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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Gas

2016 war erneut ein Jahr voller Herausforderungen für die Gaswirtschaft: Der Klimaschutzplan 2050, der Pariser Klimagipfel COP21 und das EU-Winterpaket haben dem Energieträger Gas neue Leitplanken aufgezeigt. Positive Impulse setzte der Strommarkt mit einer verbesserten Auslastung der Gaskraftwerke. Verflüssigtes Erdgas (LNG) wird zunehmend verfügbar, im klassischen Wärmemarkt konnte Gas seine Rolle behaupten. Im Zusammenhang mit der Sektorenkopplung bieten sich für Gas im politischen Dialog neue Optionen. Vielfältige Forschungsinitiativen unterstützen die neue Rolle des Gases in der zukünftigen Energieversorgung.


Power_of_Gas
Am 30. November 2016 stellte die Europäische Kommission unter dem Titel „Saubere Energie für alle Europäer“ ein sehr umfängliches Maßnahmenpaket vor, das das ambitionierte Ziel verfolgt, gleichzeitig den Übergang zu umweltfreundlicher Energie und den Erhalt, besser noch Ausbau- der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union zu fördern. In ihrer Pressemitteilung zu diesem so genannten Winterpaket betont die Europäische Kommission, dass die EU beim Übergang zu einem umweltfreundlichen Energiesystem eine Vorreiterrolle einnehmen soll. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, dass die EU sich verpflichtet hat, die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 40 % zu senken. Dies soll einhergehen mit einer Modernisierung der EU-Wirtschaft und der Förderung von Beschäftigung und Wachstum. Die Europäische Kommission setzt dabei auf folgende drei Säulen: eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz, die weltweite Führung im Bereich der erneuerbaren Energien und die Bereitstellung fairer Angebote für die Verbraucher.

Internationale Entwicklungen

Nach Auffassung der Europäischen Kommission ist der Übergang zu sauberer Energie als der entscheidende Wachstumssektor der Zukunft zu begreifen. Im Jahr 2015 wurden über 300 Mrd. € in diesen Bereich investiert. Die Vorschläge der EU-Kommission beziehen sich auf folgende Themen: Steigerung der Energieeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien, Gestaltung des Strommarktes, Sicherheit der Stromversorgung und Steuerung der Energieunion, neue Möglichkeiten für das Ökodesign sowie eine Strategie für vernetzte und automatisierte Mobilität. Im Mittelpunkt stehen die Beschleunigung von Innovationen im Bereich der „sauberen“ Energie sowie zur Gebäuderenovierung, Förderung öffentlicher und privater Investitionen, Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in der EU und Abmilderung der gesellschaftlichen Auswirkungen des Übergangs zu sauberer Energie sowie der Ausbau der EU-Führungsrolle bei umweltschonenden Energietechnologien und -dienstleistungen.
Bereits im Oktober 2014 einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten auf das ambitionierte Ziel, die Treibhausgasemissionen in der EU um mindestens 40 % bis 2030 zu reduzieren. Das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen aus 2015 hat den EU-Ansatz bestätigt. Das jetzt vorgelegte Maßnahmenpaket dient gerade auch der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens.

Übersicht zu den Gesetzesvorschlägen

Die Europäische Kommission hat die folgenden konkreten Gesetzesvorschläge veröffentlicht:

  •  Verordnung zum Strommarkt (Neufassung der Verordnung über die Netzzugangsbedingungen Strom (EU) Nr. 714/2009),
  •  Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2009/28/EU,
  •  Neufassung der Strombinnenmarkt-Richtlinie 2009/72/EU,
  •  Verordnung zur Risikovorsorge im Stromsektor,
  •  Neufassung ACER-Verordnung (EU) Nr. 713/2009,
  •  Überarbeitung der Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU,
  •  Überarbeitung der Gebäudeeffizienzrichtlinie 2010/31/EU,
  •  Verordnungsvorschlag zur Governance der Energieunion.

Es würde den Rahmen dieses Beitrags bei weitem überschreiten, an dieser Stelle auf die einzelnen Gesetzesvorschläge im Detail einzugehen. Deshalb sind nachfolgend nur einige wenige Details aufgeführt.

Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie

Mit den nun vorgeschlagenen Änderungen soll die Erreichung des vom Europäischen Rat im Oktober 2014 beschlossenen EU-weit verbindlichen Ziels in Höhe von mindestens 27 % Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch sichergestellt werden. Die Vorschläge beziehen sich auf Vorgaben zur finanziellen Förderung von Erneuerbaren Energien, Öffnung von Fördersystemen für andere Mitgliedsstaaten, Eigenerzeugung und -verbrauch von Strom aus erneuerbaren Energien, Genehmigungsverfahren, Verwendung von erneuerbaren Energien im Kälte-, Wärme- sowie im Verkehrsbereich, Kooperationen zwischen Mitgliedsstaaten und mit Drittstaaten, Herkunftsnachweise und Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie.
Die Mitgliedsstaaten werden verpflichtet, die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien auf der Grundlage offener, transparenter, wettbewerblicher, nichtdiskriminierender und kosteneffizienter Verfahren zu gewährleisten.
Der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmemarkt soll ab 2021 jährlich um einen Prozentpunkt bezogen auf den nationalen Endenergieverbrauch steigen. Die Mitgliedsstaaten können dies entweder über

  •  eine Erhöhung des Erneuerbaren-Anteils in den für die Wärmeversorgung verwendeten Energieträgern,
  •  über direkte Vermeidungsmaßnahmen wie den Einbau auf Erneuerbaren basierender Heizsysteme oder
  •  indirekt durch handelbare Zertifikate erreichen.

Ab 2021 sollen Kraftstoff- beziehungsweise Energielieferanten verpflichtet sein, einen Mindestanteil an erneuerbaren Energien beizumischen.

Überarbeitung der Energieeffizienz-Richtlinie

Die Kommission schlägt eine verbindliche EU-weite Steigerung der Energieeffizienz um 30 % bis 2030 vor, ausgedrückt in Form eines absoluten Einsparziels gemessen in Primär- und Endenergie. Das verbindliche Ziel auf EU-Ebene soll mit Hilfe von nationalen indikativen Zielen erreicht werden.

Überarbeitung der Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie

Die Infrastruktur für Elektromobilität soll ausgebaut werden. In neuen Nichtwohngebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen sowie in Nichtwohngebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen, die einer umfangreichen Renovierung unterzogen werden, muss jeder zehnte Parkplatz für die Nutzung im Rahmen der Elektromobilität ausgerüstet sein. Dies gilt ab 2025 für alle Nichtwohngebäude mit mehr als zehn Parkplätzen, einschließlich der Gebäude, in denen die Installation von Ladepunkten im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe vorgesehen ist. In neuen Wohngebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen und Wohngebäuden, die einer umfangreichen Renovierung unterzogen werden, müssen Vorverkabelungen vorgenommen werden, die die Errichtung von Ladepunkten ermöglichen. Die Mitgliedsstaaten können Gebäude, die sich im Eigentum von KMU befinden und von diesen genutzt werden, sowie öffentliche Gebäude, die unter die Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe fallen, von dieser Regelung ausnehmen.
Zudem ist die Einführung eines „Intelligenzindikators“ vorgesehen, der die Fähigkeit des Gebäudes kennzeichnet, seinen Betrieb an die Erfordernisse der Bewohner und des Netzes anzupassen und seine Leistung zu verbessern.

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Autoren

Dr.-Ing. Frank Graf

DVGW-Forschungsstelle am KIT, Karlsruhe

Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Frank Gröschl

DVGW, Bonn

Dr. jur. Uwe Wetzel

DVGW, Bonn

M. Sc. Frederik Brandes

DVGW, Bonn

Dr.-Ing. Maik Dapper

DVGW, Bonn

Dr.-Ing. Michael Walter

DVGW, Bonn

Prof. Dr.-Ing. Klaus Heikrodt

Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Lemgo

Prof. Dr.-Ing. Hartmut Krause

DBI – Gastechnologisches Institut, An-Institut der TU Bergakademie Freiberg

Dr.-Ing. Rolf  Albus

Gas- und Wärme- Institut Essen e. V.

Dipl.-Ing. Frank Burmeister

Gas- und Wärme- Institut Essen e. V.

Dipl.-Ing. (FH) M.Eng. Maren Wenzel

Gas- und Wärme-Institut Essen e. V.

M.Eng. Nadine Lefort

Gas- und Wärmeinstitut Essen e. V.

 Armin Beilfuß

Team Consult G.P.E. GmbH, Berlin.

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Bernhard Witschen

Team Consult G.P.E. GmbH, Berlin