergieverbrauch in diesem Zeitraum um 0,35 %/a (bereinigt: 0,3 %/a). Die Primärenergieproduktivität stieg im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 1,7 %/a (bereinigt: 1,6 %/a).

Bild 1  Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs (PEV) und der Primärenergieproduktivität Deutschlands von 1991 bis 2016.

Bild 1
Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs (PEV) und der Primärenergieproduktivität Deutschlands von 1991 bis 2016.


Das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 sieht eine Reduzierung des Primärenergieverbrauchs von 20 % im Jahr 2020 gegenüber 2008 auf etwa 11 500 PJ vor [5]. Soll dieses Ziel zuverlässig erreicht werden, ist eine durchschnittliche jährliche Minderung des Primärenergieverbrauchs in Höhe von 1,8 % im Zeitraum 2008 bis 2020 notwendig. Ausgehend von 2016 ist zu der Erreichung des 2020-Ziels eine Verbrauchsminderung von durchschnittlich 3,7 %/a notwendig. Statistisch lag die durchschnittliche jährliche Reduktion des Primärenergieverbrauchs (PEV) im Zeitraum 1991 bis 2016 allerdings nur bei etwa 0,4 %. Um das für 2050 gesetzte Ziel einer Reduktion des PEV von 50 % – also auf etwa 7 200 PJ – zu erreichen, wäre eine jährliche Minderung von 1,6 %/a erforderlich. Aktuell liegt dieser Wert der durchschnittlichen jährlichen Änderung jedoch mit – 0,9 %/a für den Zeitraum 2008 bis 2015 unter der angestrebten Zieltrajektorie und muss ausgehend von 2016 auf etwa 2,9 %/a erhöht werden, um das 2020-Ziel erreichen zu können (1,8 %/a für das 2050-Ziel).

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Autoren

Dr.-Ing. Clemens Rohde

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Dr. Nele Friedrichsen

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

 Matthias Reuter

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Dr. Barbara Schlomann

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Dr. Jan Steinbach

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Prof. Dr. Martin Wietschel

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Trend 2017

Aus Sicht der rationellen Energieverwendung wird das Jahr 2017 von den in diesem Artikel diskutierten Themen dominiert werden. Die weitere Entwicklung des energiepolitischen Instrumentariums steht dabei vor dem Hintergrund der Bundestagswahl im September, bei der auch in diesem Bereich möglicherweise neue Impulse zu erwarten sind. Zu beobachten sind die weiteren Entwicklungen in Brüssel. Inwieweit die Vorschläge der Kommission nach der Abstimmung mit Rat und Parlament umgesetzt werden, ist in Teilen noch offen. Übergreifende Themen wie Sektorkopplung und Digitalisierung werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Daneben laufen die bestehenden Aktivitäten in allen Sektoren weiter. Zu beobachten wird sein, wie das neue Instrument der wettbewerblichen Ausschreibungen vom Markt angenommen wird. In der Industrie wird es interessant, wie sich die Netzwerkinitiative weiterentwickelt.