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Ausgewählte Ausgabe: 5-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Big Iron trifft Big Data


DIGITALISIERUNG | Vor uns liegt eine digitale Revolution. Studien deuten darauf hin, dass das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch das „Industrial Internet“ – die Integration von Industrieanlagen (Big Iron) mit cloud-basierter Analytik (Big Data) – innerhalb der nächsten 20 Jahre um 10 bis 15 Billionen US-Dollar wachsen wird. Durch moderne Sensorik, Datenerfassung, -verarbeitung und Analytik können wir das Ziel eines vollständig integrierten Systems zur Steigerung der Gesamtproduktivität erreichen.
Um diese Chancen in voller Gänze zu nutzen, werden viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich von bisherigen Denkweisen verabschieden müssen, die in der Wirtschaft und in der Industrie lange üblich waren. Die Entwicklung zur Industrie 4.0 im Sinne einer fortschreitenden Automatisierung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Allerdings greift dieser Ansatz zu kurz, wenn die weiteren Möglichkeiten der Digitalisierung außer Acht gelassen werden. Es geht darum, die gesamte Wertschöpfungskette produktiver zu machen – auch und gerade durch Service-Dienstleistungen und das Betreiben einer Anlage. Ein Kunde möchte heute keine Anlage kaufen, sondern Outcome. Er möchte eine Performance-Garantie zum Festpreis über den Lifecycle von 20 und mehr Jahren. Das sehen wir in allen Branchen.
Um ein Beispiel zu nennen: Die Windenergieanlagen der 3-MW-Plattform von GE nutzen die Möglichkeiten des Industrial Internet, analysieren jede Sekunde zehntausende Datenpunkte, um die Leistung und Effizienz von Windparks zu evaluieren, die Wartungsproduktivität zu erhöhen und neue Umsatzpotenziale für Kunden zu erschließen. Zusätzlich bieten wir durch Software-Upgrades wie PowerUp ein verbessertes Anlagenmanagement für bestehende Anlagen und bis zu fünf Prozent höheren jährlichen Energieertrag. Für sämtliche Bereiche existieren diese Möglichkeiten zur Leistungssteigerung, sei es durch Asset-Performance-Management-Lösungen in der Öl- und Gasindustrie oder durch Monitoring, Analyse und Verarbeitung von Datenströmen im Bereich Digital Urban Mobility.
Das Rennen werden Unternehmen machen, die kreativ sind und gemeinsam neue Standards setzen. Wir müssen lernen, Partnerschaften einzugehen. Denn kein Unternehmen ist groß genug, um die Digitalisierung alleine zu stemmen.
Europa ist GEs größter Markt außerhalb der USA. Hier haben wir die in der Firmengeschichte mit Abstand größte Transformation gestemmt und in den letzten 18 Monaten 65 000 Mitarbeiter der Energiebereiche von Alstom in das Unternehmen integriert. Allein in Deutschland haben wir unseren Umsatz in den letzten Jahren verdreifacht und sind zu einem wichtigen Partner der deutschen Stadtwerke geworden.
Deutschland ist für uns das größte Energielabor der Welt und einer der globalen Innovationstreiber. Mit unseren Lösungen von der Erzeugung über die Verteilung bis hin zur Speicherung von Energie wollen wir dazu beitragen, den Wandel des Energiesystems mitzuprägen und Deutschland zu einem Vorbild nachhaltiger Energieversorgung zu machen. Deshalb haben wir hierzulande in den vergangenen Jahren kontinuierlich in den Ausbau unserer Forschungs- und Entwicklungskapazitäten investiert – zuletzt in die Firma Concept Laser, einem Marktführer der additiven Fertigung. Mit Partnern und Kunden kooperieren wir im Rahmen von gemeinsamen Projekten, um Innovationsvorhaben voranzutreiben.
Die Zukunft der Digitalisierung und der modernen Fertigung beginnt in Deutschland bereits jetzt. Gerade hier, wo die Ingenieurskultur so tief in der deutschen Wirtschaft verwurzelt ist, sollten wir alles daran setzen, den technologischen Fortschritt voranzutreiben.
Man ist in Deutschland zu Recht stolz auf das Erreichte in den klassischen Industriebranchen. Jetzt ist es wichtig, nicht abzuwarten, was sich tut, sondern die Transformation mitzugestalten. Wenn die jüngere Geschichte des Internets eines lehrt, dann, dass Geschwindigkeit zum entscheidenden Faktor für Erfolg geworden ist. Insofern wünsche ich uns unternehmerischen Mut und freue mich, die digitale Revolution gemeinsam anzugehen.

Autoren

Prof. Dr.-Ing. Stephan Reimelt

President und CEO von GE Deutschland und Österreich.