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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Erneuerbare Energien

Zentraler Treiber im Bereich der „regenerativen Energien“ war und ist weiterhin der Klimaschutz. Dies hat sich erneut in der Ratifizierung des Weltklimaabkommens von Paris durch das EU-Parlament Anfang Oktober 2016 manifestiert. Damit wurden die notwendigen 55 % der weltweiten Treibhausgasemissionen und die Mindestzahl von 55 Staaten erreicht, so dass das Abkommen zum 4. November 2016 in Kraft treten konnte. Damit hat sich die Weltgemeinschaft auf das Ziel eines maximalen globalen Temperaturanstiegs von möglichst unter 2,0 °C verpflichtet; dies impliziert einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien auf globaler Ebene. Im Gegensatz zu diesem aus globaler Sicht im Sinne des Klimaschutzes und damit indirekt der erneuerbaren Energien sehr positiven Signal ist die erste Fassung des deutschen Klimaschutzplans ein Beispiel für die Zurückhaltung der deutschen Politik im Hinblick auf eine auch zukünftige Vorreiterrolle im Klimaschutz und damit bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien; damit deutet sich hier ein Politikwechsel hin zu einer zukünftig deutlich zögerlicheren Rolle Deutschlands in diesem Bereich an. Zudem bietet der weiterhin immer noch relativ niedrige fossile Energiepreis keine Anreize für einen wieder beschleunigten Umbau des Energiesystems. Deshalb kam es in Deutschland 2016 insgesamt zu keinem wirklich signifikanten Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Stromsektor verzeichnete allein die Windenergie einen merklichen Leistungsausbau; aufgrund des unterdurchschnittlichen Wind- und Solarstrahlungsangebots stieg die Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien in Deutschland 2016 aber nur sehr geringfügig, während die Nutzung erneuerbarer Wärme aufgrund der kühleren Wintermonate etwas zunahm. Im Mobilitätssektor erfolgte 2016 kein merklicher Ausbau; hier ist die Nutzung nahezu vergleichbar zum Vorjahr. Vor diesem Hintergrund werden nachfolgend der Stand und die sich abzeichnenden Entwicklungen in Deutschland im Jahr 2016 im Strom-, Wärme- und Transportsektor für einzelne Optionen zur Nutzung erneuerbarer Energien aufgezeigt und diskutiert.


In Deutschland war das Jahr 2016 gekennzeichnet von unterdurchschnittlichen Wind- und Solarverhältnissen bei gleichzeitig kälteren Wintermonaten im Vergleich zum Vorjahr. In Folge nahm die Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien nur geringfügig und die Wärmebereitstellung deutlich zu – und dies obwohl sich in fast allen Bereichen die Anzahl und die Leistung der installierten Anlagen erhöht haben.

In Deutschland war das Jahr 2016 gekennzeichnet von unterdurchschnittlichen Wind- und Solarverhältnissen bei gleichzeitig kälteren Wintermonaten im Vergleich zum Vorjahr. In Folge nahm die Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien nur geringfügig und die Wärmebereitstellung deutlich zu – und dies obwohl sich in fast allen Bereichen die Anzahl und die Leistung der installierten Anlagen erhöht haben.

Auch 2016 lag die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland mit 1,1 °C erneut über dem vorindustriellen Wert und 0,7 °C über dem Referenzzeitraum 1961 bis 1990 [1 bis 3]. Damit reiht sich das Jahr 2016 in die davorliegenden Jahre ein, die ebenfalls durch überdurchschnittliche Temperaturen – und das auch auf globaler Ebene (2016 nach 2015 und 2014 wieder das wärmste Jahr in den Aufzeichnungen [4]) – gekennzeichnet waren. Diese von unterschiedlichen Forschergruppen in verschiedenen Ländern auf einer jeweils verschiedenartigen Datenbasis unabhängig voneinander erarbeiteten Faktenlage, die nur noch aus ideologischen Gründen von bestimmten politischen Gruppierungen angezweifelt wird, hat letztlich zu dem Ende 2015 ausgehandelten und 2016 ratifizierten Paris-Klimaschutzabkommen geführt [5]. Inwieweit jedoch vor dem Hintergrund der zunehmend erstarkenden politischen Kräfte, die diese globalen Veränderungen negieren, die notwendigen und teilweise teuren Treibhausgasreduktionsmaßnahmen auf einer globalen Ebene tatsächlich auch ergriffen werden, ist indes unklar und zumindest kurzfristig eher fraglich. Auch reichen die bisher freiwillig gemeldeten Beiträge zur Reduktion der weltweiten Klimagasemissionen bei weitem nicht aus, um das im Paris-Abkommen angestrebte Ziel nur näherungsweise zu erreichen [6]. Zudem sind die Signale aus verschiedenen Ländern zum Teil sehr widersprüchlich. Während sich beispielsweise China seiner Verantwortung zunehmend bewusst wird [7], vermittelt die derzeitige US-amerikanische Administration bisher nicht den Eindruck, in Klimaschutzfragen eigene Akzente setzen oder gar eine Vorreiterrolle einnehmen zu wollen [8; 9]. Auch die Handlungswilligkeit zu einem effizienten Klimaschutz eines immer mehr von nationalstaatlichen Interessen getriebenen Europas muss zunehmend in Frage gestellt werden. Selbst der einstige „Musterschüler“ Deutschland hat seine bisher stolz präsentierte Vorreiterrolle aufgegeben – dies gilt sowohl beim absoluten Ausbau der erneuerbaren Energien [10] als auch in der Technologieführerschaft [11] und bei den politischen Zielvorgaben; zum Beispiel kann Deutschland ohne einen forcierten Ausstieg aus der Kohleverstromung seinen Beitrag zur Erreichung des 2-°C-Ziels nicht erbringen [12] – und das ist aus einer Vielzahl von sehr unterschiedlichen Gründen aus derzeitiger Sicht kaum vorstellbar und auch politisch von weiten Teilen der Bundesregierung nicht gewollt. Dieser Verlust an klima- und umweltpolitischem Führungsanspruch spiegelt sich auch insgesamt in der deutschen Energiepolitik wider. Selbst wenn die deutsche Politik 2016 einen großen Aktionismus bei der Neugestaltung gesetzlicher Regelungen im Energiebereich an den Tag gelegt hat [13], sind viele Regelungen inhaltlich nur wenig ambitioniert; das gilt nicht nur für die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2017 mit seinen sehr überschaubaren Ausbauzielen [14], sondern auch beispielsweise für den weitergehenden Klimaschutz im Wärme- und Transportsektor. Insgesamt konnte Deutschland zwar bis Ende 2016 seine Klimagasemissionen um insgesamt knapp 28 % gegenüber 1990 reduzieren. Jedoch ist der Treibhausgasausstoß 2016 erneut auf rund 906 Mio. t angestiegen (rund 0,4 % mehr als 2015 mit 902 Mio. t) [15]. Damit waren seit 2009 (907 Mio. t) die Treibhausgasemissionen in Deutschland nahezu konstant. Daher erscheint die angestrebte Reduktion um 40 % bis Ende 2020 ohne schnell wirksame Maßnahmen kaum noch umsetzbar.

Rand- und Rahmenbedingungen

2016 hat die Bundesregierung unter Federführung des BMWi eine Vielzahl von Maßnahmen realisiert, um die Energiewende in allen Sektoren weitergehend zu gestalten [13]. Ein wesentlicher Baustein war die erneute Novellierung des EEG [14] unter anderem mit einer fortgesetzten Transformation hin zu Ausschreibungsverfahren und einer Diskussion um Mieterstrommodelle. Auch wurden unter anderem Regelungen zum Strommarktdesign und der Kapazitätsreserve erarbeitet, der Szenarienrahmen 2030 für die Übertragungsnetze definiert, das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet und das Grünbuch Energieeffizienz erarbeitet [16]. Parallel dazu liefen Bestrebungen zur Vereinheitlichung des rechtlichen Rahmens im Gebäudewärmebereich; aber das angestrebte Gebäudeenergiegesetz, das die Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz vereinen soll, konnte nach wie vor nicht verabschiedet werden [17]. Vor diesem Hintergrund werden nachfolgend ausgewählte Aspekte, die die Nutzung des regenerativen Energieangebots bestimmen, vertieft diskutiert.

Klimaschutz

Anfang Oktober hat das europäische Parlament das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert; die Ratifizierungsurkunde wurde am 4. Oktober 2016 bei der UN hinterlegt. Damit trat das Paris-Abkommen am 4. November 2016 in Kraft [18]. Für Deutschland bedeutet das eine verbindliche Verpflichtung zur Senkung der Treibhausgasemissionen (THG), damit das Ziel einer maximalen Erderwärmung um durchschnittlich 2-°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erreicht wird [19]. Dabei bedeutet dieses 2 °C-Ziel, wenn es mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 % eingehalten werden soll, dass global in Summe nur noch rund 890 Gt an Treibhausgasen emittiert werden dürfen.

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Autoren

Dr.-Ing. Volker Lenz

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig,

Dr.-Ing. Franziska Müller-Langer

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig

 Velina Denysenko

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig

Dipl.-Umweltwiss. Jaqueline Daniel-Gromke

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig

Dipl.-Geogr. Nadja Rensberg

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig

Dipl.-Ing. Cornelia Rönsch

DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig

Dr.-Ing. Sebastian Janczik

Jahrgang 1979, promovierte im Bereich Regenerative Energiesystemtechnik mit dem Schwerpunkt Nutzung der Tiefen Geothermie an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH). Seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der TUHH. Seit 2016 ist er Mitarbeiter am Leipziger Institut für Energie GmbH in Hamburg.

Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt

Jahrgang 1961, Studium an der Technischen Universität Clausthal, Promotion an der Universität Stuttgart. Dort Abteilungsleiter am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Habilitation auf dem Gebiet erneuerbarer Energien.
Von 2001 bis 2008 war er Geschäftsführer des Instituts für Energetik und Umwelt gGmbH in Leipzig. Als wissenschaftlicher Geschäftsführer war er von 2008 bis 2010 am DBFZ tätig. Seit 2006 ist er Leiter des Instituts für Umwelt und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH).